Donnerstag, 10. März 2016

Nada Surf - You Know Who You Are
























Nada Surf werde ich im August bei der zweiten Auflage des A Summer's Tale Festivals, neben Sigur Rós, Noel Gallagher, Garbage, Billy Bragg, Thees Uhlmann, The Slow Show und vielen anderen, sehen und mich auf deren "Blonde On Blonde", "Inside Of Love", "Whose Authority", "Always Love" oder "Blankest Year" freuen. 

Aber Matthew Caws (Gesang, Gitarre), Daniel Lorca (Bass), Doug Gillard (Gitarre) und Ira Elliot (Schlagzeug) werden sicherlich nicht nur ihre älteren Gassenhauer zum Besten geben, sondern auch einige ihrer neuen Songs präsentieren. Diese sind letzte Woche in Form des siebten Album von Nada Surf erschienen und werden sich nahtlos in das Set integrieren. Soll heißen: Experimente oder Weiterentwicklung? Fehlanzeige.  

"You Know Who You Are" zeigt Nada Surfs krachige Indierock-Seite ("New Bird", "You Know Who You Are") genau so wie deren balladeskes Gitarrenpop-Gesicht ("Friend Hospital"), wandelt auf den Pfaden von Bob Dylan und The Byrds ("Animal"), zieht Westcoast-Pop-Referenzen und überrascht dann doch kurzzeitig durch den Einsatz von Bläsern ("Out Of The Dark"), aber letztendlich sind die 10 Songs insgesamt zu vorhersehbar und es konnte sich bisher in meinen Ohren noch kein einziger qualitativ in die oben genannten Lieder einreihen. 
So kann man zwar bei Live-Auftritten zu den neuen Songs dezent mitschunkeln und -wippen, wird aber vermutlich insgeheim auf Titel aus früheren Alben warten.


Der Albumtitel YOU KNOW WHO YOU ARE legt nahe: Nada Surf kennen ihre Zielgruppe. Die Songs von Matthew Caws liegen an der Schnittstelle von Nachdenklichkeit und Bauchgefühl.

Wer ein Kissen besitzt, kann zu „Friend Hospital“ in die Daunen weinen oder zu „New Bird“ eine Kissenschlacht veranstalten. Mit „Out Of The Dark“ huldigt Caws seiner Leidenschaft für Power- und Westcoast-Pop, die Sonneneinstrahlung tut dem Stück gut, die tollen Bläser sorgen für Abwechslung. Denn das ist die Kritik am Spätwerk von Nada Surf: Die Band bleibt sich bis zur Langeweile treu, Wandel findet nur in Nuancen statt. Kissenbesitzer freut’s. Der Rest verliert das Interesse. So erreichte der Vorgänger der aktuellen Platte Platz 190 der UK-Charts.
(musikexpress)




Und so bewegt sich "You know who you are" stets auf gewohntem Terrain, was sicherlich nicht verkehrt ist, aber für eine gewisse Überraschungsarmut sorgt. Der euphorische Opener "Cold to see clear" gibt früh die Richtung vor und entwickelt sich rasch zu einer jener typischen Nada-Surf-Hymnen, ohne je ein wirkliches Risiko einzugehen (...). Andere Stücke wecken hingegen Erinnerungen: Das entspannte "Believe you're mine" führt sanft zurück an den Ort, an dem man 2008 zum ersten Mal "See these bones" gehört hat, und der eingängige Indie-Pop von "Out of the dark" mitsamt Bläser-Arrangements von Calexicos Martin Wenk an all die vielen Perlen von "Let go". Das launische "Gold sounds" scheint derweil ein nicht allzu ferner Verwandter vom Klassiker "Do it again" zu sein.

Dennoch – oder deswegen? – geht Nada Surf in der zweiten Hälfte des Albums stellenweise ein wenig die Puste aus. So wirkt der durchaus hübsch anmutende Twang von "Animal" nach dem animierenden Mitmach-und-Mitklatsch-Pop von "Rushing" leicht deplatziert, während ausgerechnet der Titeltrack trotz seines gelungen Starts hinten etwas flach abfällt. Beim Abschluss mit "Victory's yours" verhält es sich genau andersrum: Das kommt für ein rundum gelungenes Finale fast etwas zu spät aus dem Quark, trumpft in der letzten Minute dann aber doch noch auf. Und dann war es das auch schon mit dem siebten Album von Caws & Co., nach welchem man genau weiß, wer man ist – und auch wo. Zuhause. Wo es gemütlich ist und es riecht wie früher. Wer braucht schon Überraschungen und Veränderungen, wenn das Gewohnte so gut ist?
(Plattentests)




Nada Surf in Deutschland:

03.04.16 Hamburg, Mojo Club
04.04.16 Köln, Live Music Hall
05.04.16 Dortmund, FZW
17.04.16 Stuttgart, LKA Longhorn
18.04.16 Berlin, Huxleys Neue Welt
19.04.16 Nürnberg, Der Hirsch
21.04.16 München, Muffathalle


2 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Solides Nada Surf Album, leider ohne großen Hit.

7 Punkte