5. März 2026

Voxtrot - Dreamers In Exile


Es gibt sie noch, die guten Nachrichten, auch wenn sie nur musikalischer Natur sind: Voxtrot sind zurück, sogar mit einem Album!

Die Indiepop-Band Voxtrot wurde 2003 gegründet, veröffentlichte drei EPs, erfuhr einen Hype in der Blogger-Szene, brachte 2007 ihr selbstbetiteltes Debütalbum heraus und zerbrach dann, möglicherweise am hohen Erwartungsdruck. 2010 löste der Sänger und Songwriter Ramesh Srivastava die Band nach einem letzten Auftritt an seinem 27. Geburtstag auf. 

Seit ihrer Trennung sind fast 16 Jahre vergangen, ihr einziges Album „Voxtrot“ feiert im Mai auch schon den 19. Geburtstag und seit letzter Woche darf man „Dreamers In Exile“ hören und als CD, Kassette oder LP (black Vinyl) in den Händen halten.

2022 hatte sich eine Reunion mit der Wiederveröffentlichung früher Aufnahmen über das bandeigene Label Cult Hero Records angedeutet. Es folgte eine Tournee und im folgenden Jahr gab die Band bekannt, dass sie wieder gemeinsam im Studio sei. Mit „Another Fire“ und „New World Romance“ erschienen 2023 tatsächlich zwei neue Lieder und wer aufgrund ihrer Veröffentlichungshistorie dachte, dass bestenfalls eine EP folgen würde, sah sich getäuscht. Tatsächlich nahmen Ramesh Srivastava (Gesang, Gitarre, Keyboards), Jason Chronis (Bass, Synthesizer) sowie Matt Simon (Schlagzeug), diesmal der kreative Kern Quintetts, zusammen mit Mitch Calvert (Gitarre) und Jared Van Fleet (Keyboards, Gitarre) im Haunted Air Studio des Bassisten in Lockhart, Texas (mindestens) 11 Songs auf, die zusammen „Dreamers In Exile“ bilden. Abgemischt wurde das Album von Dean Reid (Lana Del Rey, Tom Odell, James Blake).

Dreamers In Exile“ klingt genau so, wie man einen zeitnahen Nachfolger von „Voxtrot“ erwartet hätte: Es gibt eingängigen, temporeichen Gitarrenpop („Fighting Back“, „Dreamers In Exile“, „Change“) mit melancholischen und nostalgischen Noten (die 80er Jahre und Bands wie The Smiths oder The Go-Betweens lassen schön grüßen), der allen Fans von Death Cab For Cutie gefallen dürfte. Darüber hinaus werden verstärkt Streicher („New World Romance“, „Esprit Du Coeur“, „Quiet Noise“) und Bläser („New World Romance“, „My Peace“, „Babylone“) in den Sound integriert. Ein einziges Mal zeigen sich Voxtrot auch als Rocker („Rock & Roll Jesus“).     


 


Voxtrot have never marketed themselves as an experimental band, so the lack of adventure isn’t particularly bothersome. Plus, the five members have not made any new music together in almost 20 years; since the music sounds good overall, even if a bit corny and nostalgic at times, the Austin five-piece made something not only familiar to old fans, but also to themselves — to warm everyone back up again before hitting the road for a promotional tour. It’s dorky at times, charming and pleasant overall. For an original Voxtrot diehard — or anyone who was fifteen in 2005, went to at least one When We Were Young festival recently, and still religiously listens to early ‘00s alternative rock — this album will bring a lot of joy.



  


Throughout Dreamers in Exile, Voxtrot is in perpetual dialogue with its two eras: the earnestness of youth and the practicality of adulthood. They are not the first band to mine these thematic waters, and they definitely won’t be the last. Groups of all shapes and sizes have broken up because of disagreements about these very ideas. Yet, there’s a reason that this quintet reunited after a decade-plus hiatus—they clearly love playing music together. You can hear that obvious joy in each song, and they use that infectious energy as fuel for their continued creativity.


 


4. März 2026

Archive - Glass Minds


10 Fakten zum neuen Album von Archive:

1. Beginnen wir mit dem Artwork: Dieses stammt von Alaric Hammond, einem britischen Mixed-Media-Künstler, der bereits in der berühmten Londoner Saatchi Gallery ausgestellt hat und vor allem für seine Werke aus korrodierten Metallplatten bekannt ist. Diese Technik erzeugt Texturen, die an verwitterte urbane Oberflächen erinnern und die melancholische, raue Atmosphäre der Musik widerspiegeln sollen. 

2. Das vom Künstler signierte und nummerierte Kunstwerk kann man für £130.00 als Unikat in einer Auflage von 10 Exemplaren (Archival pigment print on 315gsm fine art paper / Hand finished with 8ct silver leaf) in zwei unterschiedlichen Auflagen käuflich erwerben.

3. Das surreale Video zur ersten Single „Look At Us“ wurde im Stil der Dokumentarfotografie (Black & White Southern Gothic) gedreht, um ein Gefühl von Authentizität und Täuschung zu vermitteln – ein Thema, das Hammond auch in seiner Kunst durch die Manipulation von Materialien erforscht. Vom Londoner Regisseur Maxim Kelly stammt auch die Videos zu „Wake Up Strange“ und „City Walls“.


 


4. Archive feiern dieses Jahr den 30. Geburtstag ihres Debütalbums „Londinium“ und daher ist das elektronische, melancholische und cineastische „Glass Minds“ als eine Rückkehr zu der „minimalistischen Kraft“ und der spezifischen Herangehensweise an das Songwriting, die das Kollektiv in seinen Anfangstagen auszeichnete, zu sehen. 

5. Der vor vier Jahren veröffentlichte Vorgänger „Call To Arms & Angels“ kam mit 17 Songs und einer Laufzeit von rund 104 Minuten daher. Im Vergleich dazu sind 12 Lieder in 77:47 Minuten wirklich etwas knapp bemessen.


 


6. Archive fungierten selbst zusammen mit ihrem langjährigen Weggefährten Jérôme Devoise als Produzenten. Die Aufnahmen des 13. Albums des Londoner Kollektivs fanden in den Metway Studios (Brighton) und den legendären Angel Studios (London) statt. Gemischt wurde das Werk im Studio DES in Paris.

7. Die Archive Gründer Darius Keeler & Danny Griffiths haben ein gewohnt loses, aber eng verzahntes Kollektiv um sich herum aufgestellt, zu diesem gehören aktuell die auf dem neuen Album sehr präsente Lisa Mottram (Gesang), Dave Pen & Pollard Berrier (Gesang und Gitarre), Jonathan Noyce (Bass), Steve Barnard (Schlagzeug) und auf „Heads Are Gonna Roll“ der Rapper Jimmy Collins.

8. Man kann sich sicher sein, dass zahlreiche Musiker bei ihren beiden geplanten Konzerten in Deutschland auf der Bühne stehen werden. Das sind die Termine:
06.04.2026 München, Muffathalle
09.04.2026 Hamburg, Docks


  


9. „Glass Minds“ wurde am 27. Februar - wie seine fünf Vorgänger - über Dangervisit Records, das eigene Label der Band veröffentlicht.

10. Aufgrund der Laufzeit ist es eine Doppel-LP geworden, die auf black Vinyl, transparent orange Vinyl, transparent Vinyl oder Coke Bottle green Vinyl erhältlich ist.

Ernst und schwer klingen Archive noch immer. Wie Pink Floyd als Indie-Band. Die Musik dröhnt und raunt, Synthies türmen sich auf, die Beats sind langsam, aber gewaltig, ein E-Piano spielt eine traurige Melodie. Kein Wunder, dass Archive in einem schweren und ernsten Land wie Deutschland einen zweiten Hauptmarkt für ihre Musik gefunden haben.
Beeindruckend ist, dass Projektleiter Darius Keeler auch im Jahr 2026 nicht von der Album-Idee abrückt: Kein Stück unter fünf Minuten, die Spannungsbögen sind lang, die Produktion bis ins letzte Outro hinein extrem aufwendig. Und mit „Look At Us“ gibt’s zwischendrin sogar eine Art Pophit.


3. März 2026

Mitski - Nothing's About To Happen To Me


Die weiße Katze auf dem Plattencover der bekennenden Katzenliebhaberin Mitski könnte stellvertretend für deren Liebe zu Americana, Folk und Country stehen, die sie uns erstmals auf dem Vorgänger „The Land Is Inhospitable And So Are We“ (2023) vollumfänglich zeigte und die auch hier in vielen Songs zu hören ist („Cats“). Klappt man die Plattenhülle von „Nothing's About To Happen To Me“ auf, so wird die sich im Sprung befindliche orangefarbene Katze wesentlich präsenter und möglicherweise symbolisiert diese Mitskis Attacken auf die eigenen Songs, denn diese werden häufig durch raueren Rock-Sound mit Fuzz-Gitarren („If I Leave“, „Lightning“) oder orchestralen Einschüben - teils Streicher („Dead Women“), teils Bläser („Rules“) - überwältigt. 


Das Artwork stammt übrigens vom Künstler Marc Burckhardt, der bekannt für seinen historisierenden Stil ist, der oft an die flämische Malerei der Renaissance oder viktorianische Porträts erinnert. Er nutzt traditionelle Techniken (wie Tempera und Öl auf Holzpaneelen), was dem Cover diese besondere, fast antike Textur verleiht.

Nothing's About To Happen To Me“ ist die konsequente Fortführung von „The Land Is Inhospitable And So Are We“ und wurde dementsprechend mit ihrer siebenköpfigen The Land Band eingespielt und erneut von Patrick Hyland produziert. Auch hinsichtlich der Begeisterung bei den Kritikern kann das achte Album von Mitski an den Vorgänger heranreichen (87/100 Punkten im Vergleich zu einem Metascore von 90/100). 

„Nothing's About To Happen To Me“ ist als CD, Kassette und LP (Black Vinyl, Lilac Vinyl, Transy Yellow Vinyl, Orange Tabby Vinyl, Gold Cat Eye Vinyl, Blue Cat Eye Vinyl) erhältlich. 


  


Doch bevor Mitski von Selbstmordversuchen singt und ihren Tod durch die Hand des Liebsten imaginiert, erleben wir ein (trügerisches) Idyll: Zu Banjos und Akkordeon gesteht die Sängerin, sie könne niemals in einer kleinen Stadt leben, weil ihr da ihre Fehler ständig wiederbegegnen würden, in der Metropole dagegen könne man die alten Wege meiden und sich neu erfinden. Und dann sind wir zu schreienden Gitarren schon mitten im Albtraum des Städtebewohners – Mitski kann ihr Telefon nicht finden.

Das bleibt der einzige Ausbruch urbaner Aufgekratztheit, wenngleich das treibende „That White Cat“ immer kurz davorsteht, dann aber in einen jenseitigen Chor zurückfällt und ebenso wie „If I Leave“ und „Lightning“ Spuren von Grunge trägt. Meist geht es wieder countryesk zu, der zum Sterben schöne Torch Song „I’ll Change For You“ verlässt die ästhetische Scheune kurz für eine poshe Bar, „Charon’s Obol“, das hymnische Glanzstück (und der einzige Song mit dog content), spielt in einem verwunschenen Haus.




2. März 2026

Lucid Express - Instant Comfort


Schnell einmal unsere Akten gecheckt: Zwischen Hip Hop und House existiert noch kein Label namens Hongkong, also gab es hier noch keine Plattenvorstellung einer Band aus der Sonderverwaltungszone an der Südküste der Volksrepublik China. Dort trafen in jungen Jahren Kim Ho (Gesang, Synthesizer), die Gitarristen Andy und Sky Kung sowie an Bass und Schlagzeug die Brüder Samuel und Wai Cheuk-wang aufeinander und gründeten 2014 die Band Thud, aus der später Lucid Express werden sollte. 2021 veröffentlichte das Quintett sein selbst betiteltes Debütalbum, dem nun „Instant Comfort“ folgt.

Das Album entstand in Zusammenarbeit mit dem Musiker, Tontechniker und Produzenten Kurt Feldman, der Mitglied bei The Pains Of Being Pure At Heart ist und bereits für seine eigene Band, DIIV oder Chairlift am Sound tüftelte. Nun lässt sich auch schon erahnen, dass sich Lucid Express dem 90er Jahre Shoegaze und Dreampop verschrieben haben. Slowdive („Promise Me“) und vor allem My Bloody Valentine („Faux Sweetness“, „Instant Comfort“) sind sicherlich als Einflüsse zu nennen. 

„Instant Comfort“ ist über Kanine Records als LP auf yellow swirl Vinyl oder ultra clear Vinyl erschienen.


Opener ‘Promise Me’s hypnotic reverb bookends a middle section that combines an aura of dream pop and alternative rock. Jangly guitars are often used on this record to provide a melodic equilibrium to the discordant moments. On ‘Aster’, after laser gun sounds, clunky fog and glide guitar strumming fill up the music space for the first minute before Kim Ho’s vocals enter in. The track has few lyrics, so essentially the song becomes a platform for Samuel, Sky and Andy to showcase their talents at creating hectic movements of spinning (also heard on ‘Dark Glass’) and giddiness. On ‘Faux Sweetness’ the subtle distortion is paired nicely with Kim Ho’s cooing – her vocals later are given a stuttering effect that makes them blend into surrounding indistinguishably.

‘Setback’ and the titular ‘Instant Comfort’ are the opposite end of the shoegaze scale to ‘Take Heart’ and ‘Stars in the Car’.  While the latter two have a clean spacious sound with ‘Take Heart’ having The Cure vibes and ‘Stars in the Car’ having the atmosphere of a late-night drive in a vast desert. The former two are for lovers of the shoegaze genre. The guitars on ‘Setback’ are dense and suffocating with erratic feedback and the droning on the title track is ever present and after tension is built from Wai’s drums, the drone becomes like television static.


 


 






1. März 2026

Neue Gerichtstermine: März / April


März

06.03.
Hater - Mosquito
Morrissey - Make-Up Is A Lie
Christin Nichols - Christin Nichols
Harry Styles - Kiss All The Time. Disco, Occasionally

13.03.
Brigitte Calls Me Baby - Irreversible
Kim Gordon - Not Today
The Notwist - News From Planet Zombie
Alexis Taylor - Paris In The Spring

20.03.
The Dandy Warhols - Pin Ups
Ladytron - Paradieses

27.03.
Butler, Blake & Grant - Murmurs
Courtney Barnett - Creature Of Habit
Flea - Honora
José González - Against The Dying Of The Light
Memorials - All Clouds Bring Not Rain
The New Pornographers - The Former Site Of
Robyn - Sexistential
Snail Mail - Ricochet
The Twilight Sad - It’s The Long Goodbye


April

03.04.
Deary - Birding
Maria Taylor - Story’s End

10.04.
They Might Be Giants - The World Is To Dig
Wu Lyf - A Wave That Will Never Break

17.04.
T’Pau - Be Wonderful
Tomora - Come Closer

24.04.
Julia Cummings - Julia
Foo Fighters - Your Favorite Toy
Metric - Romanticize The Dive
The Reds, Pinks And Purples - Acknowlege Kindness


26. Februar 2026

Gorillaz - The Mountain


10 Fakten zum neuen Album von Gorillaz:

1. Neunter Anlauf von Damon Albarn, um mit seinen Gorillaz die Spitze der Charts in Deutschland und USA zu erreichen. Hierzulande sind fünf Platzierungen in den Top 3 verbucht, jenseits des großen Teiches drei - aber ein Nummer 1-Album fehlt noch. Selbstverständlich nicht im Vereinigten Königreich, denn dort erreichten „Demon Days“ (2005) und zuletzt „Cracker Island“ (2023) die Spitzenposition.

2. 3 Jahre und 3 Tage lagen zwischen der Veröffentlichung von „Cracker Island“ und nun „The Mountain“, das ursprünglich für den 20. März angekündigt worden war, dessen Veröffentlichung dann aber auf den 27. Februar vorgezogen wurde. So oder so ausreichend Zeit, um ein eigenes Label zu gründen (Kong) und sich erstmals von Parlophone zu lösen, denn der Vertrieb erfolgt über The Orchard bzw. Sony Music.


 


3. Der Berg ist auf dem von Jamie Hewlett gestalteten Plattencover gut zu sehen, der Albumtitel für uns aber nicht lesbar, denn er ist in Devanagari geschrieben, ein weit verbreitetes indisches Schriftsystem, das von links nach rechts mit einem charakteristischen oberen Kopfstrich geschrieben wird. Es ist die Hauptschrift für Hindi, Sanskrit, Marathi und Nepali sowie viele weitere Sprachen in Nordindien.

4. Apropos Indien: Die Aufnahmen fanden nicht nur in England (London, Devon), USA (New York, Los Angeles, Miami), Syrien (Damaskus), Turkmenistan (Aşgabat) sondern auch in vier Studios in Indien (Mumbai, Neu-Delhi, Rajasthan, Varanasi) statt.


 


5. Noch länger ist die Liste der berühmten Gastmusiker*innen: u.a. Sparks („The Happy Dictator“), Bobby Womack („The Moon Cave“), Tony Allen („The Hardest Thing“), Idles („The Good Of Lying“), Mark E. Smith („Delirium“), Gruff Rhys („The Shadow Light“), Paul Simonon („Casablanca“) und Johnny Marr bei gleich fünf Songs. 

6. Auch die Stimme des 2010 verstorbenen Schauspielers Dennis Hopper ist auf dem Titelsong zu vernehmen. Dazu nutzte Damon Albarn einen unveröffentlichten Outtake aus Hoppers Auftritt in „Fire Coming Out of the Monkey's Head” aus „Demon Days“, dem zweiten Album der Gorillaz.


  


7. „The Mountain“ bietet 15 Songs in 66:22 Minuten. Die Deluxe Version bietet zusätzlich „Bolly Noir“ und „Noah's Descendants“ sowie die Darbietung des Titelsongs und „Meri Sapno Ki Rani“s durch Hindu Jea Band Jaipur. 


8. „The Mountain“ ist als CD, Deluxe CD, Doppel LP (black Vinyl, orange Vinyl, yellow Vinyl), Doppel-Picture Disc und in vier unterschiedlichen Varianten der Kassette erhältlich. Die ungewöhnlichste LP Version gab es bei Bad World: exclusively pressed to splatter effect LP with red liquid LP1 and yellow and white splatter disc 2 with exclusive character art centre-labels.  


 


9. Bei Metacritic sind alle Alben der Gorillaz gelistet - und noch ist es Zeit, um zu raten, welches den höchsten Metscore hat:„Gorillaz“ (2001; 71/100), „Demon Days“ (2005; 82/100), „Plastic Beach“ (2010; 77/100), „The Fall“ (2010; 67/100), „Humanz“ (2017; 77/100), „The Now Now“ (2018; 73/100), „Song Machine, Season One: Strange Timez“ (2020; 81/100), „Cracker Island“ (2023; 80/100) und „The Mountain“ (2026; 86/100).

10. 30 Konzerte und Festival-Auftritte der Gorillaz sind bisher angekündigt worden. Unsere Nachbarländer Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich und Polen sind vertreten - Deutschland aber nicht. 


25. Februar 2026

Mumford & Sons - Prizefighter


Mumford & Sons: Auf der Jagd nach den 70 Punkten

Wir befinden uns tief im Dschungel der Musikrezensionen. Marcus Mumford wischt sich den Schweiß von der Stirn, in der Hand eine zerfledderte Schatzkarte zum sagenumwobenen Tempel der 70 Metacritic-Punkte. Hinter ihm liegen die Ruinen fünf alter Alben, die alle unterhalb der verfluchten Zahl 70 eingefroren waren. Seit Jahren versuchen unsere Helden – Mumford und seine furchtlosen Söhne – das verlorene „Juwel der allgemeinen Begeisterung“ (auch bekannt als die 70er-Metascore-Marke) zu bergen. Doch der Weg ist gepflastert mit tückischen Fallen: bissige Pitchfork-Rezensionen, Geheimnisse ausplaudernde Produzenten sowie bandinterne Bösewichte, Treibsand aus Folk-Klischees und Wächter in Pretty Green-Kleidung, die „zu kommerziell!“ twittern.

In einer Welt, in der Banjo-Saiten gefährlicher sind als Macheten, stellen sich die Mumfords ihrem nächsten Abenteuer, haben die Hosenträger enger geschnallt und eine Elite-Truppe zusammengestellt, um den Fluch der soliden Mittelmäßigkeit endlich zu brechen. Da wäre Aaron Dessner, der Mann, der als Produzent schon Taylor Swift aus dem Pop-Sumpf rettete, der alle Rätsel knackte, um den Sound so melancholisch-intellektuell zu tarnen, dass kein Kritiker merkt, dass er eigentlich mitschunkelt. Zudem Hozier und Chris Stapleton, welche die Flanken mit so viel Stimmgewalt absichern, dass jede dauernörgelnde Kritikerstimme einfach übertönt wird. Außerdem noch Gigi Perez und Gracie Abrams, um einen frischen Wind zu bringen, der die 70er-Marke endlich in greifbare Nähe wehen soll. Zusammen wollen sie ein musikalisches Inferno entfachen und die Lunte für eine Wertungs-Explosion zünden. 

Wird „Pricefighter“ ein Schwergewicht unter den Folk-Alben sein oder bleibt am Ende nur viel heiße Luft und eine rauchige Bewertung von wieder einmal weniger als 70 Punkten? Und seid ihr Feuer und Flamme für das sechste Album von Mumford & Sons?


 




24. Februar 2026

Loney Dear - Making Friends Is Easy


Es gibt ein neues Album von Emil Svanängen, der seine Musik unter dem Pseudonym Loney Dear heraus bringt. Begonnen hat er damit 2003 und einigen Alben, die er selbst in Eigenregie veröffentlichte, anfangs noch als selbst gebrannte CD-Rs. Dann stieg sein Bekanntheitsgrad, er erhielt ein Dauer-Abo beim Haldern Pop Festival, Lob von Peter Gabriel und Verträge bei dessen Real World Records oder Sub Pop. 


 


Mittlerweile ist der Schwede bei seinem zehnten Studioalbum angekommen, das weniger minimalistisch ausgefallen ist als seine beiden Vorgänger „A Lantern And A Bell“ (2021) und „All Things Go“ (2024). Beste Beispiele hierfür sind das pulsierende „Kiddo“, welches das Album eröffnet und dessen Titel liefert, und das an Dramatik und Opulenz zunehmende „Undertow“.  


 


Emil Svanängen berichtet, dass „Making Friends Is Easy“ nach dem Verschwinden wichtiger Menschen aus seinem Leben entstand und ihn an der Schnittstelle zwischen dem Wunsch im Mittelpunkt zu stehen und der Sehnsucht nach Einsamkeit zeigt. Stellvertretend für die melancholischen, intimen Momente des Albums sollen das großartige „Night Cars“ und das falsettige „Flush“ genannt werden. Ein langjähriger Wegbegleiter ist Svanängen nicht abhanden gekommen, denn erneut hat er zusammen mit Emanuel Lundgren von I’m From Barcelona komponiert, arrangiert und produziert. 




Ein wenig mehr hätten sich die beiden Schweden gern ersinnen dürfen, denn „Making Friends Is Easy“ ist nach 9 Songs in 27 Minuten bereits auserzählt, wobei die letzten beiden Lieder auch den Gesang missen lassen. Bei mir steht das Album auf clear Vinyl im Plattenregal, wobei Seite 1 deutlich häufiger abgespielt wird.




23. Februar 2026

Ásgeir - Julia


Weder Björk noch Sigur Rós können sich mit den Federn des am besten verkauften  Debütalbums in Island schmücken, denn kein isländischer Musiker verkaufte mit seinem Erstlingswerk so viele Alben wie Ásgeir Trausti Einarsson mit „Dýrð í dauðaþögn“ (2012).   Es heißt, dass jeder zehnte Einwohner der Insel dieses Album besitzt, dessen isländische Texte auf den Gedichten von Ásgeirs Vater Einar Georg Einarsson beruhen und später für eine internationale Version („In The Silence“) von John Grant ins Englische übersetzt wurden. 

Mittlerweile ist Ásgeir bei seinem fünften Studioalbum, „Julia“, angekommen, das gleich zwei Veränderungen zu seinen früheren Werken auszeichnet: Zum ersten Mal in seiner Karriere hat er die Texte - mit Ausnahme des Titelsongs - komplett allein verfasst. Diesen Schritt ins Persönliche vollzieht Ásgeir auch musikalisch und zeigt sich in schlichten, atmosphärischen Arrangements möglichst nahbar und intim. Sein warmer Gesang, der wie gewohnt häufig ins Falsett übergeht, und die akustische Gitarre stehen im Mittelpunkt des Albums und zeigen, warum Nick Drake oder Bon Iver immer wieder als Referenzen genannt werden. „Julia“ entstand erneut in Zusammenarbeit dem isländischen Produzenten und Gitarristen Guðmundur Kristinn Jónsson sowie dem aus Nashville stammenden Cellisten Nathaniel Smith und kombiniert organischen Folk und sanften Americana mit zurückhaltenden, melodiösen Folkpop. 

Das Album ist bereits über One Little Independent Records als CD und LP (black Vinyl, green Vinyl) erschienen. Bis zu den nächsten Konzerten von Ásgeir in Deutschland vergeht aber noch ein wenig Zeit:
11.09.26 Hamburg, Mojo Club
12.09.26 Berlin, Hole 44
14.09.26 München, Technikum
15.09.26 Köln, Kulturkirche


Es ist eine in sich ruhende, poetische, harmoniebedürftige und nach innerer Ausgeglichenheit strebende Stilistik, mit der der Isländer hier in zehn wunderbaren Songs die Welt beglückt. Wobei gerade die Single "Ferris wheel" als wohl stärkstes Stück der Platte eher nach ganz viel sehnsuchtsgetränktem Fernweh klingt – genau wie im zugehörigen Video möchte man sich sofort hinter das Steuer des nächstbesten Wagens schwingen und in den Sonnenuntergang fahren. (…)
Erholt und voller Energie lässt sich dann auch besser "Against the current", also gegen den Strom schwimmen, wobei Ásgeir in diesem im Vergleich zum Großteil des Albums geradezu dynamisch wirkenden Highlight eher darüber sinniert, den eigenen Weg zu finden, ohne dabei gegen ständige Widerstände ankämpfen zu müssen. Denn letztlich möchten wir doch alle nur ein "Quiet life", wie es im tollen, Stimmung und Ton setzenden Opener thematisiert wird. (…)
Bei so viel wohltuendem Seelenfrieden sollte es jedenfalls leicht fallen, darüber hinwegzusehen, dass der Platte etwas mehr Pep gut getan hätte.


 


 





21. Februar 2026

10 Schallplatten, die uns gut durch den März bringen


10. Kapelle Petra - Lübbe. (180g) (Eco Vinyl) (2 LPs) 6.3.2026






9. Nothing - A Short History Of Decay (Limited Indie Edition) (Candy Corn Vinyl) 27.2.2026






8. Die drei ??? - Die drei ??? (Folge 238) Falsche Schuld (2 LPs) 20.3.2026






7. Morrissey - Make-Up Is A Lie (Zoetrope Vinyl) 6.3.2026






6. Ladytron - Paradises (2 LPs) 20.3.2026






5. Christin Nichols - Christin Nichols (LP) 6.3.2026






4. The Charlatans - Some Friendly (Expanded White Vinyl Version) 27.3.2026




3. Brigitte Calls Me Baby - Irreversible (White Color Vinyl) 13.3.2026






2. The Twilight Sad - It's the Long Goodbye (Red Vinyl) 27.3.2026






1. The Notwist - News From Planet Zombie (Clear Orange Vinyl) 13.3.2026







20. Februar 2026

Dead Dads Club - Dead Dads Club


Es gab vor einigen Jahren für wenige Jahre einmal eine Band namens Palma Violet. Sie waren bei Rough Trade unter Vertrag, der NME war schwer begeistert („Best New Band“ Award) und wählte ihre Debütsingle „Best Of Friends“ 2012 zur Single des Jahres, auch das Debütalbum „180“ fand so viele Fans und Käufer, dass es bis auf Platz 11 der UK Charts kam. Den Nachfolger, „Danger In The Club“ produzierte niemand geringeres als John Leckie (The Stone Roses, Radiohead, Muse, The Verve), aber der Hype hatte nicht lange Bestand, denn das Album erreichte lediglich Platz 25 der Charts. Auch das Bandgefüge war nicht besonders gefestigt, denn alle Mitglieder, mit Ausnahme von Chilli Jesson, gingen irgendwann in die Band Gently Tender über, während Jesson Crewel Intentions gründete. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ wohl weder die eine noch die andere Formation.

Nun ist Chilli Jesson wieder da. Also so richtig, denn seit 2021 tauchten sporadisch erste Lieder seines neuen Projektes auf. Mitglied im Club der toten Väter ist er wohl seit seinem vierzehnten Lebensjahr, und so verarbeitet er den Verlust seines Vaters auf dem Debütalbum seines Projektes Dead Dads Club, das er zusammen mit Rupert Greaves betreibt. Aus der kreativen Sackgasse in der Jesson wohl über einen längeren Zeitraum steckte, half ihm die Zeit heraus, die er Fontaines D.C. als Tour-Musiker begleitete. Diese Erfahrung und die Freundschaft zu den Bandmitgliedern gaben ihm den Anstoss, die 11 Songs des Albums zu schreiben, das von Carlos O’Connell, dem Gitarristen der irischen Band Fontaines D.C., produziert wurde. 

Über Fiction Records wurde „Dead Dads Club“, für das gleich fünf ältere Songs außen vor gelassen wurden, als CD und LP (black Vinyl, lime green Vinyl) veröffentlicht und den Lobgesang stimmt selbstverständlich der NME an:


There is wistful hope on opener ‘It’s Only Just Begun’, a memory of rattled parental arguments at the core of ‘Running Out of Gas’, and a final, lingering sense of light at the end of the tunnel on closer ‘Need You So Bad’, but for the most part these are songs that stand up on their own outside of any larger conceit.
Their strength comes, in part, from the production chops of Fontaines D.C.’s Carlos O’Connell. (…) ‘Don’t Blame The Son For The Sins Of The Father’ begins with a pummelling introduction that could slot happily into the ‘Romance’ playbook, while the Jack White-esque guitars on ‘Goosebumps’ are grizzled and abrasive in the most cheeky of ways. Alongside the prowling underbelly of ‘Humming Wires’, they’re some of the record’s best moments: songs designed to be turned up loud and played live.
But there’s impressive variety contained within ‘Dead Dads Club’ too. ‘Volatile Child’’s direct indie hooks throw back to the melodic smarts of early-Strokes; ‘Junkyard Radiator’ arrives woozy and disoriented in a drug-addled, psych-tinged haze, while ‘Need You So Bad’ rings with a gentle kind of euphoria. By digging into his bleakest moments, Jesson has steered himself musically back on course: no-one ever wants to join Dead Dads Club, but at least if you’re there you’ve got a good soundtrack.
(NME)


 


 




19. Februar 2026

The Green Apple Sea - Dark Kid


Gut Ding will Weile haben. Nach diesem Motto arbeiten möglicherweise auch Stefan Prange und seine musikalischen Mitstreiter bei The Green Apple Sea. Im Laufe der Jahre hat die 1998 gegründete und in Nürnberg ansässige Band nach und nach die Besetzung variiert und lediglich fünf Alben herausgebracht. 

2010 erschien über K&F RecordsNorthern Sky, Southern Sky“ (7,750 Punkte und Platz 16 bei Platten vor Gericht) und danach ging es beim gleichen Label im Acht-Jahres-Rhythmus weiter: Auf „Directions“ (7,000 Punkte) ließen Stefan Prange (Gesang, Gitarre), Christian Ebert (Keyboard, Gesang, Produktion), Michael Kargel (Schlagzeug, Percussion), Lena Dobler (Gitarre, Gesang) und Frank Theismann (Bass) nun „Dark Kid“ folgen.

Das Quintett bietet behaglichen, warmen Folk und melancholisches, zeitloses Americana, kombiniert mit mehrstimmigem Harmoniegesang und vielschichtigen, detaillierten Arrangements. Erdacht wurde „Dark Kid“ von Sänger und Songwriter Stefan Prange als eine Art Konzeptalbum, in dem er in einzelnen Episoden seine nicht gerade leichte Kindheit und Jugend verarbeitet. Die Begebenheit, dass er von seinen Stiefbrüdern mit dem Fahrradschloss an ein Treppengeländer gekettet wurde, wenn keiner Lust hatte, auf ihn aufzupassen, ist nur eine dieser Episoden.

Gut Ding will Weile haben. Und so muss man auch „Dark Kid“ (CD/LP (black Vinyl))Zeit zum Entfalten geben.

The Green Apple Sea live:
21.02.26 Köln, Wohngemeinschaft

26.03.26 Haselünne, Hasetor Kino

27.03.26 Grevenbroich, Cafe Kultus

28.03.26 Ankum, Kulturetage

29.03.26 Münster, Pension Schmidt

31.03.26 Berlin, studioeins session (Bikini)

01.04.26 Berlin, Schokoladen

01.05.26 Nürnberg, Kaiserburg 
03.05.26 Offenbach, Hafen 2

11.06.26 Nürnberg, One Mic Night
01.10.26 Hamburg, Small Size Sessions

23.10.26 Viechtach, Spital

24.10.26 Hersbruck, Kulturbahnhof


 


 


 





18. Februar 2026

Apparat - A Hum Of Maybe


Lange nichts von Sascha Ring gehört. Sein letztes Album unter dem Namen Apparat, „LP5“, liegt sechs Jahre zurück, zusammen mit Gernot Bronsert und Sebastian Szary verschmilzt er Modeselektor und Apparat zu Moderat und veröffentlichte vor vier Jahren „More D4ta“. 

Diese Woche beendet der in Berlin lebende Musiker, Produzent und Komponist die ihn umhüllende Stille, die auch einer langwierigen Schreibblockade geschuldet war. Diese konnte er durchbrechen, indem er sich - frei von Druck, Urteilen und dem Streben nach Perfektion - der Herausforderung stellte, jeden Tag eine Idee für einen Song zu entwickeln. Und so führte eine neue tägliche Routine zu einer therapeutischen Wirkung, so dass sich aus unzähligen Fragmenten, die zwischen März und September 2025 entstanden, erste Songs heraus kristallisierten, die nun sein sechstes Studioalbum bilden. Die 11 Titel sind experimentelle Stücke auf Radioheads Spuren („Glimmerine“), tanzbare, technoide Dance-Tracks im Stile von Moderat („A Slow Collision“) oder traumhafte Ambientsounds, die sich nahtlos in die Soundtrack-Welten von Apparat einfügen („Lunes“, „Williamburg“). Thom Yorke wird dieses Album lieben!

Die Zusammenarbeit mit anderen Musiker*innen sorgt dafür, dass „A Hum Of Maybe“ nicht kalt und künstlich sondern warm und organisch klingt. Zu nennen wären Philipp Johann Thimm (Cello, Klavier, Gitarre), der auch als Co-Autor und Co-Produzent des Albums fungierte, Christoph „Mäckie“ Hamann (Violine, Keyboard, Bass), Jörg Wähner (Schlagzeug), Christian Kohlhaas (Posaune) sowie die armenisch-amerikanische Produzentin und Sängerin KÁRYYN, die auf dem Song „Tilth“ zu hören ist. Gerade von diesen gesanglichen Kooperationen hätten es, wie auf „The Devil's Walk“ (2011) gern mehr sein dürfen.  

A Hum Of Maybe“ ist als CD und Doppel-LP (schwarzes Vinyl, türkisfarbenes Vinyl) erhältlich.




Das Ergebnis kann sich zunächst hören lassen. Der Auftakt mit "Glimmerine" und "A slow collision" liefert all das, was die Qualitäten des Musikers ausmacht: viele kleine Einfälle, ausgedehnte Klangteppiche, ein selbstbewusstes Kopfnicken Richtung Thom Yorke. Alles ist hier im zuweilen träumerischen Fluss, und langweilig wird es zunächst einmal gar nicht. Nach dem kurzen Zwischenpart "Gravity test" folgt ein spannendes Gastspiel, denn "Tilth" erweist sich als durchaus experimentierfreudiger Song, den die Sängerin Káryyn gekonnt veredelt.
Und auch "An echo skips a name" hält das sehr gute Niveau des bis hierhin Gebotenen, Apparat schraubt sich durch repetitive Elemente tief in die Gehörgänge. Ab diesem Moment allerdings gelangt der Vortrag an einen Scheidepunkt, der die Bewertung des Ganzen wohl nicht zuletzt von der Stimmung abhängig macht, in der die Songs konsumiert werden. "Enough for me" beispielsweise oder auch das folgende "Lunes" sind in manchen Momenten zwar noch immer solide gestrickt, könnten aber bei betont kritischer Betrachtung auch dezent inspirationslos wirken. Introvertiert, zuweilen auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum reduziert: So geht die Reise in Apparats Inneres schließlich auf diesem Album weiter und im finalen "Recalibration" zu Ende. 




17. Februar 2026

Sarah Nixey - Sea Fever


Es ist schon ausreichend, dass Billie Eilish eine alte Band (Black Box Recorder) für sich entdeckt und einen ihrer Songs („Child Psychology“) in den sozialen Medien teilt und schon schnellen deren Streaming-Zahlung in zuvor nie erreichte Höhen. 

Sarah Nixey, Luke Haines und John Moore brachten in ihren aktiven sechs Jahren als Black Box Recorder drei Alben („England Made Me“, 1998), „The Facts Of Life“, 2000, und „Passionoia“, 2003) heraus und fanden sich einige Jahre später für wenige Konzerte wieder zusammen ohne ein angekündigtes neues Album zu veröffentlichen. Das letzte Konzert des Trios fand 2009 in der Londoner Queen Elizabeth Hall statt, mittlerweile ist ein weiteres angekündigt: am 22. Mai 2026 im Londoner Palladium. Ob Billie Eilish auch anwesend sein wird?

In der Zwischenzeit hat Sarah Nixey, die natürlich nicht mit dem musikalischen Output von Luke Haines mithalten kann, ihr viertes Soloalbum veröffentlicht, das mehr als sieben Jahre nach dem Vorgänger „Night Walks“ über ihr eigenes Label Black Lead Records als CD und LP erschienen ist.
Am flüsternd, hauchenden Gesangsstil ist Sarah Nixey selbstverständlich sehr schnell zu erkennen. Thematisch erkundet Nixey „die bittersüße Schönheit des menschlichen Lebens inmitten einer unbeständigen Welt voller wechselnder Jahreszeiten und brutaler Elemente“ und singt „Lieder voller tiefer Trauer, Erinnerung, Geburt und Veränderung, vor dem Hintergrund einer sinnlichen Naturwelt.“ Musikalisch stehen bei den 12 Songs unterkühlter 80er-Jahre-Synthpop („Rolling Waves“), sanfter aber düsterer Trip Hop („Lies Of The Land“) und akustischer, intimer Folkpop („Sea Fever“, „Pleasure Bay“) dicht neben einander. 
Sea Fever“ wurde gemeinsam von Sarah Nixey und Jimmy Hogarth aufgenommen und produziert, wobei die gemeinsamen Kompositionen die erste Plattenhälfte füllen, während die zweite Hälfte von Nixey allein geschrieben wurde.   


 


The first part of the record, is as nature driven as the song titles would have you believe (there’s trees, snow, waves, sea, winter and forest) the sparseness of vocal over quite minimalistic instrumentation, and in some parts it would pass as lo-fi trip-hop in places, more reminiscent of her earlier solo stuff. The title track with it’s hauntingly erratic drumbeat soothes whilst The Sound Of Falling Snow is as beautiful as the images it pertains to project. (…)
And just when you think you have the measure of the record and you’re expecting it to carry on drifting leisurely into your consciousness for the whole thing, Nixey changes tact and the second half conjures up new feelings, there’s a bit more anger, an edginess and impatience in the voice a change in mood and subject.
‘Lies Of The Land’ is where it begins and it’s fantastic, smacking as it does of her old band with Nixey just going for it, almost rapping her list of frustrations, it’s a post pandemic, post-Brexit state of the nation rant against inequality and division, “National security, national disgrace/Clap for carers, slam the strikes/Pay your taxes, job for life”, which turns out to be just the aperitif for the album’s highlight, ‘England’s On Fire‘, which is just the sort of song that PJ Harvey would give her back teeth for, a nuanced look at patriotism and nationalism, “England’s on fire, feel the flames/England’s on fire, gonna wave your flag”.


 


Sea Fever’s sonic mise-en-scène is perfectly detailed — a dark, downtempo world pulsing with synthesizers, gently arpeggiated acoustic guitar, and percussion straight out of a ’60s Serge Gainsbourg record. It’s the ideal setting for Nixey’s breathy, talky vocal style — a bit like Jarvis Cocker if he were a woman and never lost control of his emotions.
It’s also clear that this album, featuring songs with titles like “The Sound of Falling Snow,” “At the Edge of the Forest,” “Winter Solstice,” and “Spring Equinox,” is perfect for a February release when you might be listening somewhere warm while watching a whiteout from your window.




16. Februar 2026

Hundreds - Sirens


Ein Blick in die deutschen Album Charts kann Kurioses und Erschreckendes bieten. Diese Woche gleich beides. Von den 10 Alben, die letzte Woche die Top 10 bevölkerten (Die Toten Hosen verhinderten mit einem 30 Jahre alten Album zumindest eine Nummer 1 für Böhse Onkelz, denen Kaffkiez, ein Stranger Things Soundtrack, Ufo361, Only The Poets, Michael Jackson, Taylor Swift, HeavySaurus und Don Toliver folgten), konnten sich nur zwei in diesen halten (Taylor Swift und Don Toliver), hinzu kamen fünf Neuzugänge (der Soundtrack zu einem Videospiel, Sophia (nein, leider kein neues Album von Robin Proper-Sheppard), Joji, Kanonenfieber und Mayhem) sowie drei Aufsteiger (Olivia Dean, der Soundtrack zu KPop Demon Hunters und Bad Bunny, dessen aktuelles Album in der 52. Chartwoche Dank des Super Bowls auf Platz 1 sprang).

Warum ich mir die deutschen Album Charts angesehen habe? Um herauszufinden, welchen Platz Hundreds mit ihrem fünften Album „Sirens“ erreichten konnten. Zwar blieben zuvor „Aftermath“ (2014; #49), „Wilderness (2016; #77) und „The Current“ (2020; #57) nur für jeweils eine Woche in den Top 100, aber die sehr guten Plattenkritiken und die vorherigen Platzierungen ließen erwarten, dass zumindest ein Platz im Mittelfeld erreicht werden könnte. Jedoch Fehlanzeige, es gab zwar 13 Neuzugänge, aber das Hamburger Trio war nicht dabei. Der Grund dafür könnte sein, dass „Sirens“ zwar am 6. Februar digital veröffentlicht wurde, aber CD und LP (black Vinyl) erst eine Woche später folgten. Da muss ich mir die deutschen Album Charts wohl nächste Woche noch einmal ansehen und hoffentlich kann „Sirens“ viele Käufer*innen becircen und in die Plattenläden locken.

Sängerin Eva Milner, ihr Bruder Philip (Tasteninstrumente) und ihr Ehemann Florian Wienczny (Schlagzeug) verknüpfen auf „Sirens“ mystische Bilder mit aktuellen Themen (wie Migration, Identität, Eskapismus) und tauchen in Klangwelten zwischen dunklem, orchestralen Artpop („Sirens“, „Eliot“), atmosphärischer Electronica („Walk On Walls“), tanzbarem Elektropop („Blueberry Dream“) und an die 80er Jahre erinnernden Synthpop („Five Rivers“) ein.   

Hundreds unterwegs in Deutschland:
14.04.3026 München, Strom

15.04.2026 Jena, Kassablanca

16.04.2026 Leipzig, UT Connewitz

17.04.2006 Heidelberg, Karlstorbahnhof

18.04.2026 Stuttgart, Im Wizemann

20.04.2026 Wiesbaden, Kesselhaus

21.04.2026 Köln, Gebäude 9

22.04.2026 Nürnberg, Z-Bau

24.04.2026 Hamburg, Mojo

25.04.2026 Berlin, Columbia Theater

26.04.2026 Hannover, Musikzentrum


 


Generell lassen sich innerhalb des Albums wenige instrumentale Melodien, dafür eher Sequenzen und Fills finden. Das titelgebende "Sirens" bildet, genau mittig platziert, den Übergang zwischen den bereits bekannten Tracks der ersten Hälfte des Albums und dem deutlich akustischer instrumentierten, zweiten Teil. Obwohl "Eliot" kein klassischer Radiohit ist, gehört der Song zu den Highlights der Platte. Er zeigt auf kunstvolle Weise, was vielen Produktionen fehlt: das Verständnis dafür, dass das zwischen den Tönen Liegende keine bloße Abwesenheit von Klang ist, sondern sich diese Bereiche voller Wärme und Größe entfalten können, um dann ebendiesen erschaffenden Raum wiederum der Instrumentierung darzubieten. Zurückgenommenes Zusammenspiel von Klavier, Schlagzeug, Streicher, Bass und dezenten Bläsern: Man fühlt sich zart an Talk Talk erinnert. 


 


Erneut umschließen sich elektronische und orchestrale Instrumente zu einem Klangbild, das nach zeitloser Vergangenheit klingt. Der Fokus liegt diesmal jedoch stärker auf den reinen Kompositionen und noch weniger auf treibenden Synth-Pop-Beats.
Und die sind vielfältig: Mal verspielt, mal mit mechanischer Präzision tickend, mal mit kathedralischem Hall, filmreifem Sounddesign und steilen Spannungskurven.
Eva Milners Gesang schwebt über alledem – weniger sirenenhaft, als der Albumtitel vermuten lässt, sondern stets klar, präsent und mindestens genauso samtig wie die harmonische Grundlage.


 


Eine Musik, die ihre eigene Spiritualität in sich trägt und ebenso bodenständig wie transzendent wirkt. Dabei bleiben sich Hundreds stilistisch treu und bewegen sich erneut durch ein Spektrum, das von elektrifizierten Clubsounds bis zu sinfonieartiger Grandezza reicht. Ein wirklicher Hochgenuss und eine Platte, die zwar das oft verschriene Label „Made in Germany“ trägt, sich den damit verbundenen gängigen Klischees jedoch verweigert und stattdessen einen internationalen Anspruch verfolgt und erfüllt. Es ist ihr bestes Album seit dem grandiosen Zweitwerk „Aftermath“ (2014)!




13. Februar 2026

Alice Costelloe - Move On With The Year


Was kann ich euch über Alice Costelloe erzählen?

Vielleicht, dass die englische Singer/Songwriterin zwischen 2011 und 2018 zusammen mit dem US-Amerikaner Kacey Underwood in der Band Big Deal war und die Alben „Lights Out“ (2011), „June Gloom“ (2013) und „Say Yea“ (2016) veröffentlichte.

Vielleicht, dass sie seit 2022 Songs unter ihrem eigenen Namen herausbringt, 2024 eine erste EP („When It’s The Time“) folgen ließ und am 6. Februar 2026 ihr Debütalbum „Move On With The Year“ über Moshi Moshi Records veröffentlichte. Freunde der Schallplatte können die 10 Songs auf black Vinyl käuflich erwerben.

Vielleicht, dass sie „Move On With The Year“ zusammen mit dem Tunng-Mitglied und Produzenten Mike Lindsay (Laura Marling, Anna B Savage, LUMP) in dessen Margate Studio aufgenommen hat. Das Album bietet versponnenen Artpop und zarten Folkpop zu Mellotron-Drones, flatternden Flöten, verzerrten Synthesizern und stolpernden Klavieren.

Vielleicht, dass sich Alice Costello auf ihrem Solodebüt intensiv mit der Drogensucht und der emotionalen Abwesenheit ihres Vaters, dem im letzten Jahr verstorbenen Designer Paul Costelloe, während ihrer Kindheit auseinandersetzt.


Vielleicht, dass Alice Costelloe die Enkelin des Malers Lucian Freud ist, der ein Enkel von Sigmund Freud war. 2003 schuf der Maler ein Bild von seiner Enkelin. 


 


 


‘Move On With The Year’ marries sonic familiarity with emotional lyrical introspection, her often dainty but always dependable indie pop toying with minimalism while she expresses past wounds, emotional distance and long-avoided family scars. A huge step forward musically, as it would appear to be personally.
(DIY)


 


 


Move on With the Year is a work of refined, elegant art pop, rendered through stunning production, in which Alice Costelloe’s crystalline voice floats over a rich palette of electronic instrumentation with grace. In many ways, Costelloe has taken an intensely personal subject matter and transcended it, as if the real story—the only story, in fact—of the record is the music, which is to say she is a survivor. Although she cannot entirely lay the ghost of her father, the record isn’t a pyrrhic victory: by confronting the past, the present is lived and, possibly, embraced. If not, this album will make you dance. Sometimes that is enough.


11. Februar 2026

A.S. Fanning - Take Me Back To Nowhere


Ein Bruch im wahrsten Sinne des Wortes: Der seit einigen Jahren in Berlin lebende, irische Songwriter Andrew Stephen Fanning brach sich das Handgelenk und zwang ihn dazu, seinen Songwriting-Prozess an Keyboard und Drum-Machine zu verlagern. Dies kann man aus seinem vierten Album „Take Me Back To Nowhere“ deutlich heraus hören: Bewegte sich der Mann mit dem tiefen Baritone und den düsteren Songs früher zwischen Folk und orchestralem Rock, so sind nun Einflüsse von New Wave und Electronica deutlich zu vernehmen.

Klingt „Today Is For Forgetting“ nicht deutlich nach Leonard Cohen zu „I’m Your Man“ (1988) Zeiten, als er sich durch den Einsatz von Synthesizern einen moderneren Sound zulegen wollte? Und könnte das sphärisch schwebende „Now I’m In Love“ nicht einen Science-Fiction-Film mit Retro-Optik musikalisch untermalen? Und würde „Idiot Leader“ mit seinen stoischen Drum-Machine-Sounds nicht perfekt in eine Nebel umhüllte New-Wave-Disco im Berlin der 80er Jahre passen, irgendwo zwischen The Cure, Grauzone, Joy Division oder Anne Clark?   

Take Me Back To Nowhere“ nahm A.S. Fanning (Gesang, Gitarre, Synthesizer, Banjo, Melodica, Glockenspiel) zusammen mit seiner Live-Band - Bernardo Sousa (Gitarre, Synthesizer), Dave Adams (Orgel, Synthesizer, Klavier, Vibraphon), Fred Sunesen (Schlagzeug, Synthesizer) und Felix Buchner (Bass) - und dem Produzenten Robbie Moore   im Idea Farm Studio, einem abgelegenen, umfunktionierten Bauernhof in Südschweden auf. Das Album ist als CD und LP (black Vinyl, transparent blue Vinyl) erhältlich. 

Zusammen wird man das Album auch live präsentieren:
16.03.26 Langenberg, KGB

28.03.26 Altenkichen, Stadthalle

21.04.26 Hamburg, Knust

22.04.26 Leipzig, Secret Location

23.04.26 Dresden, Ostpol

25.04.26 Oberhausen, Gdanska
26.04.26 Offenbach, Hafen 2

27.04.26 Montabaur, Wohnzimmerkonzert
02.05.26 Berlin, Neue Zukunft


 


Aber durchgehend kühl und keyboard-lastig sind die Arrangements zum Glück nicht. Das regelrecht jubilierende Now I’m In Love könnte auch eine Platte von The Divine Comedy zieren, im Instrumental Back To Nowhere II nähert sich Fanning einem melodischen Post-Punk, ehe er gegen Ende mit dem prachtvollen Stay Alive und Talking To Ourselves als melancholischer Crooner im Nick-Cave-Modus brilliert. (…)
Das Ergebnis ist eine Platte, die nicht wie eine schnöde Kopie des bejubelten Vorgängers klingt, Hörer von Mushroom Cloud aber kaum weniger begeistern dürfte.


Fanning setzt mit „Take Me Back To Nowhere“ auf Reduktion. Die Musik wirkt durchdacht, ohne verkopft zu sein, und emotional, ohne sich je in große Gesten zu flüchten. Wenn hier Pathos auftaucht, dann trägt es bequeme Schuhe und entschuldigt sich fast dafür, überhaupt da zu sein.
Was das Album besonders macht, ist seine Konsequenz. Es gibt keinen Moment, in dem man das Gefühl hat, jemand hätte noch schnell „etwas Eingängiges“ einbauen wollen, um die Aufmerksamkeit nicht zu verlieren. Stattdessen vertraut das Album darauf, dass Zuhören an sich noch ein Wert sein kann.