Freitag, 15. April 2016

Drangsal - Harieschaim























Es ist Freitag, 19:30 Uhr, der Südwestfunk ist eingeschaltet und vor der Studiokulisse, die einer Autowerkstatt nachempfundenen ist, steht ein 22-Jähriger trägt seinen Song "Love Me Or Leave Me Alone" vor. Ingolf Lück führt, bevor er das Video des ersten Neueinsteigern der deutschen Top 75 präsentiert, ein kurzes Interview mit dem jungen Mann, der sich Drangsal nennt, aber eigentlich Max Gruber heißt. Wir erfahren, dass sein Debütalbum bereits erschienen ist und nach dem früheren Namen seines Heimatortes Herxheim benannt ist. 
Die Sendung wird wegen dieses Liedes in der kommenden Wiederholung im WDR noch einmal angesehen, obwohl das Bild aufgrund des schlechten Empfangs über die Antenne so verrauscht ist.

Es ist Samstag, in der örtlichen Diskothek wird die Tanzfläche in Nebel gehüllt, getanzt wird zu "Allan Align". Der DJ behebt auf Nachfrage die Unwissenheit und erklärt, dass dies die erste Single von Drangsal ist. - Das war doch dieser Typ aus "Formel Eins"!

Montag Mittag wird nach der Schule im einzigen Schallplattenladen der Kleinstadt nach "Harieschaim" gesucht und glücklicherweise gefunden. "Die ist gut", sagt der Verkäufer, "nimm doch noch "Wishful Thinking", das Remix-Album von Propaganda dazu." Dazu reicht leider das Taschengeld nicht.   

Den Rest des Tages laufen die 10 Lieder von Drangsal. Nach nur 15 Minuten muss man die Platte bereits umdrehen. Überraschenderweise singt Gruber gelegentlich deutsch. "Will ich nur dich" erinnert an die Musik aus der Film "Breaking Glass", der letzte Woche im Fernsehen lief. Vielleicht gibt es die New Wave-Musik von dieser Hazel O'Connor ja auch im Schallplattengeschäft. "Schutter" ist sehr gitarrig, ein Freund bezeichnet das als Post-Punk und empfiehlt eine Band namens Joy Division - noch nie von denen gehört... 

Am Abend wird noch ein Mixtape für ein Mädchen aufgenommen. Es fehlt noch ein Verbindungslied zwischen "Sounds Like A Melody" von Alphaville und "Hand=Take" von Les Immer Essen, Drangsal bietet sich an. Die Wahl wird wohl auf den Synth-Pop von "Do The Dominance" fallen, das dürfte sie am wenigsten verschrecken, den meistens hört sie Madonna.  







"Harieschaim" steht ab dem 22. April im Plattenladen. 2016, nicht 1985.



6 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Hand=Take, aber ansonsten eine tolle Rezension. Les Immer Essen wird morgen gleich mal wieder aufgelegt.

Olly Golightly hat gesagt…

Die Record Store Day 7" gibt's jetzt zum freien Download. Aus Gründen.

https://www.facebook.com/frucadeodereierlikoer/posts/1241086732585936

Ingo hat gesagt…

Schöne Vorstellung. Schöne Platte. 8 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Die Platte bekommt einen Punkt weniger als die Vorstellung. Also 9 Punkte.

Volker hat gesagt…

Was habe ich mir Großes erwartet, all diese 80er Vergleiche im Vorfeld. Leider höre ich keine Les Immer Essen Duran Duran oder Camoufalge. Eher Camouflage ohne gute Songs, also eher so Boytronic.

5,5

Dirk hat gesagt…

Einerseits ist es ein gutes Zeichen, wenn man 31 Minuten als zu kurz empfindet, andererseits fehlt auch irgendwie etwas. Auch zu einer höheren Wertung: 7 Punkte