Donnerstag, 14. Mai 2015

Emile Haynie - We Fall
























Den Namen Emile Haynie werden vermutlich die Wenigsten kennen, dennoch dürften die Meisten bereits Singles oder Alben gehört haben, die der 34-jährige produziert hat. Die Probe aufs Exempel gefällig? "Runaway" von Kanye West, "Locked Out Of Heaven" von Bruno Mars, "Summertime Sadness" oder "Born To Die" von Lana Del Rey, "Final Masquerade" von Linkin Park oder "Guts Over Fear" von Eminem? Dachte ich es mir doch!

Emile Haynie betreut Künstler, die in den unterschiedlichsten Genres, von Pop über Hip Hop bis hin zu Nu Metal, aktiv sind und überraschte Anfang des Jahres mit der Ankündigung eines Soloalbums. Für die Aufnahmen zog er von New York nach Los Angeles ins Chateau Marmont, durchforstete vermutlich sein reichhaltig gefülltes Adressbuch und setzte sich ans Telefon, um Freunde und bekannte Künstler ins Studio einzuladen. Es ist nicht bekannt, wie erfolgreich er beim Akquirieren war, aber die Liste der Gastsängerinnen und -sänger ist beachtlich: Brian Wilson, Andrew Wyatt (Miike Snow), Rufus Wainwright, Lana Del Rey, Charlotte Gainsbourg, DEvonté Hynes (Lightspeed Champion, Blood Orange), Nate Ruess (Fun), Colin Blunstone (The Zombies), Lykke Li, Romy Madley Croft (The xx), Randy Newman, Father John Misty, Julia Holter und irgendwen habe ich bestimmt vergessen aufzuzählen.

"We Fall" liefert folgende Erkenntnisse: 1.) Alben wie dieses, die zahlreiche verschieden Gaststars Revue passieren lassen, liefern - positiv formuliert - immer ein sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Bild. 2.) Emile Haynie ist sicherlich ein besserer Produzent als Komponist und ein besserer Komponist als Sänger. 3.) Bei der Auswahl der Singles ("Falling Apart", "Wait For Life") hat Haynie, der mit seinem Album eine Trennung zu verarbeiten sucht, ein glücklicheres Händchen bewiesen als beim Plattencover.

Das sagen die Kritiker zu den 11 Titeln auf "We Fall" und so klingen die beiden Singles:

Und so hatte Haynie beim Songwriting nicht nur seine Ex vor Augen, sondern auch die einzelnen Künstler ihre eigene Vision der Lieder. So klingt „We Fall“ meistens wie sein jeweiliger Interpret und wie eine raffinierte Zusammenstellung der besten Indiehits der letzten Jahre: Wenn Lana Del Rey in „Wait For Life“ haucht, klingt es wie ein Song der auch locker auf ihr Debüt gepasst hatte. Oder wenn Nate Ruess über den Marsch von „Fool Me Too“ singt, fühlt man sich sofort an seine Hauptband fun. erinnert. Fehlt eigentlich nur Jason Pierce von Spiritualized, dessen Hymne „Ladies And Gentleman, We Are Floating In Space“ im Abschlusssong eindeutig und absolut grandios zitiert wird. Ist doch super gelaufen. Aber wer nimmt jetzt die Ex in den Arm?
(Focus)




Er selbst singt dabei nur sehr selten – und wenn, dann eher charmant kratzig als gut. Dafür hat er eine unglaubliche Gäs teliste zusammengetragen. Holen Sie tief Luft und heißen Sie willkommen: Brian Wilson, Rufus Wainwright, Lana Del Rey, Charlotte Gainsbourg, Lykke Li, Randy Newman,  Father John Misty, Julia Holter, Nate Ruess und Colin Blunstone, die göttliche Stimme der Zombies. Entweder ist Haynie ein unglaublich netter Kerl oder ein genialer Erpresser. Auf jeden Fall ist er klug und talentiert genug, jedem Gast einen passenden Song auf den Leib zu schneidern.
Wenn Brian Wilson singt, dann an der richtigen Stelle, das Duett von Father John Misty und Julia Holter ist so zerschossen, dass es beiden Stimmen künstlerisch gerecht wird. Am Ende singt Haynie das Beziehungsdrama „The Other Side“ und zitiert dabei LADIES AND GENTLEMEN, WE ARE FLOATING IN SPACE, die große Heroin-und-Liebeskummer-Platte von Spiritualized. Diese Referenzen, diese vielen großen Namen – es ist kaum auszuhalten. Neid, Missgunst und Respekt.
(Musikexpress)




Natürlich gibt es bei diesem Staraufgebot auch einige schöne Momente. Die sind aber so selten, dass man bereits nach der Hälfte des Albums genug hat. Aber pünktlich nach dem Langeweile-Höhepunkt „A Kiss Goodbye“ ändert sich Stil und Laune für das hoffnungsvolles „Fool Me Too“. Das liegt vor allem an der etwas positiveren Grundstimmung, die von Sänger Nate Ruess perfekt in Szene gesetzt wird. Schön, geht doch.
Das darauf folgende „Nobody Believes You“ ist eine Reminiszenz an die 1960er-Band The Zombies, deren Sänger dann auch direkt ins Studio geladen wurde. Klingt dann auch schön nach früher. Und dann? Dann wird es wieder so dermaßen öde und belanglos, dass man fast schon ein bisschen Angst um die Pop-Musik der kommenden Jahre bekommen muss. Allerdings gibt Haynie die Erklärung zum schwachen „Come Find Me“ selbst: „Lykke Li kam zum Tee in mein Hotelzimmer, und ich sagte ihr nicht mal, dass ich gerne eine Aufnahme mit ihr machen würde. Stattdessen schrieb ich einfach schnell den Text auf und komponierte fünf Minuten bevor sie klopfte diese Melodie.“
Hauptsache wir sammeln so viele Namen und Musikrichtungen auf einem Album, wie irgendwie geht, scheint die Devise. Ich zitier derweil lieber einen bekannten Jutetaschen-Spruch: „Das kannst Du schon so machen, aber dann isses halt kacke.“ In diesem Sinne.
(Crazewire)


1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Hinterlässt trotz Staraufgebot keinen bleibenden Eindruck.

6 Punkte