Montag, 15. Juni 2015

Algiers - Algiers
























Algiers ist der englische Namen von Algier, der Hauptstadt Algeriens. Algiers ist aber auch der Name mehrere Orte in den Vereinigten Staaten, und zwar in den Bundesstaaten Indiana, Louisiana und Vermont, sowie eines Films von John Cromwell aus dem Jahre 1938.

Algiers ist aber auch ein aus Atlanta, Georgia, stammendes Trio, das aus Franklin James Fisher (Gesang, Gitarre), Ryan Mahan (Bass) und Lee Tesche (Gitarre) besteht und seinen Sound selbst als "Post-Worldbeat" definiert. 

"Algiers" ist der Name des Debütalbums von Algiers, das Anfang des Monats über Matador Records erschienen ist, 11 Songs in 45 Minuten versammelt und eine ungewöhnliche, experimentelle Mischung aus Post-Punk, Soul und Gospel darstellt. Die Songs "Blood" und "Claudette" wurden bisher als Singles ausgewählt.

"Algiers" kommt bei den Kritikern gut weg: Metacritic steht aktuell bei einem Score von 79/100 Punkten. Lobenden Worte findet man im deutschsprachigen Raum zum Beispiel bei der Zeit oder lesen sich wie folgt:


Das amerikanische Trio Algiers beschäftigt sich auf seinem gleichnamigen Debütalbum lieber mit jener Form von Soul, die sehr tief in der Tradition des US-Südens steht und zwischen dem Call und Response klassischer Worksongs, der Beseeltheit des Gospels und wütendem Protest keine qualitative Unterscheidung treffen mag. Dazu wird bei meist dringlichem Tempo sowohl der Black Crow King eines Nick Cave wie auch der Lizard King eines Jim Morrison beschworen.
Von der instrumentalen Besetzung her kann die Alternative-Rock- und Indie-Cindy-Fraktion mit zünftig schneidbrennenden und kreischenden wie in ruhigen Momenten nur quengeligen Gitarren ebenso befriedigt werden, wie der grundsätzliche Ansatz ein elektronischer ist. Wenn man den Sänger der Fine Young Cannibals einst statt Nick Cave bei der Birthday Party besetzt und Martin Gore von Depeche Mode das Ganze produziert hätte ... Weißt du, was ich meine?!
(Der Standard)




Der Gesang des afroamerikanischen Sängers Franklin James Fisher erinnert an TV On The Radio, die plötzlich den Blues haben. An anderer Stelle grollt und gewittert es, als ob sich die Swans an Soul versuchen würden. "Blood" ist die Single, gewaltig wie ein Sandalen-Film: Ein Monumental-Song, der von 400 Jahren Sklaverei und all dem umsonst vergossenen Blut erzählt.
Zu Algiers Themen gehören auch Konsum-Kritik und Identitäts-Politik. Es geht um Figuren, die gepeinigt, gedemütigt, gejagt wirken. Mit dem Song "Black Eunuch" erhebt sich die Platte ein letztes Mal in Wut und Schmerz - als ob Willis Earl Beal, der Blues-Wahnsinnige, Nick Caves erste Band The Birthday Party zum Leben erweckt hätte.
Der Gothic-Gospel von Algiers rüttelt und schüttelt, zerrt und zieht an einem. Unmöglich, dieses Debüt zu überhören. Die Frage, die bleibt: Warum wird das nicht im Herbst oder Winter veröffentlicht? Ist das die richtige Jahreszeit für so ein düsteres Werk?
Unser Album der Woche gleicht einem Paternoster der Gefühle und Genres: Wer geschickt ist und reinkommt, der erlebt ein Auf und Ab, wie es selten geworden ist, und aus dem man nur schwer aussteigen kann. Schade nur, dass ab 1. Juni 2015 die Benutzung von Paternostern in Deutschland verboten ist: zu gefährlich.
Da kommen Algiers also doch genau zur richtigen Zeit.
(BR)




Algiers rufen auf ihrem Debüt die Geis ter, die von Unterdrückung erzählen können, und stehen mit ihnen noch einmal auf, in voller Größe. Diese Gospelmusik erinnert an die Tage, als Soul der Groove einer Protestmusik der Minderheiten war. Sie biegt mit der Urgewalt des Punk um die Ecke und steht plötzlich im Hier und Jetzt vor uns. Franklin James Fisher ist der Prediger, der seine Stimme durch die Ruinen der Popgeschichte schickt, er tut das mit der Intensität von James Brown, befeuert von tiefschwarzen Chören und Donner-Beats. Er wird für die Ewigkeit eines Moments leise, wenn Welt und Musik stillstehen. Der Rest ist Noise. „Blood“, „Remains“, „And When You Fall“ – Songs auf der Warteliste zum modernen Klassiker. Zum Finale „Untitled“ versammeln sich alle Stimmen in der Intensivstation des Soul, als der Stecker gezogen wird, hallt der letzte Ton ein paar Sekunden im Echo nach. Herzstillstand.
(musikexpress)


6 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

9 Punkte

Ole Pappert hat gesagt…

Muß erst ein paar mal durchlaufen. Aber dann sind es auch 9 Punkte

Ingo hat gesagt…

Starke 8,5 Punkte.

Olly Golightly hat gesagt…

Ich muss hier ein wenig nach unten korrigieren, aber 8 Punkte bleiben.

Volker hat gesagt…

Was habe ich michj auf das Album gefreut, Großes erwartet, und wie gräßlich klingt das dann. Und die Stimme geht auch nicht. Schade

4,5

Dirk hat gesagt…

Gospel-Rock! Wie kommt man bloß auf so etwas?! 4 Punkte