Donnerstag, 27. August 2015

Albert Hammond, Jr. - Momentary Masters

























So viel The Strokes war lange nicht. Eigentlich egal, ob man nun die ersten beiden Soloalben ("Yours To Keep", 2006, und "¿Cómo Te Llama?", 2008) von Albert Hammond, Jr. zum Vergleich heran zieht oder das letzte reguläre Album der Indierocker aus New York ("Comedown Machine", 2013), das (leicht umgewandelte) "This is it!"-Gefühl kam dabei nicht auf. 

Doch auf "Momentary Masters" findet man den ein oder anderen Song - etwa "Drunched In Crumbs", "Coming To Getcha", "Razor's Edge" oder "Touché" - der einen an den minimalistischen Garagen Rock der Anfänge von The Strokes denken lässt. Das Problem dabei ist nur: Albert Hammond, Jr. ist als Sänger eben nicht Julian Casablancas und sein dünner, hoher Gesang nur wenig überzeugend. Man stelle sich einmal vor, Paul Banks würde den Opener "Born Slippy" singen! Noch nicht einmal die Bob Dylan-Coverversion "Don't Think twice" ist gesanglich besser als das Original.
Dass es aber mit der Stimme und Lässigkeit eines Casablancas allein auch nicht getan ist, zeigte dieser selbst letztes Jahr mit "Tyranny". Dann doch lieber "Momentary Masters" auflegen und hoffen, dass Julian Casablancas, Nick Valensi, Nikolai Fraiture, Albert Hammond, Jr. und Fabrizio Moretti gemeinsam noch einmal ein solch rückwärts gerichtetes Album aufnehmen, wie dieses hier.


Hübsch anzuhören und ungemein eingängig ist die Platte von Anfang bis Ende. Jeder Song ergibt für sich absolut Sinn und ist bis ins kleinste Detail schlüssig arrangiert. Dass Hammond, Jr. einen unverwechselbaren Sound hat, spricht für ihn. Dass er seine Komfortzone nur selten verlässt, allerdings nicht. Lied für Lied zieht "Momentary masters" vorbei, ohne wirklich bleibende Eindrücke zu hinterlassen. An cleveren Geistesblitzen mangelt es immerhin nicht: Kunstgriffe wie das Hochgeschwindigkeitsriff in der Bridge von "Caught by my shadow" oder der genial verpeilten Schrammelpart in "Touché" sind absolut liebenswert. Auch das blechern vorbeischeppernde "Side boob" lädt zum Mitwippen ein, wobei hier eine etwas voluminösere Produktion sicher nicht geschadet hätte.
Die größte Schwäche in Hammonds Songwriting ist dessen Vorhersehbarkeit. Viel zu selten retten geniale melodische Einfälle die Lieder vor der Mittelmäßigkeit. Wenn etwa "Coming to getcha" sich zum Refrain aufschwingt, kann man gar nicht anders, als zustimmend zu nicken. Viele Songs laufen jedoch ins Leere und rufen nicht viel mehr als ein Schulterzucken hervor: "Losing touch" besitzt etwa ein euphorisches Finale, der Weg dorthin ist jedoch mit reichlich Banalität gepflastert. Auch die Single "Born slippy" weckt in der federleicht dahinhüpfenden Strophe Hoffnungen auf Größeres, erstickt diese jedoch nachhaltig im erschreckend langweiligen Refrain.
(Plattentests)


Songs wie der atemlos stampfende Postpunkritt ‚Side Boob‚ oder das tropicale ‚Power Hungry‚ mit seinem abgedämpften Groove deuten zwar ausnahmsweise den so nötigen Schritt aus dem ansonsten so unverhohlen herrschenden Schatten von Hammond, Jr.’s Stammband an, wollen theoretisch Neues wagen, sind dazu praktisch aber nicht in der Lage und somit noch unerfüllender als all die aufgefahrenen Nähen zu potentiell nostalgischen Strokes-B-Seiten: der letzte Kniff, (das gewisse Etwas), die klippenspringenden Überraschungmomente, die genialen Funken, die ‚Momentary Masters‚ aus dem in ständige Relation setzenden Kurzzeitgedächtnis heraus heben würden, sie fehlen einfach.  Alleine der markante Gitarrensound und die sehr routinierte Aufbereitung bewahren die 36 Minuten nicht davor, ein am Ende paradoxes Bild abzugeben, wenn die Platte einerseits durchwegs charmant und kurzweilig mit jedem Durchgang wächst, letztendlich aber trotzdem nur nichtssagend und gefällig plätschert. Die Kerne der Kompositionen entwickeln eben nur wenig Gravitation, und inmitten der Lyric-Standards bleibt vieles schlicht zu oberflächlich, denn hinter der mühelosen Ausstrahlung gibt es nur wenig zu entdecken, das für sich selbst stehend tatsächlich nachhaltigen Eindruck hinterließe.
So ist es geradezu ärgerlich, dass beispielsweise ‚Coming to Getcha‚ an sich ein großer, dramatischer Song hätte sein könnte, Hammond, Jr. dem Geschehen aber nicht nur wegen seiner limitierten Gesangsmöglichkeiten einfach nicht den nötigen und verdienten charismatischen Kick geben kann, den die Nummer bräuchte, um ihr ganzes Potential abrufen und zünden zu können. Weswegen ‚Momentary Masters‚ dann auch zu keinem Zeitpunkt die faszinierende Anziehungskraft eines ‚Tyranny‚ ausstrahlen kann, dafür aber wohl dennoch mehr Leute glücklich machen wird. In Summe wirkt das wie der auf eine extrem solide Basis gestellte, aber leergeräumte Rohbau, auf dessen Fundament Casablancas und Co. gut und gerne sogar das zuverlässigste Strokes-Album seit ‚First Impressions of Earth‚ erbauen hätten können.
(heavypop)


Albert Hammond, Jr. in Deutschland:

03.12.15 Hamburg, Nochtspeicher
04.12.15. Berlin, Lido



2 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Besser als die ein oder andere Platte von The Strokes.

7 Punkte

Ingo hat gesagt…

6 Punkte