Paul Weller - A Kind Revolution



















England, was ist los mit dir? Erst Brexit und nun, zum ersten Mal seit 25 Jahren, ein neues Album von Paul Weller nicht in die Top 4 vordringen lassen, obwohl er - bis auf „As Is Now“ (2005) - sonst immer auf die Plätze 1 oder 2 gebucht war?!

„A Kind Revolution“ ist das dreizehnte Soloalbum von Paul Weller und neben den 10 regulären Tracks liefert die Deluxe Version nur einen bedingten Mehrwert: zehn Instrumentals, acht Remixe und ein Bonus-Lied („Alpha“) können mich nicht zum Kauf bewegen. Auch kann ich mich wenig an den Ausflügen in Richtung Funk („She Moves With The Fayre“), Rhythm & Blues („Woo Sé Mama“, „Satellite Kid“), Dancefloor („One Tear“) oder Jazz („The Cranes Are Back“) berauschen, so dass ich mir nur wenige Stücke (etwa „Long Long Road“, „New York“ oder „The Impossible Idea“) in eine Konzertsetliste, schließlich kommt der Mann für acht Termine nach Deutschland (siehe unten), wünschen würde. 

Neben seinen üblichen Mitstreitern (Andy Crofts, Ben Gordelier, Steve Cradock und Steve Pilgrim) durfte Paul Weller u.a. P.P. Arnold, Boy George, Robert Wyatt und Josh McClorey (The Strypes) im Studio begrüßen. Wirft man einen Blick auf die Kritiken, so können offensichtlich viele Titel von „A Kind Revolution“ überzeugen, schließlich steht es aktuell bei Metacritic bei 86/100 Punkten - besser als alle anderen gelistete Alben (seit 2003) von Weller. 
Da liegen England und ich wohl mit unserer Ein- und Wertschätzung falsch.




Das Album beginnt mit „Woo Se Mama“, einem Rhythm & Blues nach Art des Hauses Weller, serviert mit Chor-Beilagen und zwei kurz gebratenen E-Gitarrensoli. „Nova“, direkt im Anschluss kriegt ganz locker die Kurve vom Ziggy-Stardust-Bowie in den Space-Rock. „Long Long Road“ darf ein paar Momente an die „Long And Winding Road“ der Beatles erinnern, „One Tear“ tänzelt selbstvergessen zwischen Pop und Dub. Und im schön zurückgenommenen Funktrack „She Moves With The Fayre“ hören wir Robert Wyatts Jazz-Trompete und Gesang. Allein das ist ein Geschenk.Ach ja, und Weller kann Blues-Rock spielen, ohne, dass man sich dabei fremdschämen möchte. Der Mann wechselt die Stimmungen nonchalant, er singt jeden Song noch irgendwie ins Hier und Jetzt, die Zeile aus seinem 1995er Solo-Highlight STANLEY ROAD im Programm: „I‘m the changingman, waiting for the bang“. Zwischen den Stühlen und den Zeiten hat er seinem Soulrockjazzblues-Kaleidoskop auf Soloalbum Numero 13 wieder einige funkelnde Glassteine hinzugefügt. Well done, Paul!(musikexpress)




Paul Weller in Deutschland:
30.05.2017 Hamburg, Markthalle
31.05.2017 Berlin, Huxleys
02.06.2017 Darmstadt, Centralstation
03.06.2017 Köln, Kantine
04.06.2017 Bielefeld, Ringlokschuppen
03.09.2017 Saarbrücken, Garage
04.09.2017 München, Technikum
05.09.2017 Leipzig, Täubchenthal

Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Der Gesang erinnert mich immer öfter an Bowie. 7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Überraschend, wie wenig mir hier gefällt... 6,5 Punkte

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