Montag, 23. Mai 2016

Bergen - Zeiten für Kerle





















Jetzt fällt mir zur gestrigen Neuvorstellung von "My Life According To Bob Dylan" doch noch etwas ein, was Ekki Maas getan hat, während Markus Berges seinen zweiten Roman „Die Köchin von Bob Dylan“ schrieb: Er produzierte "Zeiten für Kerle" der Dresdener Band Bergen.

Das Minialbum, 6 Titel in 21 Minuten, erschien bereits vor fast 3 Monaten, aber irgendwie bin ich bisher nie zu dessen Vorstellung gekommen. Aber, wenn K&F Records Bergen selbst als "die wohl faulste Band in unserem Label-Stall" vorstellt, dann darf man sich doch wohl selbst ein wenig Zeit lassen, oder? 

Vor über drei Jahren war mit "Bärenmann" das letzte Album der vielköpfigen Gruppe - bei Facebook werden aktuell zehn Bandmitglieder gelistet, aktuelle Bandfotos zieren deren sieben - erschienen, und mit dem gleichnamigen Song, stellte diese auch eine Verbindung zum Vorgänger her. Der Folkpop lässt nicht nur an Erdmöbel ("Bärenmann") denken, sondern weckt auch, wenn die Trompete durch den Song geistert, Erinnerungen an Element Of Crime ("Zeiten für Kerle") oder Jochen Distelmeyers Blumfeld in deren Schlagerphase.

Wenn Bergen für ein Minialbum 3 Jahre benötigen, dann steht zu befürchten, dass das nächste Album erst 2022 erscheinen wird. 


Bergen aus Dresden machen Folk-Pop, und das ist eigentlich nicht so meine Baustelle. Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail. Positiv gemeint. Denn erstens wird hier nicht öde geschrammelt, sondern kunstvoll, zärtlich und mit viel Understatement Musik gemacht, und zweitens erzählen Bergen auf »Zeiten für Kerle« (K&F) mit einer ruhigen, fast unbeteiligt wirkenden Erzählstimme erschreckend reale Geschichten aus der Mitte der Gesellschaft und über das gar nicht mal so eigene Leben. »Wir hatten schön gebaut, mit dicken Säulen für den Halt und das Vertrauen. Mit bunten Streben hoch zu Eigentum und Kind, und jetzt guck doch bloß, wo wir schon wieder sind«, singt die Band und ist damit näher am Leben der meisten Menschen dran, als einem lieb sein möchte. Und die Pegida-Introspektive »Die lebenden Toten« hat mich dann komplett kalt erwischt. Näher am schrecklich normalen Leben ist zurzeit sicher keine andere deutsche Band.
(intro)




Sie bleiben so sehr Pop wie sie mögen, haben keine Angst vor Schlager und Chanson und lassen sogar ein wenig Lagerfeuer-Gefühl zu. Auch wenn der „Bärenmann“ in Zukunft von ganz weit oben zuschaut, bergen haben ihn und seine positive Seltsamkeit tief in ihr Herz geschlossen. Und lassen uns hoffentlich noch lange daran teilhaben. 
(Der Bänkelsänger)




Angefangen beim düsteren Prolog „Alles entgleist“, der gekonnt auf die übrigen Songs einstimmt. Etwa auf das fragile Konstrukt aus gemeinsamem Heim, Beziehung und Kleinfamilie, das im beschwingten „Klötze“ beschrieben wird, während sich der Titeltrack mit lebhaftem Country-Twang der Langweiligkeit des eigenen Daseins annimmt und der Bärenmann der Vorgänger-Langrille mit dem getragenen „Bärenmann 3“ eine kurze Wiederauferstehung feiert – bezeichnenderweise in Form seiner Beerdigung. Mit sanftem Groove erinnern BERGEN an „Die laufenden Toten“ und meinen damit die unsäglichen montäglichen Pegida-Demonstrationen, die im Oktober 2014 in Dresden ihren Anfang nahmen. Bleibt noch „Frau vom Fischer“, das an die alte Fabel vom „Fischer und seiner Frau“ erinnert und vom leicht beschwipsten Dresdner Gnadenchor lautstark abgerundet wird.
(Terrorverlag)

1 Kommentare:

Gudrun hat gesagt…

Ich bin ja soooo wählerisch mit deutschen Texten. Sie müssen arg um mein Herz buhlen. Aber ich bin fast immer verliebt in Musik aus dem Stamm-Umfeld der Kumpels und Friends. Da Gardad es für mich und da Lurched es gently zwischen dem gehörten, und flups ist meine Herz am springen. Deshalb eigentlich nur eine Kritik an der Platte: zu kurz und klare 8 Punkte.