Bei dem Titel denkt man unweigerlich, dass Angus & Julia Stone ein Album mit Coverversionen aufgenommen haben. Aber Fremdkompositionen hört man auf „Karaoke Bar“ nicht, mit Ausnahme vom Titelsong, denn hier wird Neil Diamonds Karaoke-Klassiker „Sweet Caroline“ im Refrain kurz zitiert. Julia Stone beschrieb das Gefühl des Titelsongs so, dass in einer Karaoke-Bar durch das gemeinsame Singen mit Fremden all jene Dinge abfallen, die Menschen sonst trennen. Neben der dadurch entstehenden menschlichen Verbundenheit dreht sich das Album um das Feiern der Musik, und gemeinsame Erinnerungen. Letztere beziehen sich wohl auf Reisen durch Griechenland, Frankreich und Australien und die beiden Geschwister verarbeiteten darin Erlebnisse, Begegnungen und Orte, an denen sie unterwegs Stopps einlegten und die Songs schrieben und aufnahmen.
Musikalisch bleiben sich Angus & Julia Stone treu und verbinden nicht nur ihre Stimmen, sondern auch seichten Indiepop, sehnsuchtsvollen Dreampop und entspannten Folkpop. In ihrer australischen Heimat haben sie damit einen Nerv getroffen, denn „Karaoke Bar“ führte die beiden Stones zum ersten Mal seit 12 Jahren zurück an die Spitze der Charts. Ob die Plattenrichter zukünftig in der Karaoke Bar Lieder aus diesem Album singen werden, bleibt zu bezweifeln.
„Karaoke Bar“ ist als CD, Kassette und LP (Black Vinyl, Cherry Marble Vinyl, Gold Clear Smoky Vinyl, Orange, Light Blue & Red Hand Pour Marble Vinyl) erhältlich.
„Monroe“ groovt lässig vor sich hin, ohne viel zu wollen, und liefert mit dem psychedelisch angehauchten Outro eine Hommage an seinen Entstehungsort: die Miraval-Studios in Frankreich, wo einst schon Pink Floyd aufnahmen.Manchmal wird es dann aber zu plakativ. Klar, die robotische Stimme in „Brightest Place“ personifiziert die „neonlights“ und die „dancefloors“, die sie besingt, nervt aber schnell. Dann doch lieber mit dem Schmachtfetzen „Take Me Back To Japan“ der Nostalgie frönen und den Stone-Geschwistern leicht angekitscht in Zeiten folgen, in denen man noch im Kino rauchen durfte.
Das Beste, was man über den irritierenden Vocodereinsatz bei „Brightest Place“ sagen kann, ist, dass Julia Stone immerhin fast wie Daisy Duck klingt.„Karaoke Bar“ eignet sich zudem hervorragend als Schlummertrunk für die Ohren. Keine aufregenden Arrangements, keine intellektuell belastenden Texte, keine Refrains, die sich festsetzen. Aber leider auch kein Hit wie „Big Jet Plane“. Das verflixte siebte Album.

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