Sonntag, 21. Februar 2016

Me And My Drummer - Love Is A Fridge
























Während Charlotte Brandi (Gesang, Keyboards, Gitarre) und ihr Schlagzeuger Matze Pröllochs die ein oder andere Widrigkeit auf dem Weg zur  Entstehung von "Love Is A Fridge" zu überwinden und weit mehr als 3 Jahre Zeit hatten, um sich musikalisch zu verändern und an diese Weiterentwicklung zu gewöhnen, so trifft diese den gewillten Hörer nun recht unerwartet. 

Me And My Drummer setzen sich unter Mithilfe des Produzenten Olaf Opal (The Notwist, Sportfreunde Stiller) bewusst vom Debütalbum "The Hawk, The Beak, The Prey" (2012) ab: Charlotte spielt jetzt Gitarre und hat den Blues ("Blue Spinter View"), dann gibt es kühlen 80er-Pop, der an die Euyrthmics (ca. "It's Alright (Baby's Coming Back)") denken lässt, Ausflüge in Richtung Dancefloor ("Easy On Me"), mit "Prague I & II" ein zweigeteiltes Songexperiment, Tribal Beats hier, Streicher da und immer wieder cheesy Synthie-Sounds. 
Auch optisch zollen Me (neue Haarfarbe) And My Drummer (Oberlippenbart) der Veränderung Tribut. Aber wie bei der neuen Frisur der Freundin braucht es hier (akustisch wie optisch) etwas Gewöhnungszeit. 




Für »Love Is A Fridge« haben Me And My Drummer aber nicht nur beständig weiter-, sondern auch vieles anders gemacht. Der wuchtigen Schwermut von »The Hawk, The Beak, The Prey« haben die beiden Wahl-Berliner weitgehend abgeschworen. »Love Is A Fridge« flittert tanzbar, wagt 80er-Bubblegum-Pop und stellt Keyboard und Drums erfolgreich eine E-Gitarre zur Seite. »Es war unser Wunsch, auf diesem Album etwas mehr Schwung reinzubringen«, erklärt Pröllochs den Stimmungswechsel. So federn nicht nur die Soundgerüste leichtlebiger, auch inhaltlich bewegen sich Me And My Drummer von den schweren und bedrohlichen Themen ihres Debüts weg. Oberflächlich sind sie deshalb keineswegs geworden. Auch auf »Love Is A Fridge« verknoten sich menschliche Beziehungen zu erstickenden Knäuel, verstricken sich Liebende in Widersprüchen und erscheint die emotionale Distanz als gemeinschaftliches Heilsversprechen. Selbst der Tod ist noch da, wenn auch in einer »zuckrigen und recht visuellen Soundsprache«, wie die Songschreiberin es nennt. Damit spielt Brandi auf »Tie Me Bananas« an, den Song, der mit unbeschwertem Karibik-Feeling und Glitzerbeat-Kaskaden den Sterbekampf Christoph Schlingensiefs aufgreift. »Der brauchte einen Song, der ihn getröstet hätte«, sagt sie und schiebt hinterher, wie ihr Schlingensiefs Tagebücher an die Nieren gegangen seien: »Ich dachte, ich halte das nicht aus, wie der Angst vor dem Sterben hatte.« (...)

Auf diese Weise entstanden Songs wie das erhabene »Lancelot« oder das epochale »Prague I&II«, das störrisch am klackernden Schlagzeugbeat festhält, um sich auf den letzten Metern mit Keyboards und Softrock-Touch wie Phoenix aus der Asche zu erheben. Und natürlich die erste Single-Auskopplung »Blue Splinter View«: Hallo Americana, hallo Streicher, hallo Herzklopfen! Vom Stolpern und Aufstehen erzählen die Songs auf »Love Is A Fridge« zwar auch, aber das abgeklärte Schulterzucken, das sich konsequent durch Brandis Gesang zieht, signalisiert die Was-soll’s-Haltung als mehr als passable Überlebensstrategie. Oder wie Matze Pröllochs es in einem frühen Interview noch vor der ersten Single formulierte: »So ist das eben. Dran bleiben, weitermachen und durch alle Höhen und Tiefen kämpfen.« Diese Ausdauer haben Me And My Drummer fürs zweite Album in etwa so bewiesen wie ein olympischer Marathonläufer – bloß, dass »Love Is A Fridge« eine viel schönere Belohnung als jede Goldmedaille ist. 
(intro)




Ihre größten Stärken entfalten Me and my Drummer auf „Love Is A Fridge“ aber, wenn sich der Horizont über der Stadt öffnet, denn bezeichnenderweise sind die besten Stücke des Albums nach anderen Orten benannt. „Pentonville Road“, eine zentrale Straße in der Londoner City stellt die Unruhe der vorangegangen Lieder zurück und stellt zum unerhört eingängigen Refrain ein konzentriertes Melodiefundament, auf dem auch Pröllochs Schlagzeug das erste Mal wieder kräftig und erdend wirkt. Fast drohten schon „She and her Drummachine“. Doch hier fühlt es sich an, als hätte man sich durch die Tristesse der Hauptstraßen an den Richardplatz gekämpft, ein kleiner atmender Fleck Grün. Es schließt sich das Highlight der Platte, „Prague I & II“ an, das im flehenden ersten Teil einen starken Rhythmus und mit Brandis „I wasn’t good enough, you were not good enough for me“ eine Schlüsselzeile des Albums auffährt. Nicht nur brennt sich das ein, sondern hat eben auch jene gefühlvolle Offensive, die dem Duo am besten steht. Im zweiten Teil des Liedes, eingeleitet und vorangetrieben durch Streicher und unwiderstehliche 70s-Popdrums, wähnt man sich nach dem urbanen Tal der Neuköllner Tristesse auf dem Dachgarten des „Klunkerkranich“ – hier hat man die Stadt noch im Blick, aber dieser kann schweifen. Es ist die Weite, der Raum, der den Songs so gut tut, wenn wie auch in „Nuts“ das hibbelige, überreizte Wesen der Strophen sich dem eigentlichen Kern des Refrains ergeben muss. Wenn das Gesäusel in Kopfstimme in „Grown Up Shape“ dem verzerrten „Leave me alone with all my cheap dreams, ‚cause you don’t know me“ weicht und Klartext gesprochen wird. Dann verschmelzen die Blueseinflüsse mit dem gewohnt und geliebten pointierten Songwriting, welches auch das Debütalbum ausmachte. Am besten ist „Love Is A Fridge“ letztlich, wenn es Berlin vergisst.
(Les Flaneurs)




Me And My Drummer auf Tournee:

29.02.2016  Berlin – Columbia Theater
02.03.2016  Bremen – Tower
03.03.2016  Essen – Weststadthalle
07.03.2016  Hamburg – Molotow
08.03.2016  Hamburg – Kampnagel
09.03.2016  Oldenburg – Kulturetage
10.03.2016  Münster – Skaters Palace Café
11.03.2016  Mainz – Schon Schön
12.03.2016  Freiburg – Schmitz Katze
13.03.2016  Zürich – Eldorado
15.03.2016  Dortmund – FZW
16.03.2016  Marburg – KFZ
17.03.2016  Erlangen – E-Werk
18.03.2016  Bratislava – Nu Spirit
19.03.2016  Jena – Kassablanca
01.04.2016  Tallinn – Tallinn Music Week @ Kino Sōprus
16.04.2016  Dresden – Beatpol
17.04.2016  Prag – Lucerna Music Bar
18.04.2016  München – Ampere
20.04.2016  Stuttgart – Wagenhallen
04.05.2016  Bernau – Altes Kaiserliches Postamt
06.05.2016  Berlin – XJazz Festival @ Emmauskirche


2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

OK nach langweiligem Start. "Easy on me" sammelt Punkte. 7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Das kann mich leider nicht wirklich begeistern.

6 Punkte