Donnerstag, 21. Mai 2015

Balbina - Über das Grübeln
























Deutsches Pop-Fräuleinwunder (I)

Mit jedem phantasievollen, schicken, stylischen Video wurde der Hype um Balbina größer. Der Spiegel war seit der "Nichtstun" EP im letzten Juni in erster Reihe mit dabei und lobt seither in schöner Regelmäßigkeit die in Warschau geborene, aber seit ihrer Kindheit in Berlin lebende Sängerin über den grünen Klee. Und mehr und mehr Medien stimmten in diesen Lobgesang mit ein. Kostproben gefällig?  


Wie eine in strahlend weißes Wischundweg-Papier gekleidete Zauberfee stupst Balbina mal den Teekessel, mal den Teddybär an, stöbert nach den Lagen unter der Lebenslage. So mancher Fleck, der dabei aufs Kleid gerät, geht auch mit Seife nicht wieder weg, so sehr sie auch schrubbt. Dann rüttelt sie an den trägen Vorhängen, dann schüttelt sie den Wecker, warum er denn so leise war: Jetzt hat sie schon ihr halbes Leben mit Sinnieren versonnen.
Macht nichts. Aus diesen Tag-Träumen ist jetzt immerhin das klügste und geschmackvollste deutsche Popalbum des Jahres geworden. Hat sich doch gelohnt, die ganze Grübelei.
(Spiegel)


Habe ich schon hinreichend zum Ausdruck gebracht, dass man vor dieser Kunst lediglich niederknien kann? Es gibt in der Musik unserer Sprache nichts sonst, was ihr gegenwärtig vergleichbar ist.
(Berliner Zeitung)


Was für eine Platte! Was für eine Stimme! Was für ein sonderbarer, fremder, berückend schöner Sound! „Über das Grübeln“ heißt das neue Album von Balbina und es ist die tollste Entdeckung seit langer Zeit im deutschen Pop. 
(Rolling Stone)






Balbina singt mit tiefer Stimme zu elektronischer Popmusik, die mal knisternder R&B ist und immer wieder ihre Affinität zur Berliner Hip Hop- und Rap-Szene, in der sie in den letzten Jahren in Erscheinung trat, an die Oberfläche sickern lässt. Doch im Mittelpunkt steht weniger die Musik als die Texte:


Balbina arbeitet dramaturgisch mit Sprache, zerdehnt und verbiegt ihre oft viel zu langen Sätze und Worte in die Musik, wie es sonst nur HipHop-Künstler tun - oder Gesangs-Enigmata wie Herbert Grönemeyer und Nina Hagen. Beide gehören nicht umsonst zu ihren Vorbildern.
(Spiegel)


Denn Balbina geht so individuell und charismatisch in ihren Texten und ihrem Gesang mit der deutschen Sprache um wie Grönemeyer in seinen besten Zeiten; auch ähnelt sie ihm in der sonderbar eleganten Un-Eleganz, mit der sie, was beim ersten Hören vielleicht unbeholfen und stotternd erscheint, zu geschmeidigen Wort- und Klangflüssen zu verbinden versteht.
(Berliner Zeitung)


So zart und berührend und zugleich so erregend abweisend und kühl kündet die Berliner Sängerin darauf von den kleinsten Dingen des Alltags und von den großen Problemen, die sich daraus ergeben. Sie singt von der unwiederbringlich verrinnenden Zeit, von dem „Wecker“, den sie überhört hat und wegen dem sie nun „für Jahre verschläft“. Sie singt von ihrer eigenen Apathie, vom Nichtstun und vom Sich-nicht-entscheiden-Können, aber dies mit der kraftvollsten Entschiedenheit. Sie singt davon, dass ihr nichts einfällt („Mir fällt nix ein“), übermalt die leere Fläche des Nichts aber mit den einfallsreichsten Bildern in den buntesten Farben. Sie bittet in „Nichtstun“ die Langeweile darum, sich zu beeilen mit dem Vergehen, und beschreibt derweil mit schön schläfriger Alt-Stimme ihre Gefühle beim Blick auf die eigene Reglosigkeit: „Ich staube hier nur ein/ Wie ein Stofftier auf einem Regal/ Alles ist egal.“
(Rolling Stone)






"Wenn aus dieser tollen Frau kein großer Star wird, gibt es für den deutschen Pop keine Hoffnung," befürchtet der Rolling Stone. "Über das Grübeln" erreichte in Deutschland Platz 47 der Charts. Hoffnung besteht aber noch, denn Balbina ist aktuell mit Herrn Grönemeyer auf Tournee, so dass vielleicht mehr Menschen auf Balbina aufmerksam werden. Als Anspieltipps würde ich "Nichtstun", "Goldfisch", "Mir fällt nix ein" und "Dicke Luft" empfehlen.


Balbina live (ohne Herbert Grönemeyer):
07.10.15 Köln, Studio 672
08.10.15 Essen, Zeche Carl
09.10.15 Hamburg, Prinzenbar
12.10.15 Berlin, Privatclub
13.10.15 Dresden, Scheune
14.10.15 München, Milla
15.10.15 Stuttgart, dasCANN
17.10.15 Zürich, Bar Rossi
19.10.15 Hannover, Lux


3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

So klingt es wenn Balbina über das Grübeln nachdenkt? Wegen wir muss sie keine weiteren Gedankengänge vertonen. 4,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Das hat viele schöne Momente, den schönsten vielleicht mit "Wecker".

7,5

Dirk hat gesagt…

Auch wenn ich weder Hype noch Lobhudelei mitgehen kann: 6,5 Punkte