Dienstag, 18. Oktober 2016

Conor Oberst - Ruminations























Eine Mann, seine Gitarre und Mundharmonika, aber kein Nobelpreis. Die Olympische Spiele sind, unabhängig von Conor Obersts sportlichen Ambitionen, auch bereits vorbei. Was kann der Bright Eyes-Mastermind dieses Jahr also noch gewinnen? 
Er könnte natürlich noch den Titel "Album des Jahres" hier bei Platten vor Gericht einheimsen.

Wir gut, dass Conor Oberst mit "Ruminations" ein neues Album veröffentlicht hat! Nun muss es sich nur noch gegen aktuell 258 Konkurrenten (am Jahresende werden es wohl noch rund 50 mehr sein) durchsetzen.

Conor Oberst schrieb die Songs im Winter 2015, als der die aktuelle Tournee seiner zweiten Band, Desaparecidos, wegen "Laryngitis, Angst und Erschöpfung" abbrechen musste. Er zog sich nach Omaha zurück, komponierte und nahm schließlich im Alleingang innerhalb von 48 Stunden sein (je nach Zählweise) fünftes Soloalbum auf. Das Plattencover soll den schlichten Aufnahmeprozess und die spärliche Instrumentierung (zu Conor Gesang gesellen sich nicht viel mehr als akustische Gitarre, Mundharmonika, Piano und Harmonica) widerspiegeln. 

Schauen wir einmal bei den professionellen Plattenkritikern nach, wie die Chancen für "Ruminations" stehen: Metacritic steht aktuell bei durchschnittlichen 73/100 Punkten bei 17 berücksichtigten Reviews.  Auch der musikexpress zeigt sich nicht besonders beeindruckt:

Nur Piano oder Akustikgitarre sind zu hören, dazu eine gelegentlich eingestreute Mundharmonika. So eintönig die Musik sein mag, umso expliziter sind die Lyrics geraten: Darin singt Oberst von Konflikten „I don’t wanna eat or go to bed/ Try to recall what the therapist said“ („Gossamer Thin“). Oder auch davon, was er sich für einen Tag im lauschigen Nebraska vornimmt: „I just wanna get drunk before noon“ („Barbary Coast (Later)“). Oberst wird sein neues Werk vermutlich nicht ohne Grund Ruminations (deutsch für „Nachsinnen“, „Grübeln“) genannt haben. Es ist ein ehrliches Album, eine Art Offenlegung seiner innersten Gefühle in einer Phase der physischen Schwäche und psychischen Katharsis. Ruminations hat im Übrigen noch eine weitere Bedeutung aus der Zoologie: Dort bedeutet es nämlich „Wiederkäuen“. Eine Doppeldeutigkeit, die es zu beachten gilt, denn: Oberst bedient sich musikalisch deutlich an bekannten Motiven aus der Folk-Historie. Manche mögen so etwas als bloße Ehrerbietung wahrnehmen, andere vielleicht sogar als abgedroschen. Dieses Album dürfte deswegen primär für langjährige Fans des ewigen Folk-Wunderkinds interessant sein. Neulinge können Ruminations denn auch guten Gewissens ignorieren.





Conor Oberst wird, sollten nicht "Laryngitis, Angst und Erschöpfung" dazwischen kommen, zu Beginn des nächsten Jahres einige Solo-Konzerte in Deutschland spielen:

17.01.17 München, Postpalast
18.01.17 Stuttgart, Theaterhaus
21.01.17 Köln, Gloria
26.01.17 Berlin, Apostel Paulus Kirche