Sonntag, 17. April 2016

Radical Face - The Family Tree: The Leaves
























"Ja gut, ich sach' ma', das war heute nicht unser bester Tag und der Schiedsrichter hat uns verpfiffen und das Gras war zu lang..." 

Ähnlich wie ein Fußballer nach einer Niederlage, steht man am Ende des Record Store Days häufiger als Verlierer da und versucht irgendwie den leeren Einkaufskorb zu erklären. Besonders ärgerlich ist dies dann, wenn neben dem eigenen Verschulden (zu spät aufgestanden) und den äußeren Umständen (der nächste Plattenladen ist 100 km entfernt) noch die Record Touts hinzu kommen, die die Idee des Record Store Days pervertieren und sich über Ebay selbst eine goldene Nase verdienen wollen. 

So führte unsere gestrige Wunschliste "10 Schallplatten, die wir nach dem heutigen Record Store Day gerne auf unseren Plattentellern hätten" die "The Family Tree" Box an, eine schicke Zusammenstellung der thematisch zusammenhängenden vier Alben von Radical Face. Im Plattenladen war sie leider nicht zu entdecken, bei Ebay sehr wohl. Aktuell gibt es 11 Angebote, deren Sofort-Kauf-Optionen zwischen 177,02 und 299,- € liegen. Den Originalpreis nenne ich jetzt lieber nicht.

Kommen wir lieber zu etwas Erfreulicherem: Ben Cooper hat, im Gegensatz zu Sufjan Stevens und seinem Bundesstatten-Projekt, seine Familien-Saga beendet und mit "The Leaves" den beiden Vorgängern "The Roots" und "The Branches" einen würdigen Abschluss verpasst. Bei nur drei anvisierten Teilen ist dies natürlich auch leichter als bei 50 Bundesstaaten, so dass Cooper mit "The Bastards" zwischendurch sogar noch seine Überbleibsel veröffentlichen konnte. Dazu Cooper: 
„Das erste Album, The Roots, beginnt am minimalistischsten. Die Texte waren verbales Geschichtenerzählen, es konzentriert sich auf kleine Sounds: eine Floor Tom, eine akustische Gitarre und ein Klavier. Die Alben wurden sukzessive umfassender und breiteten sich weiter aus. Das zweite, The Branches, beschäftigt sich mit geschriebenen Briefen, und das dritte, The Leaves, ist cineastischer, es ist eine Ära von Film und Fotographie.“ 

Wer das Boxset am Record Store Day verpasst hat, der kann sich zumindest mit der regulären Vinyl-Version von "The Leaves" vertrösten. Dank Christoph vom Konzerttagebuch steht zumindest "Origami", die schöne 5 LP Box von Lush, als RSD-Sammlerstück in meinem Plattenschrank.  





Teil 3 bedeutet nun nicht nur das Ende der Trilogie, sondern auch, dass die Familie mittlerweile in der Neuzeit angekommen ist. Das heißt auch, dass Ben Cooper selbst einen viel größeren Bezug zur Zeit und ihren Ereignissen hat, weshalb sich auf „The Leaves“ auch Inspiration mit seiner eigenen Biographie vermischt. Es geht um Homophobie, häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch und die Folgen von religiösem Fanatismus. Dadurch ist das gesamte Album aber natürlich nicht vollständig in Melancholie und Traurigkeit getaucht. Denn neben aktuellen Bezügen bedient sich der US-Amerikaner auch aktueller Instrumente und hüllt „The Leaves“ in eine Mischung aus symphonischem Indie-Pop, Folk, Shoegaze und Electronica. Das klingt beim Opener ein wenig nach Sufjan Stevens, in der Folge aber vor allem nach dem typischen Radical Face Sound, der bei aller Traurigkeit dank der häufig luftigen Instrumentierung viel Licht und Hoffnung in sich trägt.

So ergeben sich auf „The Leaves“ auch euphorische Momente, wie „The Ship in the Port“, bei dem sich die Band am Ende fröhlich austobt. Den größten Moment hebt sich Ben Cooper natürlich für das Ende auf. „Bad Blood“ ist ein ausuferndes Stück mit dick aufgetragenem Pathos, das für einen tosenden Abschluss des Albums sorgt, nach dem wir gespannt auf die nächsten Projekte von Radical Face sein dürfen.
(White Tapes)


As often seems to be the case with family sagas, it’s not a barrel of laughs. ‘Third Family Portrait’ inherits the character of its predecessors (there’s a Family Portrait on each album in the trilogy): “And I remember asking / If the place we’re moving / Would have more food / And my mother grew as distant as can be”. Things haven’t got noticeably brighter since a mother’s death in childbirth and a father’s suicide two albums ago.

The Leaves is most enjoyable where Cooper’s music breaks free from the monotony of the family’s woes. About three minutes into the nagging, shuffling ‘Road to Nowhere’, the arpeggios disappear to be replaced by discordant stabs on an electric guitar, which in turn are drowned out by a glorious wash of strings. It’s an enjoyable surprise on an album that would be even better for more such surprises.

And the fate of the family? Well, we’re left with an ambient sense of this rather than a tidily resolved tale. Song explanations and audio commentary are available online for those who wish to piece together something more coherent. Or instead just enjoy the familial intrigue and the many competing ideas, which on their own should be enough to keep you happy.
(for folk's sake)


1 Kommentare:

Jörg hat gesagt…

Schöne Vollendung der Triologie. Steht seinen Vorgänger in Nichts nach. Guter Soundtrack für den verschnupften Sonntag. 7,5 Punkte