Mittwoch, 22. Juni 2016

Sam Beam & Jesca Hoop - Love letter for fire























Singer/Songwriter bzw. deren Musik kann mich langweilen. Ein gutes Beispiel dafür ist Sam Beam aka Iron & Wine. Stellenweise hochgelobt, habe ich mehrfach versucht, mir seine Musik schönzuhören. Es gelang mir bislang nicht.

Daher begegnete ich seinem Duett-Album mit Jesca Hoop skeptisch. Ihr Name sagte mir nichts, aber da auch sie als "Singer/Songwriter" bezeichnet wird, erwartete ich bestenfalls Langweile². In einem schwachen Moment ließ ich "Love letter for fire" dann doch anlaufen und auf Anhieb packte mit der Song "Midas tongue". Bei den weiteren Durchhängen notierte ich dann auch noch "The lamb you lost", "Chalk it up to Chi" und mit Einschränkungen "Every songbird says" auf der Haben-Seite.

Meine Einschätzung zu Sam Beam habe ich kundgetan, daher schreibe ich die belebenden Einflüsse auf "Love letter for fire" Jesca Hoop zu. Ihr Lebenslauf bestätigt mich in dieser Annahme. 1975 in Kalifornien als Tochter zweier Mormonen geboren, waren gemeinsame Gesänge angeblich ein wesentlicher Bestandteil des Familienlebens. Mit diesem Familienleben war mit der Scheidung der Eltern dann Schluss. Zwei Jahre später, mit 16, wandte sie sich vom Mormonentum ab. Eine Weile lebte sie unter einfachsten Verhältnissen in der Wildnis. Damit qualifizierte sie sich für ihre anschließende Beschäftigung als Überlebenstrainer für schwer erziehbare Kinder. Irgendwie wurde sie danach in Los Angeles das Kindermädchen von Tom Waits' Kindern. Er und seine Frau Kathleen Brennan förderten Hoops musikalische Weiterentwicklung und sie gaben die nötigen Anstöße für ihren Einstieg in die Musikbranche. Dort brachte sie es bislang auf vier Alben, zwei EPs und zur Zusammenarbeit mit Künstlern wie Peter Gabriel (als Backgroundsängerin), Guy Garvey und Shearwater. Elbows Tourmanager lockte Hoop zwischenzeitlich nach Manchester, wildniserprobt brachte sie auch dort ein Album zu Stande. Ich denke dieser bunte Lebenslauf unterstützt die Vermutung, dass sie auf "Love letter for fire" als Inspiration und zumindest auf mentaler Ebene als Jungbrunnen für den etwas jüngeren aber trotzdem schon verstaubt klingenden Beam wirkte. 

"Love letter for fire" geht stellenweise als Indiefolk- und Indiepop-Werk durch. Das ist mehr, als ich von zwei Singer/Songwritern erwartet hatte. Offensichtlich stimmt die Chemie zwischen den beiden und vermutlich leistete auch der Produzent Tucker Martine (u. a. auch The Decemberists, My Morning Jacket und Modest Mouses "Strangers to ourselves") seinen Beitrag. 

Das Video zu "Valley clouds":


"Midas tongue":


Auch beim Tiny desk concert kann ich mich mehr für Hoop begeistern:



Popmatters bestätigt meine Vermutung, würdigt aber auch Beams Beitrag:
By playing on the strengths of both artists while minimizing any deficiencies each may have, Sam Beam and Jesca Hoop have mastered the collaborative album. Where Iron & Wine can sound a bit too sleepy, Hoop plays up her vocals or instrumentation to keep the music lively; if she begins to make her performance a bit too grandiose, Beam is there to keep her feet on level ground.

3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Mit 6,5 Punkten überrasche ich mich selbst.

Dirk hat gesagt…

Record for fire. Na gut, so schlecht ist es auch nicht...

5,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6 Punkte