Mittwoch, 10. Februar 2016

DIIV - Is The Is Are
























Trägt man den Namen Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, so ist es verständlich, dass man sich den "Künstlernamen" Paracelsus gibt. Auch (oder vor allem?) wenn man als Arzt, Alchemist und Mystiker in der Schweiz des 15./16. Jahrhunderts gelebt hat.

Vom berühmtesten Zitat des Paracelsus, das in der Umgangssprache häufig gekürzt als "Die Dosis macht das Gift" genutzt wird, hat Zachery Cole Smith offensichtlch noch nichts gehört, denn er packt "Is The Is Are" gleich mit 17 Songs voll, die stattliche 64 Minuten laufen.

Smith startete 2011 ein Soloprojekt namens Dive, zu dem im Verlauf der Zeit Andrew Bailey (Gitarre), Devin Ruben Perez (Bass), Colin Caulfield (Keyboards, Gitarre) und Ben Newman (Schlagzeug) stießen, so dass man sich, zumindest der Schreibweise nach, einen neuen Namen verpasste. Die Aufnahmen des, nach "Oshin" (2012), zweite Album von DIIV zogen sich aufgrund fehlgeschlagener Aufnahmesessions mit Chet "JR" White (Girls), Drogenproblemen, Gefängnisaufenthalt, Entzug und Streitigkeiten innerhalb der Band in die Länge. 

Letztendlich setzte sich Smith selbst auf den Produzentenstuhl, so dass "Is The Is Are", welches an unterschiedlichen Orten in Brooklyn aufgenommen wurde, endlich fertiggestellt werden konnte, um am 05. Februar als DoLP, CD und Kassette veröffentlicht zu werden.

"Is The Is Are" sieht Smith selbst in der Tradition von "Bad Moon Rising" und "Tago Mago", jedoch werden die Noisepop- und Krautrock-Anleihen deutlich von Shoegaze und Dreampop überlagert. Statt in Sonic Youth und Can tauchen DIIV viel häufiger in den Sound der frühen The Cure ein. Der säuselnd-gehauchte Gesang von Zachery Cole Smith wird sicherlich nicht in die Annalen der Rockmusik eingehen, sondern sogar nach von dem des Models Sky Ferreira, die gleichzeitig die Freundin des Sängers ist, auf "Blue Boredom (Sky's Song)" übertroffen.

Die Platte mit dem Nonsense-Titel erhielt viele gute Kritiken und wurde prompt zum "Album des Monats" im Musikexpress gewählt. Bei den Stellungnahmen der einzelnen Kritiker viel was auf? Klar, viele waren der Meinung, dass das Album zu lang sei.


Zum Noiserocker oder gar zum Avantgardisten wird Smith damit natürlich nicht. Seine Profession liegt nach wie vor im melodischen, ätherischen, hypnotischen Segment, in den filigranen, verhallten Arpeggios, in der Repetition. Dream Pop, Post-Punk, Krautrock, das sind die Koordinaten, zwischen denen DIIV sich auch auf IS THE IS ARE am liebsten bewegen. Mal in Form einer geradezu kokett unverhohlenen Verbeugung vor Neu! und deren pulsierender, stoisch nach vorn strebender Motorik („Is The Is Are“), mal in Form einer kühlen, verwunschenen Soundlandschaft, zu der Sky Ferreira als Gast lasziv ins Mikro spricht, am liebsten aber in Form von schier endlos um den Beat kreiselnden Gitarren .

DIIV würden immer verdrogte Musik machen, egal unter welchen Umständen, sagt Zachary Cole Smith. „That’s just how my mind works.“ Wenn sie weiterhin so klingt, wie auf diesem sehr gekonnt ausbalancierten, jederzeit kurzweiligen und stetig wachsenden Album, soll einem das nur recht sein.
(musikexpress)




Cole designed the long-delayed ‘Is The Is Are’ (which he recorded and produced himself) to be an ambitious and revelatory answer to his critics. Naysayers, prepare for a shock. Its 17 flab-free tracks shift from luxuriant interwoven guitar (‘Valentine’, ‘Dopamine’, the magnificent ‘Healthy Moon’) to blasting noise (‘Incarnate Devil’, ‘Dust’) and show there’s more to DIIV than reverb, indie-pop and controversy. The 31-year-old also obliterates the idea that his talent has succumbed to smack – these are some of the most powerful, personal and persuasive rock songs you’ll hear this year.

DIIV’s main weapon is the guitar, and it’s fetishised here. An amp crackles before opener ‘Out Of Mind’, which shares an upbeat sensibility with second track ‘Under The Sun’. They form a euphoric introduction that updates ‘Oshin’’s hazy glow with new urgency. ‘Bent (Roi’s Song)’ introduces a muddier sound and tangible despair. Cole mutters despondently about an addicted friend (“I lost you when you said one hit couldn’t hurt a bit”) over deathly feedback. But his lead guitar evokes hope, cutting through like sunlight between rain clouds. It does the same over the desperate wail of ‘Mire (Grant’s Song)’, one of two homages to Sonic Youth (the other is ‘Blue Boredom’, on which Ferreira delivers Kim Gordon-style spoken word vocal).

It ends after 64 minutes with ‘Waste Of Breath’, which kicks from slow rumble into shoegaze wig out, steered expertly by Cole’s hammering guitar. Its final note lingers, leaving the impression ‘Is The Is Are’ could be DIIV’s definitive statement. Forget all the baggage, this is just a band in a room, and the noise they make is thrilling. 
(NME)




DIIV in Deutschland:

30.03.2016   Köln, Gebäude 9
31.03.2016   Berlin, Lido
01.04.2016   München, Orangehouse
10.04.2016   Hamburg, Uebel & Gefaehrlich

3 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Weniger wäre bei diesem Album eindeutig mehr gewesen.

6,5 Punkte

Jörg hat gesagt…

Weiterhin nette Gitarren. Kommt aber nicht an den Vorgänger ran. 6,5 Punkte.