Samstag, 30. April 2016

Yeasayer - Amen & Goodbye
























Bereits im Sommer 2013 berichteten Chris Keating, Ira Wolf Tuton und Anand Wilder, dass sie am Nachfolger von "Fragrant World" (2012) arbeiten würden, jedoch sollte es noch bis zum 01. April 2016 dauern, bis "Amen & Goodbye" in den Plattenläden stehen sollte. Ob man dies nun Schaffens- oder Identitätskrise nennen möchte ist eigentlich gleich, aber Yeasayer versuchten über alternative Aufnahmetechniken und -orte einen Weg hinaus zu finden. So geriet "Amen & Goodbye" als bewusste Abkehr vom digitalen Ansatz des Vorgängers und technische Schwierigkeiten auf einem ländlichen Bauernhof, sorgten dafür, dass man sich erstmals in der Bandgeschichte die Unterstützung eines Produzenten einholte. Joey Waronker (Schlagzeug bei Atoms For Peace oder auch Beck) sollte die durch ein Unwetter annähernd vernichteten Tape-Aufnahmen retten und wieder neu zusammenfügen. Durch seine Unterstützung und neue Herangehensweise an Drums und Percussion erhielten Yeasayer neue Impuls, die durch das Hinzuziehen weiterer Gastmusiker, etwa den brasilianischen Perkussionist Mauro Refosco oder Suzzy Roche (The Roches), die auf drei Stücken sang, noch verstärkt wurden. 

Das vom in New York lebenden kanadischen Bildhauer David Altmejd geschaffene Plattenhülle, welches die Band gerne mit "Sgt Pepper trifft Hieronymous Bosch trifft Salvadore Dali trifft PeeWee's Playhouse" umschreibt und in der limitierten Vinyl Auflage besonders gut zur Geltung kommt, wird von den Kritikern wesentlich besser beurteilt als deren Inhalt. Bei Metacritic steht "Amen & Goodbye" aktuell bei 70/100 Punkten und hinkt dabei den drei Vorgängern hinterher. Auch in den Hitparaden konnte sich das vierte Album von Yeasayer nicht so gut platzieren wie zuvor "Odd Blood" (2010) und "Fragrant World": Nachdem zuvor noch die Plätze 63 bzw. 44 der US-Charts erreicht wurden, verpasste das neue Album die US-Hitlisten.  


Vor allem das Zusammenspiel aus Religion, Natur und Technologie hat es dem Quartett aus Brooklyn auf »Amen & Goodbye« angetan, die Auseinandersetzung mit Religiosität ist nicht zu übersehen. Die Songs tragen sakrale Titel wie »Divine Simulacrum«, »Child Prodigy« oder »Prophecy Gun« wie einen dampfenden Weihrauchkessel vor sich her. Eine Blaupause für das gesamte Album ist die großartige Single »I Am Chemistry«, die vordergründig irdische Themen wie die chemische Formel für Sarin-Gas und toxische Naturpflanzen behandelt. Mit dem dazugehörigen Musikvideo über eine verunglückte Marsmission inklusive Aliens wird aus dem Song mit herzzerreißend schönem Gospel-Singsang plötzlich eine Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Wiedergeburt, Transzendenz und dem Leben nach dem Tod.
(intro)




Yeasayer stehen für einen kreativen Pop-Entwurf, der auch beim vierten Album immer noch relativ unverbraucht wirkt. Für jeden Neueinsteiger könnte "Amen & goodbye" folglich eine Offenbarung sein, mit all dem Ideenreichtum, der köstlichen Instrumentierung, den vielen Stimmen, die so schön im Kopf nachhallen und regelrecht becircen. Im Spannungsfeld zwischen den bereits angesprochenen Alt-J, den hyperaktiven Metronomy und den kunstfertigen Animal Collective beanspruchen Yeasayer den Platz an der Sonne für sich: Ihre Kompositionen klingen optimistisch und frohgelaunt, selbst melancholische Themen scheinen sie locker wegzulächeln. Nur selten lassen sie die Rollos runter, in "Divine simulacrum" aber dafür richtig: Der Raum wird verdunkelt, es rattert und rauscht und zerrt ein wenig an den Nerven. Trotz zahlreicher fantastischer Momente wird man letztlich also das Gefühl nicht los, dass Yeasayer auf "Amen & goodbye" ein wenig den Überblick, die Orientierung verloren haben. Das kommt nun mal davon, wenn man seine eigenen Song-Baupläne sabotiert: ein glänzendes Schloss gebaut auf rieselndem Treibsand.
(Plattentests)






Die Songs sind eingängig, haben so eine superfröhliche Attitüde. Auf Amen & Goodbye springt alles quietschfidel hoch und runter wie ein Tischtennisball in vollem Einsatz.

Die Leadsingle „I Am Chemistry“ ist ein Nr.1-Hit in einem von Animal Collective regierten Königreich. Die wichtigste Neuerung war, dass man dieses Mal alles voll retro auf Tape aufgenommen hat. Für weitere Freshness war Joey Waronker, Drummer bei Atoms For Peace und Beck, zuständig. Dem kam die Aufgabe zu, jedes der 13 Stücke zu dekonstruieren. Dank dieses arty Prozesses erreichen Yeasayer erneut olympisches Gold-Niveau. Hinter kirchlich anmutenden Chören und knackigen Saxophon-Elementen darf man aber auch wieder ein Häkchen machen.
(musikexpress)


Yeasayer in Deutschland:

24.06.16: Scheeßel, Hurricane Festival
25.06.16: Neuhausen, Southside Festival

1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Wir werden wohl keine guten Freunde mehr, Yeasayer und ich.

5,5 Punkte