Dienstag, 15. Dezember 2015

Missincat - Wirewalker
























Irgendwann kann ich vielleicht einmal eine Plattenvorstellung mit dem Hinweis auf ein anstehendes Konzert in unserem Wohnzimmer versehen. Gestern schrieb ich bereits, wer sich bereits bei uns zu Hause eingefunden und jeweils tolle Konzerte gespielt hat. Fast hätte dies auch bei Missincat funktioniert. 
Zunächst waren wir auf die verrückte Idee gekommen, Hundreds während ihrer eher akustisch gehaltenen "Tame The Noise"-Tournee anzufragen, erhielten aber leider eine Absage, obwohl die Kombination "freier Termin / Band ganz in unserer Nähe" die Anfrage nicht vollkommen illusorisch aussehen ließ. Kurze Zeit später wurde uns statt dessen ein Konzert mit Missincat, die häufig mit Hundreds tourt, in Aussicht gestellt. Ein Termin war nach einigen Emails recht schnell gefunden, alles übrige abgesprochen, doch dann änderten sich die Planungen für die Tournee hinsichtlich der Bandbesetzung und unser Konzert fiel ins Wasser. Schade.
Aktuell befinden wir uns aber erneut in der "Ein Termin war nach einigen Emails recht schnell gefunden, alles übrige abgesprochen"-Phase und wenn alles gut geht, dürfen wir Missincat im nächsten Frühjahr bei uns begrüßen. Doch so lange soll die Plattenvorstellung von "Wirewalker" nicht mehr warten müssen.

Wer ist also diese Missincat, von der hier schon so viel die Rede war? Die in Mailand geborene Caterina Barbieri lebt seit einigen Jahren in Berlin und hat, nach "Back On My Feet" und "Wow", im Frühjahr mit "Wirewalker" ihr drittes Album veröffentlicht. Dieses wurde von Berend Intelmann (Paula, Fotos) und Johannes Saal (Super 700) produziert und mit einem Mehr an Soundlandschaft (Streicher, Pauke, Klavier, dezente Beats) versehen. Orchestraler Pop trifft nun auf mädchenhaften Folk-Charme.  




Dadurch, dass das Piano zeitweise mehr in den Mittelpunkt gerückt ist, erinnert MissinCat - auch stimmlich - nicht selten an die kanadische Singer-Songwriterin Coeur de Pirate. Es ist aber sicherlich ein Zufall, dass einer der stärksten Songs des Album ausgerechnet „Pirates“ heißt - eine wunderbare Pop-Perle mit berückendem Refrain und miteinander verschleiften Stimmen, die ganz große Gefühle hervorrufen. Mitreißend. Niedlich war gestern.
„Wolf In A Sheepskin“ ist ein weiterer Höhepunkt auf „Wirewalker“. Das Zusammenspiel von verhaltenem Rhythmus, Akustikgitarre und schwebenden Violinen ruft eine melancholische Wüsten- und Westernstimmung hervor. Atmosphäre schaffen, das gelingt MissinCat durchweg in ihren zehn Songs, die voller Gefühl das Herz anrühren. Ganz große Kunst.
(Focus)




Die Musik wirkt reifer und weniger verspielt und kontrastiert dadurch um so stärker mit der immer noch zarten und nach wie vor oft beinahe niedlich klingenden Stimme von Barbieri. Dabei versucht sich die italienischstämmige Multiinstrumentalistin und Wahl-Berlinerin stärker als zuvor auch an Bass und Schlagzeug. Die kräftigen Rhythmen werden weiter nach vorn geschoben, doch prägend bleiben weiterhin Stimme, Klavier und Gitarre. Man hört das Neue und erkennt doch noch das Alte. Das ist es dann wohl, was man gemeinhin „Entwicklung“ nennt.
An musikalischer Unterstützung fehlt es Barbieri nicht. Mit Berend Intelmann und Johannes Saal haben allein zwei Produzenten an dem Album mitgewirkt; Saal steuerte zudem Gitarre und Orgel bei. Überhaupt sind viele Instrumente im Einsatz: Saxophon, Flöte, Klarinette, Posaune, Geige und Bratsche ergänzen immer wieder die Standard-Rock/Pop-Besetzung. Dankenswerterweise lässt sich Barbieri von verschiedenen fähigen Musikern unter die Arme greifen und macht bei aller Vielseitigkeit doch nicht alles selbst. Das führt zu frischen Einflüssen, oder, wie Barbiere selbst es ausdrückt: „Wichtig war für mich zu lernen, die Kontrolle zu verlieren. Ich habe losgelassen, um zu sehen was passiert.“
Und es passiert eine Menge auf Wirewalker.
(alternativ musik)




Ihr aktuelles Album Wirewalker hingegen macht einen großen Schritt nach vorn. Zwar haftet der Musik immer noch etwas fluffiges an, der fröhliche Sound ist immer noch präsent und doch mischt sich eine gewisse Düsternis hinzu, die man sicher nicht erwartet hätte. Die erste Singleauskopplung Pirates ist so ein Fall: Ein wirklich guter Popsong mit fröhlicher Melodie, die immer wieder von einer plötzlich aufschimmernden Melancholie durchbrochen wird. Man nehme den Pianopart des Intros, der auch im Hauptteil des Songs kurz auftaucht und es schafft, fröhlich und doch entrückt zu klingen. Darüber hinaus bleibt Pirates tagelang im Kopf hängen und verfolgt seinen Hörer. Was kann man sich als Songwriter mehr wünschen?
MissinCat gelingt es auf Wirewalker einfache und komplexe Instrumentierungen gleichermaßen interessant zu gestalten. Ob solo an der Gitarre oder im kompletten Bandkontext: Die Instrumentierung sowie die grandios-entrückten Backingvocals begeistern wie zu wow-Zeiten.
(die kopfhörer)




Es gibt noch keine neuen Konzerttermine zu vermelden, aber vielleicht ist mit etwas Glück auf der nächsten Tournee unser Wohnzimmer dabei... 


2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Stellenweise bezaubernd. 6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Genau so ist es. 7 Punkte