Zu behaupten, dass „Up’s The New Down“ das Solodebüt von Pete Fij ist, wäre nur die halbe Wahrheit. Denn in der Diskografie von Pete Fijalkowski (und in meinem Plattenschrank bzw. CD-Regal) taucht - neben zwei Alben mit Adorable („Against Perfection“ (1993) und „Fake“ (1994)) und zwei mit Polak* („Swansongs“ (2000) und „Rubbernecking“ (2002)) und zwei mit Terry Bickers von The House Of Love bzw. Levitation („Broken Heart Surgery“ und „We Are Millionaires“ (2017)) - auch noch die ursprüngliche Soloversion von „Broken Heart Surgery“ auf, die er ebenfalls 2014 in Eigenregie veröffentlichte und die eine leicht veränderte Trackliste im Vergleich zu der Fassung mit Bickers zu bieten hatte. Diese beinhaltete unter anderem eine akustische Version von „Homeboy“ (Adorable) und ein Cover von New Orders „Love Vigilantes“.
Zuletzt hatte Pete Fij 2019 das Kapitel Adorable nach 25 Jahren mit 5 Abschiedskonzerten doch noch standesgemäße beenden können, was uns nicht nur noch einmal ein tolles Live-Erlebnis bescherte, sondern vielleicht auch Pets Interesse an verzerrten E-Gitarren neu entfacht hat.
„Up’s The New Down“ ist das Gegenstück zu den ruhigen, melancholischen und akustischen Klängen, die das Duo Fij/Bickers produzierten. „Love’s Coming Back“ eröffnet als ältester Song das Album und man kann schnell verstehen, warum er nicht so recht auf ein Fij/Bickers-Album passten sollte. Bereits im letzten Jahr, als er ihn kurz nach „Complicated“ veröffentlichte, was klar, dass dieser Alleingang von Pete Fij deutlich näher stehen würde als alle seine anderen Veröffentlichungen der letzten drei Jahrzehnte. In diese Reihe gehören auch das fast sechsminütige, das Album abschließende „Fragments“, das tatsächlich auf einem alten Adorable-Riff beruht, und „Buzz Buzz“, das er im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne für einen deutschen Fan geschrieben hatte (nein, nicht für mich, ich hatte mich damals für den handgeschriebenen Text von „Homeboy“ entschieden). In diesem Song hört man zwischen den verzerrten Gitarren deutsche Stimmen und am Ende das Kinderlied „Summ, summ, summ, Bienchen, summ herum!“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1835 - gesungen vom besagten weiblichen Fan.
Vielleicht ist es das groovende „Hey Sunshine“, dem man eher eine Nähe zu Polak zuschreiben müsste. Für das tanzbare und elektronisch angehauchte „Kitchen Disco“ findet man in Fijs Diskographie bisher kein Gegenstück. Für den verzerrten Indierock von „Wake Up Honey“ standen möglicherweise The Jeus & Mary Chain oder die Pixies Pate.
Jetzt bleibt zu hoffen, dass Pete Fij die ursprüngliche Version von „Broken Heart Surgery“ nicht als sein erstes Soloalbum ansieht, denn mehr als zwei Alben, gab es bisher weder von Adorable noch Polak oder Pete Fif / Terry Bickers zu hören - denn von dem „Up’s The New Down“-Pete Fij möchten wir noch viel mehr hören!
* Es gibt darüber hinaus noch die lohnenswerte Compilation „3 x 3“ (1999), auf der drei Singles mit jeweils 3 Songs zusammengefasst sind.

Stimme Dirk zu, von dieser Pete-Version nehme ich gerne mehr! 8 Punkte
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