Donnerstag, 2. Juli 2015

Desaparecidos - Payola
























Wenn Conor Oberst so richtig wütend ist, ruft er seine Jungs (Landon Hedges, Matt Baum, Denver Dalley und Ian McElroy) zusammen und schreit sich zu einschneidenden Gitarrenriffs und polternden Drums den Frust von der Seele. Was ihn so in Rage geraten lässt? Die amerikanische Einwanderungspolitik, der Überwachungsstaat und die immer weiter um sich greifenden Auswirkungen des Kapitalismus. "Payola" hat also mit dem Bright Eyes-chen Dreigestirn aus Indiepop, Folk und Country nichts zu tun, sondern läuft Amok zwischen Punk, Hardcore-Rock und Emo.  

Produziert wurde das Album selbstverständlich von Mike Mogis und mit Tim Casher von Cursive oder Laura Jane Grace von Against Me! fanden sich weitere bekannte Gastmusiker im Studio ein. Wer das Werken der Desaparecidos, die 2002 mit "Read Music/Speak Spanish" ihr Debütalbum veröffentlichten und in den letzten Jahren mehrmals in den Tiefschlaf versetzt bzw. wieder aufgeweckt wurden, kontinuierlich verfolgt hat, dem wird auffallen, dass bereits gleich 6 Titel in den letzten Jahren auf 3 Singles veröffentlicht wurden. Da "Payola" aber in seinen 40 Minuten stolze 14 Songs runterreißt, gibt es dennoch genug Neues zu entdecken. 
"Payola" sei Freunden von Hüsker Dü, Fugazi oder der Pixies empfohlen, wer es eher sanfter und weniger stürmisch mag, sollte die Finger von der Platte lassen oder es erst einmal mit dem offensichtlichen Hit des Albums ("Te Amo Camila Vallejo") oder dessen gemäßigsten Song ("10 Steps Behind") versuchen.

Sehen wir doch einmal nach, wie "Payola" von den Kritikern aufgenommen wurde:

Mit Wut im Bauch und sehr viel Hingabe singt Conor Oberst Post-Hardcore-Rocksongs, die zu keiner Zeit wirklich böse sind, aber unbedingt ernst genommen werden wollen. Anders als die meisten Emo-Kollegen vermittelt Oberst jedoch hauptsächlich politische Inhalte. „The Left Is Right“ gibt die Richtung vor, die Band schlägt sich auf die Seite von Hackern und der Occupy-Bewegung, wettert gegen rechte Ideologen und leicht zu Radikalisierende, womit ausdrücklich auch diejenigen gemeint sind, die daheim via Facebook aus der Anonymität heraus dümmliches Gedankengut verbreiten. Die Texte sind gut, wichtig und richtig. Aber was nützt’s, wenn’s nicht rockt? Doch die Desaparecidos lassen nichts anbrennen. Songs wie „Radicalized“, „Underground Man“ oder „Te Amo Camila Vallejo“ atmen den Geist von Hüsker Dü und erinnern an die Zeit, als man noch glauben durfte, dass alternative Rockmusik die Welt verändert. Vielleicht keine Platte für die Ewigkeit, aber genau die Portion Polit-Emo-Core, die der Sommer 2015 nötig hat.
(Musikexpress)




Die Desaparecidos stellen sich auf die Seite der Occupy Bewegung und singen gegen Ungerechtigkeiten an. Lange hat man es einer Band nicht so sehr abgenommen, dass sie mit ihrer Musik tatsächlich was ändern könnten. Musikalisch wird nicht bei einem der 14 Songs auf die Bremse getreten, sie verstärken die unzufriedenen Texte, die zu den dringlichsten seit langem gehören. Einzig allein “10 Steps Behind” scheint zuerst etwas ruhiger zu werden, doch erübrigt sich dieser Gedanke auch nach der Hälfte des Songs schon wieder.
Mit unruhigen Gitarren, die zwischen simplen Akkordprogressionen, abgedämpften Rhythmuspatterns und melodischer Finesse wechseln, treibenden Drums und der kratzigen Stimme von Conor Oberst erklingen 14 Stücke, die alle einem Grundsound folgen und keiner total aus der Reihe fällt. Dennoch gibt es in jedem Song das eine Element, das auffällt und hängen bleibt. 
(Radio Q)


„Payola“ liefert die battle hymns für alle, die sich schon einmal an Geldautomaten gekettet, Regierungsgebäude gestürmt, Häuser oder Bankenviertel besetzt haben. Verkleidet als knuffiger Punkrocker verleiht Conor Oberst den 99 Prozent eine Stimme – er wütet charmant gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, als ob er nie etwas anderes getan hätte. (...) Unverschämt lässig verwendet er klassische Punkrock- und Powerpop-Muster („Golden Parachutes“, „Search The Searches“), mischt etwas Hardcore unter („Radicalized“, „Backsell“), macht den Thermals Konkurrenz („City On The Hill“), spielt mal nicht den Introvertierten, sondern das Zoon politikon.
(Rolling Stone)



4 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Brachiale 6,5 Punkte.

Olly Golightly hat gesagt…

7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Felix sagt:

10 Desaparecidos

6 Olli Schulz
6 And The Golden Choir
9 Belle & Sebastian
8 Deichkind
7 Kante
8 Jose Gonzalez
7 Modest Mouse
8 Will Butler
7 The Wave Pictures
8 Sufjan Stevens
7 Lower Dens
7 Courtney Barnett
9 Death Cab For Cutie
8 Dagobert
8 The Wombats
8 I'm From Barcelona
8 Sophie Hunger
8 Villagers
7 Mumford & Sons
7Tocotronic
9 Hot Chip
7 Unknown Mortal Orchestra
8 The Vaccines
8 Brandon Flowers
8 Florence + The Machine
7 Muse
7 Of Monsters And Men
8 Jamie xx
7 Leftfield
9 Life In Film
9 Wolf Alice
8 Calexico
7 The Chemical Brothers
8 Tame Impala
8 Ezra Furman
6 The Maccabees
8 Beach House (Depression)
8 Albert Hammond, Jr.
7 Destroyer
6 Boy
7 Foals
5 The Libertines
9 Beirut
7 Lana Del Rey
8 Editors
8 John Grant
6 Hurts
7 Chvrches
7 Here We Go Magic
6 Joanna Newsom
6 The Legends
8 Oberhofer
6 Beach House (Thank)
8 Deerhunter
8 Adele
8 Pelzig
8 Coldplay
6 Schnipo Schranke