20. April 2026

Tomora - Come Closer


Die Wege von Tom Rowlands, einer Hälfte von The Chemical Brothers, und der norwegischen Musikerin Aurora Aksnes hatten sich zuvor bereits mehrfach gekreuzt: Auf dem 2019 veröffentlichten „No Geography“ setzte Aurora die Tradition bekannter Gastsänger*innen (u.a. Beth Orton, Noel Gallagher, Hope Sandoval oder Richard Ashcroft) auf den Alben der Chemical Brothers fort, war auch als Songwriterin an drei Stücken beteiligt und trug ihren teil dazu bei, dass deren neuntes Album mit dem Grammy Award ausgezeichnet wurde. Tom Rowlands revanchierte sich als Songwriter, Produzent und Musiker auf zwei Liedern von „What Happened to the Heart?“ (2024), dem letzten Studioalbum von Aurora.

Offensichtlich passte es musikalisch zwischen den Beiden, sonst hätten sie sich nicht erneut  zusammen getan und gemeinsam 12 Songs aufgenommen, die sie unter dem Namen Tomora nun veröffentlicht haben. Dabei war die Kooperation ursprünglich gar nicht darauf ausgerichtet, ein komplettes Album zu veröffentlichen. Bevor der Kofferwort-artige Projektname, der sich auf den Vornamen der Protagonist*innen zusammensetzt, bekannt wurde, streute Rowlands Songs wie „Ring The Alarm“ oder „Somewhere Else“ bereits in seine DJ Sets ein, wodurch bereits klar sein sollte, in welche musikalische Richtung (Elektro, Big Beat und Electronica mit reichlich repetitiven Momenten zum Tanzen) dieser Trip geht. Wäre da nicht der Altersunterschied von über 25 Jahren, könnte man hier auch von The Chemical Siblings sprechen.

„Come Closer“  ist als CD und LP (Total Eclipse Black Vinyl, Pink Nebula Vinyl, Pink And Black Swirl Vinyl, Glow In The Dark Vinyl) erhältlich.


Stattdessen gibt es einen wilden Ritt durch verschiedene Gradationen von Techno-, Drum’n’Bass und Clubgrooves, die Rowland mit fiebriger Intensität aus seiner Maschinerie holt und auf der anderen Seite Auroras – oft brutal zerhackte – Vokal-Elemente, die zuweilen klingen, als wolle sich die Gute als Sängerin durch Nickeligkeit selbst diskreditieren. Mit dem Kerngeschäft der ansonsten gesanglich geschickt mit Harmonien und Melodien hantierenden Songwriterin hat das also nicht mehr viel zu tun. Stattdessen ist klar erkennbar, dass sowohl Rowland wie auch Aurora die Extreme suchen (und finden).


 


 


 




17. April 2026

Maria Taylor - Story’s End


Maria Taylor hat seit ihrem letzten Album, dessen Veröffentlichung bereits sieben Jahre zurück liegt, ihre Verbindungen zu Bright Eyes wieder intensiviert. (auch wenn ich nicht weiß, ob sie wieder Conor Oberst dated). So war sie in die Entstehung der Companion-Serie involviert, die Bright Eyes 2022 und 2023 zu allen ihren Studioalben veröffentlichten. Außerdem ging sie anschließend mit der Band als deren Schlagzeugerin auf Tour. 

Da wundert es nicht, dass Conor Oberst (Gesang bei „Sorry I Was Yours“), Mike Mogis (diverser elektronische Gerätschaften bei sieben Songs) und Nate Walcott (Streicherarrangements von vier Liedern) sich auch mit Gastbeträgen auf ihrem neuen Album verewigten. Passender Weise erschien „Story’s End“ als eine der ersten Veröffentlichungen auf dem 2024 von Conor Oberst gegründeten Label Million Stars Records (Black Vinyl, Cats Eye Colored Vinyl, Emerald Colored Vinyl).

Ansonsten zeigt Maria Taylor auf „Story’s End“ das ganze Spektrum ihres Schaffens: Es gibt verträumten, Streicher durchtränkten Folkpop („Story’s End“, „Powerlines“, „Nathaniel“), Folk-Momente mit sanft säuselnden Flötentönen („Be Careful What You Want“) oder an der Nahtstelle zum Country („Everything Is Fine (My Loves)“), cineastischen, beschwingten Indiepop („Shades Of Blue“, „Never Thought I’d Feel New“), mit „Tricky“ einen aufgrund seiner Beats (und nicht nur seines Titels wegen) an Trip Hop gemahnenden Song sowie am Ende eher unerwartet gitarrigen Indierock („Change Is Coming Soon (Green Butterfly Sequel)“).

Die lange Wartezeit hat sich gelohnt, „Story’s End“ könnte das bisher stärkste Soloalben der einen Hälfte von Azure Ray sein.


Die Songs selbst versinken dabei weder in Wehmut noch etwa verpuffen sie in hedonistischer Belanglosigkeit. Die Balance zwischen Düsternis, Melancholie, Empowerment, Hoffnung und Akzeptanz ist dabei ausschlaggebend. Während die Up-Tempo-Tracks wie „Shades Of Blue“ oder „Never Thought I’d Feel New“ von einem eher kämpferisch/trotzigen Drive getragen werden, tendieren die balladesken Nummern wie „Story’s End“ oder „Sorry I Was Yours“ (bei dem Conor Oberst als Duettpartner fungiert) eher zur melancholisch/nachdenklichen Seite. Eine genaue Trennlinie gibt es indes nicht – und so gehören die Tracks, die (auch musikalisch) keiner bestimmten Gemütslage eindeutig zugeordnet werden können – beispielsweise „Tricky“ oder „Powerline“ – zu den interessantesten des Albums. Bestes Beispiel dafür ist der abschließende Track „Change Is Coming Soon“, der als fast schon lamentöse Ballade beginnt, dann aber auf halbem Wege zu einer fast schon stürmischen Hymne aufblüht und die eigentlich positive Botschaft des Songs (und des ganzen Albums) dann mit einem ermunternden Gitarrensolo entsprechend überzeugend markiert.


 


 




15. April 2026

They Might Be Giants - The World Is To Dig


10 Fakten zum neuen Album von They Might Be Giants:

1. Der Albumtitel, „The World Is To Dig“, ist von dem 1952 erschienenen Kinderbuch „A Hole Is to Dig“ von Ruth Krauss inspiriert . John Flansburgh besitzt sein Exemplar aus seiner Kindheit auch heute noch. Zum Albumtitel sagt er folgendes: „I was trying to think of a title that would be positive. We live in this terrible political moment that I think is frightening everybody, and I didn't want the title to be reactive to that, but at the same time, I also sort of wanted to spread a little bit of positive, just sort of immediate positivity.“

2. Ursprüngliche wählten They Might Be Giants ein Foto eines natürlichen Erdfalls aus der Washington Post als Cover für ihr Album aus, aber als der Vertrag fast abgeschlossen war, hielten die Massenentlassungen bei der Washington Post die Band jedoch davon ab, dieses Foto als Cover zu nutzen:



3. Beim endgültigen Cover handelt es sich um ein Gemälde des Yosemite Valleys im Stile der Hudson River School, einer amerikanischen Kunstbewegung der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von einer Gruppe von Landschaftsmalern gegründet wurde, deren ästhetische Vision vom Romantizismus beeinflusst war. Der Urheber ist umstritten, es wird aber Thomas Hill zugeschrieben. 


 


4. Seit 1986 haben They Might Be Giants 24 Studioalben veröffentlicht. 2018 erschienen sogar drei Alben innerhalb eines Jahres. Zwischen ihrem letzten Album, „Book“, und nun „The World Is To Dig“ vergingen aber 4 Jahre, 5 Monate und 2 Tage. Für diese Rekord-Wartezeit führen They Might Be Giants drei Gründe an: die COVID-19 Pandemie, die Folgen eines Autounfalls von John Flansburgh und gesundheitliche Probleme von John Linnell. 

5. Tatsächlich begannen They Might Be GIants mit den Aufnahmen bereits vor der Veröffentlichung von „Book“ (2021). Ende 2025 waren die Arbeiten am Album abgeschlossen, nachdem früherer Albumversionen durch schnellere Versionen ersetzt wurden, sie neues Material hinzufügten, Remixe erstellten und die Songreihenfolge änderten. Letztendlich finden sich auf dem Album 18 Songs, die 44:28 Minuten laufen. 


 


6. Bei They Might Be Giants bleiben immer zahlreiche Lieder übrig, die nicht zum Album passen. So startete das Jahr 2026 mit der Veröffentlichung der „Eyeball“ EP, welche die Songs „Eyeball“, „The Glamour Of Rock“ und „Peggy Guggenheim“ bietet.

7. Aus dem Album wurden im Februar und März vier Singles vorab herausgebracht: „Wu-Tang“, „Sleep’s Older Sister“, „Outside Brain“ und „Overnight Sensation (Hit Record)“. Eine Hit Single war nicht dabei und daher bleibt „Birdhouse In Your Soul“ aus dem Jahr 1990 der größte Erfolg der Band: Platz 6 im UK und Platz 3 in den US Alternative Airplay Charts.


 


8. Bei „Overnight Sensation (Hit Record)“ handelt es sich um die Coverversion einer 1974 veröffentlichten Single der Band Raspberries. Der Song erreichte damals Platz 18 der US Charts. Als Solokünstler war der Sänger der Band in den folgenden Jahren noch erfolgreicher: Eric Carmen gelangen in den USA drei Top 10 Singles: „All By Myself“ (1975; #2), „Hungry Eyes“ (1987; #4) und „Make Me Lose Control“ (1988; #3).

9. Auch nach so vielen Jahren kann es noch Premieren für They Might Be Giants geben: Der Song „Je N'en Ai Pas“ ist komplett in Französisch verfasst und enthält französische Ausdrücke, die John Linnell speziell für die Aufnahmen lernen musste. 

10. „The World Is to Dig“ wurde am 14. April als CD, Kassette und LP (translucent red Vinyl) veröffentlicht.
 

14. April 2026

Snail Mail - Ricochet


Am gleichen Tag wie das gestern vor Gericht gestellte „Creature Of Habit“ kam auch „Ricochet“ in die Plattenläden. Jedoch fand das neue Album von Lindsey Jordan nicht nur weniger Käufer*innen sondern sammelte auch weniger Punkte bei Metacritic, nämlich insgesamt 74/100. Auch hinsichtlich der Deutschlandkonzerte (eins, am 20.06.26 im Berliner Columbia Theater) und der Vinylveröffentlichungen (vier, Black Vinyl, White Vinyl, Red Vinyl und Gold Vinyl) kann Jordan nicht mit Barnett mithalten. Beim Rolling Stone, der auch schon gestern zitiert wurde, gab es ebenfalls ein halbes Sternchen weniger (dreieinhalb):


„Ricochet“ ist Snail Mails Coming-of-Age-Werk. Die Musik führt die der ersten beiden Alben weiter: Nineties-Alternative-Rock, Emo und ein milder Grunge. Doch der Sound ist nun opulenter – Streicher und große Hallräume öffnen die Kulissen. Die Produktion übernahm unter anderem Mitch Easter, und das ist eine interessante Wahl. Easter produzierte Anfang der Achtziger die ersten Alben von R.E.M. und ist für den Jingle-Jangle-Sound jener Jahre bekannt.
Vielleicht spürt man seinen Stil in den Gitarrenarrangements zum Beispiel von „Butterfly“, einem gleichzeitig aufgekratzten und watteweichen Lied. Beim sanften „Hell“ denkt man wirklich ein bisschen an Easters berühmteste Klienten, der Refrain ist aber Power-Pop wie von Juliana Hatfield. „Nowhere“ verbindet Death Cab For Cutie mit Radiohead zur Zeit von „In Rainbows“. Der größte Moment gehört dem epischen Titelsong, der an die Melancholie der Smashing Pumpkins erinnert. 


Nach „Lush“ (2018) und „Valentine“ (2021) veröffentlicht die 26-jährige US-Amerikanerin auch ihr drittes Album unter dem Namen Snail Mail via Matador Records. Kreative Kraft im Studio war Aron Kobayashi Ritch von der Band Momma, der nicht nur produzierte und arrangierte sondern auch zahlreiche Instrumente einspielte. 

Im Vergleich zu Courtney Barnett wird es von mir mehr Punkte für Snail Mail geben, da gleich vier Songs mit Streichern aufgehübscht wurden und ich ihre Shoegaze- („Tractor Beam“) und 90ies Indierock-Einflüsse („Agony Freak“ lässt an Garbage und „Cruise“ an The Smashing Pumpkins denken) zu schätzen weiß. 


 


 




13. April 2026

Courtney Barnett - Creature Of Habit


Oh, haben es die Australier etwa ihrer Courtney Barnett krumm genommen, dass sie ihren Wohnsitz von Melbourne nach Los Angeles verlegt hat und ihr eigenes Label Milk! Records nach 12 Jahren dicht gemacht hat? 

Wie ließe sich sonst erklären, dass ihr viertes Album - nachdem die Vorgänger trotz Indie-Status Garanten auf Top 5 Platzierungen waren („Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit“ #4, „Tell Me How You Really Feel“ #2 und „Things Take Time, Take Time“ #5) - in ihren heimischen Charts nur Rang 19 erreichte?

An schlechten Plattenkritiken kann es nicht gelegen haben, denn bei Metacritic steht „Creature Of Habit“ bei 80/100 Punkten. Die 10 Songs wurden bereits in Kalifornien aufgenommen, was vielleicht eine Hinwendung zu Americana erklärt, und von Courtney Barnett zusammen mit Stella Mozgawa von Warpaint, John Congleton (Sigur Rós, Franz Ferdinand, mogwai, Death Cab For Cutie) und Marta Salogni (Depeche Mode, Björk) produziert. Neben Barnett und Mozgawa kamen weitere bekannte Musiker*innen ins Studio: Flea von den red Hot Chili Peppers spielt Bass auf „One Thing At A Time“, Katie Crutchfield aka Waxahatchee singt auf „Site Unseen“ mit oder Samuel Shepherd (Floating Points) spielt Synthesizer auf „Same“.  


„Creature Of Habit“ ist ein großartiges Album über den Mut, sich selbst infrage zu stellen, Gewohnheiten abzulegen und sich auf Neues einzulassen. Von dem knurrig-verzerrten Bass und der Forderung nach Geradlinigkeit des ungestüm-rohen Openers, „Stay In Your Lane“, sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn die meisten Songs auf Barnetts viertem Studioalbum sind nicht so spröde und schroff inszeniert wie auf ihren früheren Veröffentlichungen. Sie flirtet weniger mit dem Garagenrock und mehr mit Americana. Selten wurde Neugier, die zu Paranoia werden kann, sanfter vertont als in „Wonder“, das dem Album seinen poppigsten Moment beschert. Und selten wurden Introspektion und Selbsterkenntnis so zärtlich und doch so schonungslos protokolliert wie in „Mantis“.


Creature Of Habit“ ist in diversen LP-Varianten erhältlich: Sugar Plum Strawberry Vinyl, Cloudy Clear Vinyl, Transparent Green & Yellow Smash with Cream & Pink Splatter Vinyl, Another Beautiful Day Caramel Vinyl, Gold Vinyl, Black Vinyl, Mantis Green Vinyl. 

Courtney Barnett in Deutschland:
05.10.26 Berlin, Huxley’s neue Welt
06.10.26 Köln, Bürgerhaus Stollwerck


 


 




9. April 2026

Requin Chagrin - Décollage


Die erste Vorladung (VI-MMXXVI)

Personalien:
Requin Chagrin ist das musikalische Projekt der aus Ramatuelle an der Côte d’Azur stammenden Marion Brunetto.

Tathergang:
In Paris gründete Brunetto, die auch in den Bands Alphatra und Les Guillotines spielt, das Projekt Requin Chagrin, benannt nach ihrem Krafttier, einem kleinen im Mittelmeer vorkommenden Hai. Der Einfluss von Indochine war damals enorm, so dass es nicht verwundert, dass sie nach ihrem Debütalbum „Requin Chagrin“ (2015) von KMS Disques, das von Nicola Sirkis, dem Frontmann von Indochine, gegründet wurde, unter Vertrag genommen wurde. Später begleitete sie Indochine auf Tour oder war auf deren Song „Girlfriend“ zu hören. Nach den Alben „Semaphore“ (2019) und „Bye Bye Baby“ (2021) steht nun „Décollage“ in den Plattenläden (black Vinyl, white Vinyl), auf dem Marion Brunetto verstärkt mit Vintage-Synthesizern und Drum-Machines experimentiert, um den klassischen Surf-Gitarren-Sound um eine spacige, futuristische Ebene zu erweitern.
Während Brunetto im Studio meist alles alleine einspielt und das Album auch selbst produzierte, wird sie live derzeit von Gaël Etienne (Gitarre, Keyboards), Joseph Deschamps (Bass) und Axel Le Ray (Schlagzeug) unterstützt. Ausnahme unter den 11 Titeln ist der Song „Lucky Star“, ein Duett mit Sade Sanchez  von den L.A. Witches.

Plädoyer:
Eine Platte, wie für Oliver gemacht, daher sollten wir später auch seinem Plädoyer lauschen.   

Zeugen:

L’album s’ouvre avec Décollage (morceau éponyme), une intro synthétique, et une basse nerveuse et ronde à la fois, très présente, qui tient le morceau à bout de bras, une mélodie qui a un peu du mal à prendre avant que le fantastique refrain n’arrive, que le rythme ne s’accélère — une sorte d’éclair qui donne au morceau une vraie force. On retrouve la même montée en puissance progressive, avec des guitares ou des synthés qui préparent le terrain jusqu’au refrain qui accroche immédiatement l’oreille.
C’est aussi le cas de Parachute, le premier morceau sorti en single, la première perle de l’album : guitares claires qui rappellent la mélancolie lumineuse de Beach Fossils et la new wave des années 80, et de nouveau un refrain fantastique difficile à oublier. Sauf que Parachute est remplacé par For You et que l’album change encore de niveau. Le gimmick aux synthés, la basse font immanquablement penser au meilleur d’Orchestral Manoeuvres. La seule chose qu’on peut reprocher à ce morceau est d’être trop court. À part ça, il est parfait : outre le synthé et la basse, la batterie accompagne parfaitement la ligne et donne un rythme presque léger pour accompagner une mélodie incroyable et des paroles tristes, mais en dansant. Dans la même veine, avec la même réussite, il y a aussi Ultra fort et Altitude, autres morceaux dont on va avoir du mal à se détacher, pour leurs mélodies, leurs refrains imparables, leurs accroches, leurs paroles, le ton juste et touchant.

Indizien und Beweismittel:


 


 


Ortstermine:
-

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


8. April 2026

Deary - Birding


Die erste Vorladung (V-MMXXVI)

Personalien:
Aus London stammt das Trio Deary, das aus Ben Easton (Gitarre), Rebecca ‚Dottie‘ Cockram (Gesang, Gitarre) und Harry Catchpole (Schlagzeug) besteht und seinen Bandnamen gern kleingeschrieben sieht.

Tathergang:
deary gründeten sich während der COVID-Pandemie, als Ben Easton für eine musikalische Neuausrichtung von einem gemeinsamen Freund die Sängerin Dottie Cockram empfohlen bekam. Man lernte sich kennen, sprach über die gemeinsame Liebe zu Cocteau Twins, Slowdive und My Bloody Valentine, freundete sich an und gründete eine Band. Seit 2023 veröffentlichten sie über Sonic Cathedral erste Musik, erst im letzten Jahr stieß Harry Catchpole am Schlagzeug.
In Brighton und London nahmen deary als Trio die 11 Songs ihres Debütalbums auf, das sie auch selbst produzierten. Dabei wurden sie von Iggy B (Piroshka, Spiritualized, 2:54) unterstützt, der oftmals Künstler*innen ihres neuen Labels Bella Union Records im Studion betreut. 
Birding“ ist als CD und LP (black Vinyl, clear Vinyl, sky blue and green marble Vinyl) Anfang April veröffentlicht worden. 

Plädoyer:
Dottie Cockrams ätherischer Gesang lässt an Elizabeth Fraser (Cocteau Twins) oder Harriet Wheeler (The Sundays) denken, wodurch man schnell beim Label Dreampop („Garden Of Eden“) wäre. Hinzu kommen die verhallten Gitarrenwände von Easton und das teils wuchtige (und gelegentlich Trip Hop-artige („No Sweeter Feeling“) Schlagzeug von Catchpole, so dass Slowdive („Alma“) oder My Bloody Valentine („Smile“) in die Shoegaze-Richtung deuten. 

Zeugen:

Opener “Smile” and single “Seabird” feature subtle hooks that soar above a rhythmic drive that keeps the ethereal textures from drifting too far into ambient territory, while “Blue Ribbon” and “Alma” sound Lush-like as a beautiful mix of peppy beats are served over a swirling wash of sound with a distinctive blend of sweetness and fragility.
Elsewhere, the production allows the arrangements to breathe, trading in buoyant dynamics for a breezy, melodic openness. “Gypsophilia” and “Birding” are prime examples of ethereal dreamscapes that sparkle with a relaxed air.
Birding doesn’t rewrite the rulebook of dream-pop or invent a new tonal language, and may not be as innovative or groundbreaking as Cocteau Twins or Slowdive records; however, it offers a wealth of familiar joys that captures the classic 4AD shimmer without the experimental opaque-ness, and is just as rewarding a listen as the classics that inspired it.


Indizien und Beweismittel:


 


 


 


Ortstermine:
23.05.26 Düsseldorf, Ratinger Hof

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


7. April 2026

The New Pornographers - The Former Site Of


Bleiben wir auch heute noch in Kanada und kommen zu einer Band, die mittlerweile zehn Studioalben angehäuft hat. Das sind bei einer nur um drei Jahre längeren Bandhistorie zwei mehr als bei den gestern vorgestellten Wintersleep. Hinzu kommen zahlreiche Soloalben von Neko Case und Carl Newman (als A.C. Newman) sowie dem früheren Mitglied Dan Bejar (als Destroyer). 

Dabei hätte „The Former Site Of“ eigentlich noch schneller auf „Continue As A Guest“ (2023) folgen sollen, jedoch kam wohl einerseits Neko Cases letztes Album „Neon Grey Midnight Green“ und andererseits der Vorfall mit Joe Seiders dazwischen: Im April 2025 wurde Seiders, Schlagzeuger von The New Pornographers seit 2014, wegen - und hier kann man wirklich von „Nomen est omen“ sprechen -  des Besitzes von Kinderpornografie festgenommen. Im Juni 2025 bekannte er sich schuldig und wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Zwischenzeitlich hatten seine restlichen Bandmitglieder die Trennung von ihm verkündet und entschieden sich, seine Aufnahmen für „The Former Site Of“ zu tilgen und neu einspielen zu lassen.

„The Former Site Of“ darf stilistisch als Fortführung des eher ruhigen, melancholischen und introspektiven Vorgängers gesehen werden. Songs wie „Great Princess Story“ oder „Pure Sticker Shock“ bestechen durch den mehrstimmigen Gesang von Carl Newman, Neko Case und Kathryn Calder und werden oftmals durch feine elektronische Schnörkel verziert. Alls Songs stammen ausnahmslos aus der Feder von Newman, der das Album auch produzierte, und Case übernimmt auf keinem der 10 Lieder den Leadgesang. Stürmischen Indierock sucht man hier vergebens, auch wenn die Single „Votive“ dem am nächsten kommt. Das entspannt groovende und mich an Beck erinnernde „Calligrphy“ wäre mein Skip-Track. Das Gegenstück: Der finale, sich über 6:28 Minuten aufbauende und einen fulminanten Schlusspunkt setzende Titelsong.

The Former Site Of“ ist über Merge Records als CD und LP (black Vinyl, opaque red/orange marbled Vinyl clear with black splatter Vinyl) erschienen. 
  

The New Pornographers haben immer einen Plan, klingen dabei aber so lässig, als hätten sie keinen. Auf „The Former Site Of“ erzählt die kanadische Formation um A. C. Newman in sorgfältig gewobenen Liedern zwischen Pop-Appeal und Indie-Flair von Menschen in persönlichen und gesellschaftlichen Ausnahmesituationen.
Auch auf ihrem zehnten Album erscheinen hier und da Americana-Elemente („Ballad Of The Last Payphone“). Dank Synthie-Accessoires klingt es mitunter, als wären sie in einem heimeligen Raumschiff aufgenommen worden – pulsierend, präsent und doch auf eine angenehme Art unspektakulär.


 


 




5. April 2026

Wintersleep - Wishing Moon


Ostern - und ich konnte kein passendes Albumcover, zum Beispiel mit einem Hasen, finden. Am besten passt noch dieses Osterei-artige Gebilde auf der Plattenhülle zu „Wishing Moon“. Von Wiederaufserstehung kann man bei Wintersleep auch nicht wirklich sprechen, aber zumindest liegt „In The Land Of“, das siebte und bis dato letzte reguläre Studioalbum der Kanadier, fast auf den Tag genau sieben Jahre zurück.

Nun also 12 neue Songs von den drei Wintersleep-Gründungsmitgliedern Paul Murphy (Gesang, Gitarre), Tim d'Eon (Gitarre, Keyboards) und Loel Campbell (Schlagzeug), die seit knapp zwei Jahrzehnten von Jon Samuel (Keyboards, Gitarre) begleitet werden. Aktuell scheint sie am Bass nicht mehr Mike Bigelow sondern wieder Chris Bell zu unterstützen, bei den Aufnahmen war wohl aber Dustin Bookatz von The Besnard Kakes dabei. Zusammen zog man sich in Nicolas Vernhes’ (The War On Drugs, Spoon,  Animal Collective) Studio in der Mojave-Wüste nahe Pioneertown, Kalifornien, zurück, um das Album möglichst live aufzunehmen. 

Dieser unmittelbare und authentische Aufnahmeprozess in der Wüste scheint sich auch auf raue und trockene Rocker wie „Stranger Now“, „I Got A Feeling“ oder „Wait For The Tide“ direkt ausgewirkt zu haben. An anderer Stelle experimentieren Wintersleep mit krautrockigen Grooves („Wishing Moon“) oder zeigen sich von ihrer folkigen Seite  („Redrawn“).

„Wishing Moon“ wurde am 27. März über Dine Alone Records als CD und Doppel LP (Black Vinyl, White & Green Marbled Vinyl, Gold & Green And Cream Swirl Vinyl) veröffentlicht.

Wintersleep in Deutschland:
19.04.26 Köln, Garagen Club
21.04.26 Hamburg, Molotow
22.04.26 Husum, Speicher Husum
23.04.26 Berlin, Mikropol


 


 




3. April 2026

Robyn - Sexistential


10 Fakten zum neuen Album von Robyn:

1. „Sexistential“ ist, wenn man die drei 2010 veröffentlichten (Mini-)Alben aus der „Body Talk“-Reihe mitzählt, das neunte Studioalbum von Robyn. Der Titel „Sexistential“ ist eine Kombination der Wörter „Sex“ und „existenziell“, war ursprünglich als Insiderwitz gedacht, jedoch stellte Robyn irgendwann fest, dass der Titel das Album und seine musikalische Ausrichtung treffend beschreibt.

2. „Sexistential“ liefert 9 Songs in 29:27 Minuten. Damit ist es das kürzeste Album in der Discographie von Robyn und bleibt sogar hinter dem halbstündigen Mini-Album „Body Talk Pt. 1“ zurück.

3. Um so erstaunlicher, da sich Robyn seit der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Honey“ (2018) reichlich Zeit ließ. In der Zwischenzeit vergingen 7 Jahre, 5 Monate und 1 Tag.


 


4. In ihrer schwedischen Heimat kamen bisher alle ihre Alben in die Top 10, wobei „Robyn“ (2005), „Body Talk Pt. 1“ (2010), „Body Talk Pt. 2“ (2010) und „Honey“ (2018) jeweils die Spitze der Charts erreichten. In Deutschland dauerte es bis zum Jahr 2010, das Robyn in die deutschen Hitlisten kam, für „Honey“ (#38) ist die höchste Platzierung verzeichnet.

5. Seit 2005 veröffentlicht Robyn ihre Musik auf dem eigenen Label: Konichiwa Records. Die Standard Versionen des Albums gibt es auf CD, Kassette und LP (black Vinyl).

6. Natürlich ist „Sexistential“ auch in anderen LP-Varianten erhältlich: white Vinyl, magenta Vinyl und deluxe clear Vinyl mit alternativem Artwork (extra clear PVC sleeve, gatefold jacket, and 28-page insert).


  


7. Als erste Single des Albums wurde „Dopamine“ im November 2025 veröffentlicht. Der Song erreichte Platz 9 in Schweden und ist damit dort ihre neunte Top 10 Single. Auf Platz 1 schaffte es lediglich „Dancing On My Own“ (2010). In Deutschland ist dies „With Every Heartbeat“ (mit Kleerup) auf Rang 38.
Anfang des Jahres folgte noch die Doppel-A-Seiten-Single „Sexistential“ / „Talk To Me“ und vor einigen Tagen später „Blow My Mind“.


 


8. „Sexistential“ sollte im Sound der „Body Talk“-Trilogie folgen, warum Robyn erneut mit dem schedischen Produzenten und Songwriter Klas Åhlund zusammenarbeitete. Weitere Protagonisten sind u.a. Joseph Mount von Metronomy, Jonathan Bates von Mellowdrone, Taio Cruz, Svein Berge von Röyksopp oder Max Martin (Britney Spears, Backstreet Boys, NSYNC, Pink, Katy Perry, Coldplay, The weekend).

9. Bei Metacritic steht „Sexistential“ aktuell mit einem glänzenden Metacrore von 82/100 Punkten da, auch wenn die Werte von „Robyn“ (86/100), „Body Talk“ (86/100) und „Honey“ (89/100) nicht ganz erreicht werden können.


Schon im Eröffnungsstück, „Really Real“, kristallregnet es wonnevoll die mit den allerfeinsten Raffinessen der modernen Audiodesign-Zauberei überzuckerten Beats und Synthesizer-Sounds. „Dopamine“ erinnert an „Dancing On My Own“: Auch hier explodiert ein Arpeggiator, nur diesmal vor Freude statt vor Liebeskummer. Robyn feiert ihren zweiten Frühling. Wer dazu nicht mittanzt, ist selber schuld. Oder hat Rheuma.

„Sucker For Love“ schlägt völlig mühelos die Brücke von Kraftwerk über The Knife zu Charli XCX. „Talk To Me“ klingt wie von Skrillex produzierte Ace Of Base, gesungen von Taylor Swift, abzüglich Hochglanz-Erotik. Robyns Sehnen und Sinnlichkeit haben nichts mit spießiger, keimfreier Soft-Porn-Ästhetik zu tun. Die neun Stücke von „Sexistential“ zelebrieren vielmehr den weiblichen Körper, der sich keinem männlichen Blick unterwirft und – öderweise noch immer auf junge Frauen fixierte – Schönheitsideale unterläuft, mit Zeilen wie: „My body’s a spaceship with the ovaries on hyperdrive.“

Es ist erstaunlich, wie eine wenig divenhafte, frei von Kapriolen und zwischen ihren Auftritten zurückgezogen lebende Schwedin jedes Mal die Konkurrenz alt aussehen lässt, wenn eines ihrer Alben erscheint. (…) Robyn erfindet auf „Sexistential“ das Electropop-Rad nicht jedes Mal, aber schon verblüffend oft neu – und macht sich ihre Dancefloor-Welt, wie sie ihr gefällt.


10. 25 Konzerte hat Robyn bisher weltweit zwischen Juni und November 2026 angekündigt. In Deutschland wird sie am 8. Juli in der Berliner Uber Arena gastieren.




2. April 2026

Deadletter - Existence Is Bliss


„Wenn sie das Saxophon streichen, werden die groß“, sagte ich letztes Jahr zu meiner Freundin, als Deadletter am frühen Nachmittag bei brütender Hitze das Palastzelt des Maifeld Derbys abrissen. Energetischer Post-Punk und mit Sänger Zac Lawrence eine Frontmann, der sich den Begriff Rampensau redlich verdiente, sorgten für meine Aussage. Das Londoner Sextett - Zac Lawrence (Gesang), Alfie Husband (Schlagzeug), George Ullyott (Bass), Will King (Gitarre), Sam Jones (Gitarre) und Poppy Richler (Saxophon) - hatte 2022 eine erste Ep und 2024 das Debütalbum („Hysterical Strength“) folgen lassen, dem zwei Jahres-Rhythmus treu bleibend steht nun „Existence Is Bliss“ in den Plattenläden. Und ja, das Saxophon ist doch dabei und macht das, was ein Saxophon wohl leider machen muss.

Deadletter zeigen auf ihrem zweiten Album eine klangliche Weiterentwicklung – weg vom reinen, rohen Post-Punk hin zu einem atmosphärischeren, fast schon cineastischen Sound mit luftigen Synthesizern und elektronischen Akzenten zu soziopolitischen Texten. 
„Existence Is Bliss“ ist als CD und LP (Transparent Pearl White Vinyl, Transparent Edge Glow Blue Vinyl, Transparent Sparkle Vinyl) erhältlich und Menschen zu empfehlen, die gern Fontaines D.C., Shame, Gang Of Four und LCD Soundsystem hören. Und sich nicht am Saxophon stören. 


 


„Existence Is Bliss“ zeigt nun: Hier nascht jemand nicht nur die trockenen Dropse des Post-Punk, sondern plündert nach Lust und Laune den Süßwarenladen der Pop-Historie. „Purity I“ zitiert gleich mal Pink Floyds „On The Run“, bevor es sich mit treibendem Beat und schnittigen Riffs vor Franz Ferdinand verbeugt.
„To The Brim“ hat ein herrlich versponnenes Folk-Intro, Saxofone aus der Hölle und eine in die Dunkelheit hinabkletternde Hookline. Immer wieder trötet es hier, als hätten sich Madness in einen Song von Pere Ubu verirrt. Unheilvoll? Euphorisch? Alles eins! Wie im windschiefen „What The World Missed“, das eine Ballade von Beck sein könnte. Oder in „Focal Point“, in dessen Unterbewusstsein The Cures „A Forest“ schlummert. Anderswo geistern Schatten von The Blue Nile, Wire und Can. Die Rasierklinge, auf der Deadletter reiten, ritzt einen Spalt in dicke Häute. 




1. April 2026

Neue Gerichtstermine: April / Mai


April

03.04.
Deary - Birding
Maria Taylor - Story’s End

10.04.
They Might Be Giants - The World Is To Dig
Wu Lyf - A Wave That Will Never Break

17.04.
Bosse - Stabile Poesie
T’Pau - Be Wonderful
Tomora - Come Closer

24.04.
Crocodiles - Greetings From Hell
Julia Cummings - Julia
Foo Fighters - Your Favorite Toy
Metric - Romanticize The Dive
Christin Nichols - Christin Nichols
The Reds, Pinks And Purples - Acknowlege Kindness
Tempers - Delusion


Mai

01.05.
Tori Amos - In Times Of Dragons
The Boo Radleys - In Spite Of Everything 
Maya Hawke - Maitreya Corso 

08.05.
Broken Social Scene - Remember The Humans 
Aldous Harding - Train On The Island 
The Haunted Youth - Boys Cry Too 
Lambert - I Am Not Lambert
Lykke Li - The Afterparty
Midge Ure - A Man Of Two Worlds

15.05.
Kevin Morby - Little Wide Open
Rostam - American Stories

22.05.
Bleachers - Everyone For Ten Minutes
Future Islands - From A Hole In The Floor To A Fountain Of Youth
Get Well Soon - Minus The Magic 
Ed O’Brien - Blue Morpho

29.05.
Die Toten Hosen - Trink aus, wir müssen gehen! 
Madsen - Smile
Paul McCartney - The Boys Of Dungeon Lane


31. März 2026

The Boxer Rebellion - The Second I’m Asleep


Fünf Jahre nicht gesungen. Der Songtitel von Thees Uhlmann passt wie die Faust (im Boxhandschuh) aufs Auge zu The Boxer Rebellion. Nach 2018 blieben sie für fünf Jahre den Konzertbühnen fern, den Aufnahmestudios noch länger. Denn seit „Ghost Again“, dem sechsten Album der Londoner Band, vergingen bis zu dessen Nachfolger „The Second I’m Asleep“ 8 Jahre und 4 Tage. 

Nun sind sie mit 10 warmen, gefühlvollen Indierock-Songs, die, von Nathan Nicholsons klarem, oftmals ins Falsett kippendem Gesang getragen werden, zurück. Vergleiche zu The National, frühen Radiohead oder Coldplay passen, auch wenn die Stimme eher an The Temper Trap, Keane oder Wild Beasts denken lässt. Aufgenommen wurden die 10 neuen Songs mit einem Team aus hochkarätigen Engineers wie Rees Broomfield, Billy Bush und Kevin Grainger, was möglicherweise den atmosphärischen, cineastischen Sound beeinflusst hat. Von den temporeichen Stücken würde ich „Flowers In The Water“ und „Last Of A Dying Breed“ empfehlen, auch wenn sie nicht so packend sind wie „This House“, bei den Balladen sticht „Hidden Meanings“ heraus. Übrigens alles Songs aus der ersten Hälfte des Albums.

„The Second I’m Asleep“ ist als CD und LP (black Vinyl, cream and blue Mix Vinyl) erhältlich.


As a whole, ‘The Second I’m Asleep’ feels less about big statements and more about fragments of emotion — longing, doubt, hope, regret — presented in different shades across its runtime. It may not flow as seamlessly as some of the band’s earlier work, but its individual moments are often strikingly beautiful, and when it lands, it lands with the same sincerity that has kept The Boxer Rebellion quietly enduring for more than twenty years. 
It’s a fittingly solemn and shining return.


 


 


The album’s emotional doorway opens with “Hidden Meanings,” a song that unfolds slowly, deliberately, like someone finally finding the courage to say the thing they’ve been avoiding for years.

“I no longer wish you dead…”

In just five words, vocalist and lyricist Nathan Nicholson dismantles the entire architecture of blame. What follows is not an accusation, but a revelation, that sometimes the deepest damage isn’t done by others, but by ourselves.

“I see hidden meanings. Follow me around. Like I’ve been burning down. My own house”

It’s a devastating image: self-sabotage as arson, grief as something we accidentally keep feeding. Yet the beauty of “Hidden Meanings” lies not in despair, but in recognition, the moment when you realize that naming the wound is the first step toward healing it.
Musically, the song blooms with restrained elegance: atmospheric guitars, patient drums, and a vocal that feels like it’s being held just above breaking point. It doesn’t demand attention, it earns it.


 





30. März 2026

The Julies - Cherisher


Die erste Vorladung (IV-MMXXVI)

Personalien:
Aus Pennsylvania stammen The Julies, die in ihrer aktuellen Besetzung aus Chris Newkirk (Gesang, Songwriting, Text), Alex Yost (Gitarre, Bass, Synthesizer) und Patrick Zbyszewski (Gitarre, Bass) bestehen. Die Gründungsmitglieder John Bada und Greg Hohman gehören nicht mehr zur Band.

Tathergang:
Das mit den Gründungsmitgliedern ist deshalb erwähnenswert, weil es sich bei The Julies um keine ganz junge Band mehr handelt. Bereits Mitte der 90er Jahre waren sie ein aufsteigender Stern am Shoegaze- und Dreampop-Himmel. Jedoch stand dieser, trotz des wachsenden Zuspruchs von Fans und Kritikern und Interesse von Major Labeln, nie besonders hoch am Firmament, so dass ein Debütalbum nie verwirklicht wurde.
Also zumindest nicht damals. Erst vor einigen Jahren fand man wieder zusammen und mit Lost In Ohio ein Label, das „Always & Always“ (2023) veröffentlichte. Diesem folgte im Frühjahr „Cherisher“, das auf Willow Haze Vinyl erhältlich ist.
Das Album wurde von der Band selbst aufgenommen und produziert. Für den finalen Schliff holten sie sich jedoch prominente Hilfe: Es wurde in London von James Aparicio gemischt und gemastert, der bereits für Größen wie Depeche Mode, Spiritualized und Mogwai gearbeitet hat. Leider ließ die Band die im letzten Jahr veröffentlichten Singles „Black Metal“ und „The Heartbreak Life“ außen vor, so dass das Album lediglich auf 8 Songs in 34:04 Minuten kommt.

Plädoyer:
Stimmlich erinnert mich der gehauchte Gesang von Chris Newkirk gelegentlich an Billy Corgan, musikalisch stehen The Julies aber mit ihrer Mischung aus Shoegaze, New Wave und Indierock in der Tradition von The Cure, The Church, New Order, Ride oder The Pains Of Being Pure At Heart. Bei „Teenage Sadness“ oder „Love Is Treason“ kann einem in den Sinn kommen, dass Newkirk & Co. auch schon von Adorable gehört haben.

Zeugen:

Sonically, ”Cherisher”’s standout influences, like the prior record, include 80s alternative stalwarts The Cure and New Order, as well as 90s bands like Ride, Lush, Kitchens of Distinction, Adorable, and Catherine Wheel, which all help define the band’s ethos.
As with their last record, Sarah Fuschia was recruited again, delivering beautiful sleeve art with a gentle nod of respect to Factory Records graphic designer, Peter Saville.
The new long-player may conjure the past but more as a reference to make sense of and navigate today’s world. It kicks off with a caffeinated jolt. “Marigolds” successfully marries heavy guitar pyrotechnics with Robert Smith -like one-string melodies in the vein of ”Disintegration”. (…)
“Rooms” ends ”Cherisher”. The 80s-rich synth intro and slower tempo is a welcome change for this fitting closer. With a somber, longing melodic structure, it’s actually one of the more inspiring, call-to-action tracks on the album.


Indizien und Beweismittel:


 


 


Ortstermine:
-

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


27. März 2026

The Twilight Sad - It’s The Long Goodbye


10 Fakten zum neuen Album von The Twilight Sad:

1. Nach vier Alben bei Fat Cat Records veröffentlichten The Twilightd Sad ihr fünftes Album „It Won/t Be Like This All The Time“ bei Rock Action Records, dem Label ihrer schottischen Landsmänner von Mogwai.

2. „It Won/t Be Like This All The Time“ wurde prompt ihr erfolgreichstes Album: In Schottland konnte Platz 1 erreicht werden (zuvor war Platz 13 die beste Platzierung gewesen) und im Vereinigten Königreich klappte es mit der ersten Platzierung (nach den Rängen 30 und 29) in den Top 10: #9. Das sind die Werte, die „It’s The Long Goodbye“, das ma heutigen 27. März veröffentlicht wird, zu schlagen gilt. 

3. Das Album bietet 10 Songs in 49:00 Minuten. Damit reiht es sich knapp hinter „Forget The Night Ahead“ (2009; 49:14 Minuten) als zweitlängstes der sechs Alben ein.

4. „It’s The Long Goodbye“ hat auch eine lange Entstehungsgeschichte, so dass The Twilight Sad hier die 4 Jahre, 2 Monate und 22 Tage, die zwischen „Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave“ und „It Won/t Be Like This All The Time“ lagen, deutlich überboten werden: Seit ihrem letzten Album vergingen 7 Jahre, 2 Monate und 9 Tage.


 


5. „It’s The Long Goodbye“ ist als CD und LP erhältlich. Bei der Farbe der Schallplatte hat man - passen zum Albumcover - die Wahl zwischen black Vinyl, red Vinyl und yellow Vinyl. Nur blue Vinyl konnte ich nirgendwo finden…

6. Zuletzt gingen James Alexander Graham (Gesang) und Andy Mac Farlane (Gitarre) der Bassist, der Schlagzeuger und der Keyboarder verloren, so dass The Twilight Sad aktuell ein Duo sind, das live von Ex-Primal Scream Mitglied Simone Butler (Bass) und Cat Myers (Schlagzeug), ehemals bei Honeyblood, unterstützt wird. Auf dem Album übernahmen noch David Jeans (von Arab Strap) und Alex Mackay (von Mogwai) diese Jobs.


 


7. Robert Smith ist großer Fan der Band und nimmt sie auch als Support Act von The Cure mit in die Berliner Wuhlheide (10.-12.07.26). Auf dem Album ist auch zu hören, und zwar an der Gitarre auf der ersten Single „Waiting For The Phone Call“.

8. The Twilight Sad werden ihr neues Album aber auch zuvor live in Deutschland vorstellen. Das sind die vier Termine und Orte:
15.04.2026 München, Ampere
16.04.2026 Berlin, Gretchen
22.04.2026 Hamburg, Gruenspan
25.04.2026 Köln, Gebäude 9

9. Das Album wurde in den Willesden’s Battery Studios in London mit Andy Savours (My Bloody Valentine) aufgenommen und von Chris Coady (Yeah Yeah Yeahs, Slowdive) abgemischt.


The Twilight Sad schaffen gleich im ersten Stück einen richtigen "Ballermann", bei dem ruhigere Strophen mit raffiniert verschachteltem Taktmaß auf die volle Gitarrenbreitseite im Refrain treffen. Sehr schön auch, wie die neue Rhythmusgruppe in den Folgetracks für Vergnügen sorgt, denn sie rumpelt zuweilen schlampig und gleichzeitig präzise, wie David Lovering und Kim Deal zu allerbersten Pixies-Zeiten. Auch schön: Es sind immer wieder ungewohnt poppige Akzente dabei, wie zum Beispiel in "Attempt a crash landing - theme" oder "Waiting for the phone call", in denen die Synthie-Sounds verdächtig – und wunderbar! – nach The Cure aus der "The head on the door"-Phase klingen. Auch an Interpol muss man häufiger denken: Beim Intro von "The ceiling underground" könnte sich Daniel Kessler in die Band reingemogelt haben. Der gedoppelt-oktavierte Leadgesang zahlt ebenso auf diese Reminiszenz ein – doch nach der recht langen Exposition kommt auch hier wieder der erlösende Twilight-Sad-Moment, in dem alle Beteiligten gleichzeitig ihre Volume-Pedale niedertreten und voll auf die Zwölf gehen; ein Ausbruch, den sich Interpol wohl in dieser Vehemenz verkniffen hätten.
Höhepunkt ist vielleicht "Dead flowers", das sich zu Beginn einen sinistren Mahlstrom aus britzelnden Gitarren erlaubt, sekundiert von knalligen Drums – um sich dann auf mehr als sieben Minuten Spielzeit langsam zu einer lärmenden, irisierenden und involvierenden Wall of Sound hochzuschwingen. 


10. Bei Metacritic stehen aktuell für „It’s The Long Goodbye“ 85/100 Punkte zu Buche. Damit übertrumpft es seinen Vorgänger und den bisherigen Rekordhalter um einen Punkt.


 



26. März 2026

Ladytron - Paradises


Alben können ja auch zu lang dauern. Nicht wahr, Ladytron? War vielleicht Reuben Wu, der die Band 2023 nach 24 Jahren und kurz nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums verlassen hat, für die Begrenzung der Spielzeit zuständig? Oder hat sich vielleicht jemand bei „Time’s Arrow“ über die 41:16 Minuten Musik beschwert, die Ladytrons Negativrekord von 47:47 Minuten („Gravity The Seducer“) deutlich unterboten? Ich weiß es nicht, aber „Paradises“ sprengt alle Grenzen und übertrumpft dabei „Light & Magic“ (62:45 Minuten) aus dem Jahre 2002 deutlich: Das achte Studioalbum von Ladytron bietet nämlich 16 Songs in stolzen 71:31 Minuten.
Klar, so viel Musik passt noch auf eine CD, aber Vinyl-Fans müssen den Preis für gleich zwei Schallplatten berappen (black Vinyl oder multi-colour Vinyl oder green Vinyl).

Es ist also das erste Album in der Historie der Band, das als Trio (Helen Marnie, Daniel Hunt und Mira Aroyo) entstand, wobei Daniel Hunt das kreative Zepter fest in seinen Händen hielt: 12 Songs komponierte er allein, zwei zusammen mit Mira Aroyo („Secret Dreams Of Thieves“ und „Solid Light“) und nur „Sing“ und „Ordinary Love“ stammen aus der Feder von Helen Marnie. Klar, dass die sechs vorab veröffentlichten Singles von ihm geschrieben wurden, denn er produzierte das Album auch im Alleingang und führte Regie bei den meisten Videos. Den finalen Mix unternahm er zusammen mit Jim Abbiss (Editors, Arctic Monkeys, Kasabian), der auch schon bei „Witching Hour“ und „Ladytron“ für die Band arbeitete.  
Über TikTok („Seventeen“) oder als Bestandteil („Destroy Everything You Want“) des Soundtracks zum Grammy nominierten Film „Saltburn“ haben Ladytron jüngst auch neue Zielgruppen für ihren tanzbaren, unterkühlten Retro-Elektropop gewinnen können und geben diesen nun reichlich Futter. 


Verständlich aber auch, dass sie sich jetzt mit PARADISES wieder mehr Hokuspokus gönnen. In den Texten von Songs von „In Blood“ oder „Death In London“ sind die Stammthemen wie Blut, Tod und die dunkle Seite der Liebe angelegt.
Die Musik dagegen entzieht sich im Verlauf des sehr langen Albums den Klischees. Die Bands selbst spricht von „Balearic Noir“, und das trifft es sehr gut: Es gab früher auf den beliebten CAFE-DEL-MAR-Compilations mit Chill-Out-Musik für Tanzschuppen am Mittelmeer mindestens einen Track, der davon handelte, dass die Entspannungszeit nach der Dance-Nacht auch für Begegnungen mit Dämonen taugt. PARADISES ist voll von solchen Tracks.


 


 


 


 


 





25. März 2026

10 Schallplatten, die uns gut durch den April bringen


10. Tomora - Come Closer (Specialist Retailer Exclusive Edition) (White Vinyl) 17.4.2026






9. The Cure - Three Imaginary Boys (Picture Disc) 24.4.2026






8. Metric - Romanticize The Dive (Indie Exclusive Edition, Metallic Silver Vinyl) 24.4.2026






7. Eels - Daisies of the Galaxy (25th Anniversary Edition, Glow In The Dark Vinyl, 2 LP's) 27.3.2026






6. Wintersleep - Wishing Moon (Marbled Vinyl, 2 LPs) 10.4.2026






5. A Place To Bury Strangers - Rare and Deadly (Black Vinyl) 3.4.2026






4. Duran Duran - Duran Duran (The Wedding Album) (2026 Edition, 2 LPs) 10.4.2026






3. The Beths - Expert In A Dying Field (Blue Eco Mix) 3.4.2026






2. The Sultans Of Ping FC - Casual Sex in the Cineplex (180g, Limited Numbered Edition, Pink Vinyl) 10.4.2026




1. The Reds, Pinks & Purples - Acknowledge Kindness (Dark Cloud Vinyl) 24.4.2026