Sonntag, 6. November 2016

The Veils - Total Depravity






















Nicola Samori ist ein 39-jähriger, italienischer, zeitgenössischer Künstler, der in seiner Malerei klassische Themen, wie etwa Heiligendarstellungen, aufgreift und diese durch Transformation oder Dekonstruktion in die Gegenwart überführt. Das Artwork von „Total Depravity“ stammt von ihm.

David Lynch ist ein 70-jähriger, US-amerikanischer, zeitgenössischer Regisseur, der ebenfalls durch albtraumhafte, surrealistische Bilder in Filmen wie „Wild At Heart“ oder „Lost Highway“ stilprägende Berühmtheit erlangte. Im Sommer verkündete er, dass Finn Andrews in der Fortsetzung von „Twin Peaks“ auftauchen werde. Der düstere und unheilvolle Klang seiner Musik würde gut ins Lynch-Universum passen, dachte sich wohl auch der Regisseur und stellte Andrews sein Studio zur Verfügung.

Finn Andrews ist ein 33-jähriger, englischer, zeitgenössischer Musiker, der mit seiner Band The Veils bereits fünf Alben im Geiste von Nick Cave und David Bowie veröffentlicht hat. Dass sich seine letzte Veröffentlichung schon mehr als zwei Monate in meinem Besitz befindet und hier noch nicht vorgestellt wurde, lässt nicht viel Gutes erahnen. Tatsächlich fallen die Plattenkritik eher mittelprächtig aus: Metacritic kommt nur auf durchschnittliche 69/100 Punkten und reiht „Total Depravity“ damit nur an vierter Stelle im The Veils-Katalog ein.


Erweist sich "Swimming with the crocodiles" dank behutsamer Rhythmusmaschine und filigraner Blues-Gitarre noch als relativ gefahrlose Angelegenheit, kennt "Here come the dead" keinerlei Gnade: Flirrende Keyboards verpuffen geräuschvoll, die Dunkelheit schluckt sämtlichen Hall auf dem Gesang, durch alle Mischpult-Instanzen gedrehter Fuzz beißt herz- und schmerzhaft zu. Und die Band bricht kurz entkräftet zusammen.
Nach diesem Brocken kommt es nicht ungelegen, dass The Veils in der zweiten Hälfte ein wenig den Dampf aus der Veranstaltung nehmen – ohne dabei an Intensität einzubüßen. Weder beim Tränenzieher "Iodine & iron" noch im wunderbar croonigen "House of spirits", wo Andrews zu glühenden Synthie-Streichern wie ein latent umnachteter Conferencier durch verwunschene Räume führt.
(plattentests)


Der Inhalt klingt wie immer lebensmüde. Die Songzeile „Demon, demon, honey, honey“ aus „A Bit On The Side“ ist beispielsweise kein ABBA-Verschnitt, sondern ein melancholisch aufkochendes Indie-Stück, das zwischen dem Refrain ruhig vor sich hin brodelt.
In „Here Come The Dead“ wird der Todeswunsch mit einem betörenden Bass und schrillen, elektrischen Gitarren bekräftigt. Generell sind die Songs auf TOTAL DEPRAVITY elektronischer als auf den vorherigen Platten.
(musikexpress)




Durch die erstmalige Verwendung von Loops und Samples hat er das Spielfeld noch etwas vergrößert, langweilig wird es trotz der melancholischen Grundstimmung ohnehin nicht. Das liegt am gesunden Songwriting, das sich nicht nur auf eine simple Klangästhetik beschränkt, sondern clevere Hooklines, packende Melodien und eine Vielfalt an Klangfarben bereithält. Die Kreativität changiert gekonnt zwischen surfigen Barsounds (»Low Lays The Devil«), leicht hoffnungsvollem Tränenpop (»House Of Spirits«) und elektrifizierten Stimmungstötern (»Here Come The Dead«). Durchaus keine Selbstmitleidsplatte für düstere Seelen, sondern ein komplexes, trauriges Statement mit vielen wundervollen Momenten und soviel Pop, wie schlechte Laune eben vertragen kann.
(intro)


The Veils in Deutschland:

23.11.16 Berlin, Bi Nuu


2 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

7,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Von mir gibt es 80/100. 8 Punkte