Sonntag, 6. September 2015

Sea + Air - Evropi
























Sea + Air, Eleni Zafiriadou + Daniel Benjamin, Griechenland + Deutschland, Konzerte + noch mehr Konzerte, zweites Album + Konzeptalbum, Familiengeschichte + Tour-Eindrücke, Europa + "Evropi", Kunst + Kitsch, Pop + Pathos, "Ghost Pop" + Glitterhouse, mediterrane Melodien + exotische Instrumente, Lyra + Bouzouki, Cembalo + Charteinstieg (#49). 


Und weil sie schon mal dabei waren, haben die beiden auch musikalisch in ganz großen Zusammenhängen gedacht: Sea + Air nehmen widerborstige Kleinkunstwerke, unwiderstehliche Pop-Ohrwürmer, uralte Folk-Traditionen und raffinierte Studio-Spielereien - völlig eigenwillig und völlig ambitioniert. Und dabei doch leicht und schwebend. So ein erstaunlicher Wurf gelang Konstantin Gropper vor Jahr und Tag mal mit "Get Well Soon". Sea + Air brauchten langen Anlauf, um dieses Album hinzubekommen, mussten sich erst mal reif und sicher genug fühlen. Keine Rock-Oper ist "Evropi", so sagen Eleni und Daniel - nur lyrische Schnappschüsse. Mit denen ihnen der verdiente Durchbruch gelingen dürfte - schon lange hat niemand mehr derart lustvoll zwischen Pop-Kitsch und Klang-Kunst gependelt.
(NDR)




Drei Jahre tourten Eleni Zafiriadou und ihr Partner Daniel Benjamin nach ihrem Debütalbum durch Europa: Portugal, Ukraine, Italien, Griechenland. Dabei gerieten sie in allerlei Turbulenzen, besannen sich einer Familiengeschichte, nahmen Songs auf.
Unter Duschen und in unheimlichen Hotelzimmern, wie sie erzählen. Der Faden spinnt sich durch die Familiengeschichte Zafiriadous und ist, um zur Musik zu kommen, ein sehr kunstvoller, bisweilen arg anstrengender. Vielleicht muss das so sein. Ein paar Hymnen, die großen Gesten des Stadionrock, standesgemäß traditionelle Instrumentierung. Kitsch, Pathos, Milde, Umarmung, Erschöpfung. »Let Europe become a love affair«. Da ist noch Hoffnung, aber wo ist die Wut? Davon braucht es mehr. 
(intro)




Tatsächlich bedienen sich Eleni Zafiriadou und Daniel Benjamin einer Bandbreite an exotischen Instrumenten, mit denen das Duo eine ganz spezielle Stimmung schafft. Aufgrund ihrer Wurzeln bestimmen besonders oft griechische Elemente wie Lyra, Bouzouki oder hin und wieder byzantinischer Gesang die Platte. Vor diesem Hintergrund "entgleitet" Zafiriadous Stimme im Laufe des Albums immer mehr, und auch bei ihrem männlichen Begleiter fragt sich der Hörer des Öfteren, ob er auch mal nicht schief singen kann. "Evropi" steigert sich, wird immer schwieriger und anstrengender. Am Höhepunkt mündet das Werk in schrille, fast asiatische Klänge, was zu der beschriebenen Reise von Kleinasien über Griechenland nach Deutschland passt. Insgesamt eine gewöhnungsbedürftige Platte, die sehr abwechslungsreich ist, aber irgendwann über das Ziel hinausschießt.
(Mittelbayerische)


Sea + Air unterwegs:
04.11.2015 Stuttgart, Im Wizemann (Club)
05.11.2015 Freiburg, Waldsee
07.11.2015 Heidelberg, Kulturhaus Karlstorbahnhof
08.11.2015 Neunkirchen, Altes Hüttenareal - Stummsche Reithalle
09.11.2015 Frankfurt am Main, Das Bett
12.11.2015 Augsburg, SoHo Stage
13.11.2015 Dresden, Scheune Kulturzentrum
14.11.2015 Potsdam, Waschhaus Potsdam
16.11.2015 Leipzip, Moritzbastei
17.11.2015 Düsseldorf, Forum Freies Theater
18.11.2015 Osnabrück, Kleine Freiheit
19.11.2015 Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus


3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Gudrun hat gesagt…

Ich bin ja Fan der "ersten Stunde" und hatte ein wenig die Befürchtung, dass es schwierig wird nach Harpsichord noch eins drauf zu setzen, zumal sie ja die letzten Jahre wie die bekloppten getourt sind.

Aber Evropi ist tatsächlich wahrscheinlich meine Platte des Jahres 2015 geworden und ich reibe mir noch ein bisschen die Augen, wie sie das hingekriegt haben (ist ja aber noch nicht ganz rum das Jahr).

Verdient deshalb 9-10 Punkte von mir.

Dirk hat gesagt…

Zwischendurch ein wenig anstrengend, aber dennoch: 8 Punkte