Mittwoch, 31. August 2016

Pascal Pinon - Sundur























Die Island-Begeisterung der Menschen hinter Morr Music geht so weit, dass sie nicht zahlreiche dort ansässige Künstler unter Vertrag haben (Múm, Sin Fang, FM Belfast, Sóley, Benni Hemm Hemm), sondern auch Trikotsponsor des Fußballvereins KF MJöóm sind. 

Auch Ásthildur und Jófríður Ákadóttir zählen zu den Morr Music Künstlern und "Sundur" stellt bereits die dritte Platte der isländischen Zwillinge dar. Jedoch muss hier von einer kleinen Zäsur gesprochen werden, fast so als hätte Pasqual Piñón, der Namensgeber des Duos, der als "The Two-Headed Mexican" Zirkus-Berühmtheit erlangte, sich im 19. Jahrhundert einem operativen Eingriff unterzogen. Denn Ásthildur und Jófríður schlugen, geographisch gesehen, unterschiedliche Wege ein: Während Ásthildur ein Studium in Amsterdam begann (Klavier- und Komposition), zog Jófríður mit ihrer anderen Band, Samaris, um die Welt. Konsequent also, dass der Nachfolger von "Twosomeness" nun "Sundur", also "getrennt" heißt.

Die elf, teils auf Englisch, teils auf Isländisch gesungenen "Sundur"-Titel sind noch minimalistischer, rauer, reduzierter und zerbrechlicher geraten, als man es bisher von Pascal Pinon gewohnt war. Mehrmaliges Hinhören lohnt sich! Da die tatsächlichen Aufnahmen innerhalb von zwei Tagen stattfinden mussten, verzichteten die Schwestern auf einen Produzenten, suchten jedoch Unterstützung bei ihrem Vater, dem Komponisten Áki Ásgeirsson. Dieser steuerte nicht nur tontechnisches Fachwissen bei, sondern sorgte auch für perkussive Elemente auf Altmetallstücken. Diese sind jedoch so dezent, dass sogar ich sie, im Gegenzug für ein Trikot des KF MJöóm, hätte beisteuern können.


Das hier ist alles roh und spontan aufgenommen, mit der Energie von Künstlerinnen, die sich gerade wieder finden müssen. Das tut »Sundur« wirklich gut: Die LP klingt in weiten Teilen wie nackte Versionen früher Joanna-Newsom-Stücke. Ziemlich großartig also!
(intro)




(...) Mehr Kraft legt das Schwesternduo in "Orange", welches das Piano wiederaufnimmt und dabei auf sämtliche sonstige Instrumentierung verzichtet. Einzig ein dünnes Rauschen im Hintergrund lässt sich nicht bezwingen. Der Gesang ist herzzerreißend. Ähnlich in "Babies", welches mit Synthies und lautem Akkordeon aufwartet. Akkordeon? Keine Sorge, Schunkelmusik ist auch das keineswegs. Stattdessen stürmen arhythmische Drums und eine verbogene Zweitstimme das Geschehen. Ein musikalischer Tumult entsteht, der freilich trotzdem nie die Grenzen sprengt. Übertroffen wird jener nur vom isländischen "Ást": Abermals steht ein Pianothema im Vordergrund, ganz sanft schreitet der Song voran, aber Turbulenzen drohen. Tempiwechsel und wilde Percussion lassen das Stück aber auch nicht zerschellen, sodass es einen leisen Ausklang findet.
(Plattentests)


Pascal Pinon in Deutschland:

09.11.16 Hamburg, Häkken
11.11.16 Berlin, Monarch
12.11.16 Hannover,  Feinkost Lampe
13.11.16 Tecklenburg, Landpartie
14.11.16 Leipzig, UT Connewitz