Donnerstag, 11. August 2016

Adam Green - Aladdin























Auf dem A Summer's Tale Festival, bei dem wir gerade verweilen, wird auch Adam Green auftreten. Aber irgendwie haben die Veranstalter hier eine Chance verpasst, denn zu ihrem Konzept gehört eigentlich, dass neben Konzerten auch Lesungen stattfinden, Workshops angeboten, Filme gezeigt werden usw. 
Nun hat Adam Green vor einigen Wochen nicht nur ein Album namens "Aladdin" veröffentlicht, sondern auch einen über Kickstarter finanzierten, dazugehörigen Film. Hätte sich doch angeboten, diesen mit ins Programm aufzunehmen, oder? 

Hier gibt es einem Trailer zum Pappmaché-Kulissen-Film mit Macaulay Culkin, Devendra Banhart u.a. zu sehen:




Das Album besteht aus 13 kurzen Songs (keiner überspringt die 3-Minuten-Marke) in typischer Adam Green-Marnier. Man darf also einigen tollen Songs lauschen ("Fix My Blues", "Me From Far Away", "Never Lift A Finger"), muss aber auch Albernheiten wie den "Bithday Mambo" oder das instrumentale "Chinese Dance Theme" überstehen. Zwischendurch gibt es noch sechs kurze Text-Fragmente aus dem Film zu hören, so dass "Aladdin" auf 19 Titel in etwas weniger als 30 Minuten kommt. 




Während der Film offenbar ein Herzensprojekt gewesen ist, wirkt das dazugehörige Album wie eine Pflichtübung. Adam by Numbers gewissermaßen. Der sympathische Kauz kann natürlich nicht viel falsch machen, doch ein wenig ernüchtert ist man mittlerweile schon, wenn man das grandiose Frühwerk mit diesem lauwarmen Aufguss von typischen Green-Manierismen vergleicht. Mitte der 2000er erschuf der talentierte Musiker Songzyklen voller Detaildichte und Schönheit, die sich durch ihre musikalischen Ideen und unvorhersehbaren Streiche gleichsam in Herz und Hirn festsetzten. Ein Song von Adam Green dreht sich im Jahre 2016 deutlich langsamer, auf furiose Tempowechsel oder streichergetränktes Croonen verzichtet er. 

Die Stücke sind vergleichsweise trocken arrangiert und flirten wie in »Nature Of The Clown« hie und da mit Ahnungen von Motown-Soul. Die alte Genialität kann er aber momentan nicht mehr kanalisieren. Postpubertären Quatsch wie »Do Some Blow« braucht es wirklich nicht mehr. Trotzdem: »Me From Far Away« hat das Zeug zum Instant-Klassiker, und »Phoning In The Blues« weckt sympathische Erinnerungen an die Songs seines 2005er-Meisterwerks »Gemstones«.
(intro)




Jetzt geht der große Junge, der sich für ein paar Spielzeiten als hübsch verpeiltes Hätschelkind des Unterhaltungsbetriebs empfahl, in die Vollen: So viele Lieder, so viele Gedankenspiele und musikalische Verspult- und Verspieltheiten auf dem engen Raum eines Albums, das hätte auch schiefgehen können. Tut es aber nicht. Green zaubert wunderbar verträumte Melodien aus dem Hut (besonders stark: „Fix My Blues“, „Never Lift A Finger“), ganz bei sich und seinen Roots und ohne dabei entfernt an den Dreampop dieser Tage zu erinnern.

Er hat eine ausgesucht transparente Produktion auf seiner Seite, die für klare Verhältnisse sorgt: Bariton, Bass, Beats, der Rest ist Schmuckwerk. Dazu kommt dieser Adam-Green-Witz, der uns schon aus Titeln wie „I Only Take Cocaine“ anspringt und sich musikalisch in einem Einminüter wie „Birthday Mambo“ fortsetzt – der Sänger trödelt mit verschnupfter Stimme durch den Song, als hätte er gerade einen Gesangswettstreit mit Ringo Starr ausgerufen. Drei Stücke weiter meldet er sich in einer beatlesken Holperbal lade auffordernd zu Wort: „Do Some Blow (With Me)“. Zwischen diese Mini preziosen lässt Adam Green kleine Vokal sequenzen fallen, Hörbuchschnipsel, in denen Grundsätzliches geklärt wird: „Are aliens natural? Sure, all technology is natural.“
(musikexpress)