Freitag, 6. Februar 2015

Twin Peaks - Wild Onion























Als sich die Chicagoer Band 2009 nach der TV-Serie von David Lynch benannte, haben sicherlich nur die größten Optimisten gehofft, dass "Twin Peaks" eine Fortsetzung erfahren würde. 2016 soll es für 9 Episoden aber tatsächlich ein Wiedersehen mit Special Agent Dale Cooper, der Log Lady und den anderen geben.

Bis dahin dürfen wir uns zunächst mit Cadien Lake James (Gesang, Gitarre), Clay Frankel (Gitarre, Gesang), Jack Dolan (Bass, Gesang) und Connor Brodner (Schlagzeug) beschäftigen und sind damit eigentlich etwas spät dran, denn das zweite Album von Twin Peaks, erschien in deren Heimat bereits im letzten Jahr. Bei uns steht "Wild Onion" jedoch erst seit heute offiziell in den Plattenläden.

Die 16 Songs klingen nach einer Jukebox, die ein Freund des Garage Rock mit Hang zu Punk und Psychedelia mit 7'' Singles bestückt hat. Und so rumpelt das Quartett roh und rau, frech und unbekümmert 40 Minuten aus den Lautsprechern und man darf sich fragen, ob man sich nicht doch einmal mit dem Frühwerk der Rolling Stones auseinander setzen sollte ("I Found A New Way"), ob gerade eine B-Seite der Pixies ("Fade Away") ausgewählt wurde, ob es die Sultans Of Ping eigentlich noch gibt ("Strawberry Smoothie"), ob dieser Song der Strokes ("Telephone") auch auf einem Album zu finden war (und wenn ja, auf welchem) und wann der Psychedelic Pop der Beach Boys oder Beatles so schroff und gitarrig war ("Mirror Of Time"). 
Auch wenn bei der Vielzahl der Songs der ein oder andere schnell einmal vorbei rauscht (gleich 10 bleiben unter der Zweieinhalb-Minuten-Marke), so dürften sich Twin Peaks mit diesem Album einen Namen machen - auch wenn dieser spätestens im nächsten Jahr wieder hauptsächlich mit der TV-Serie in Verbindung gebracht werden wird.    



"Wild onion" lässt vom Start weg nichts anbrennen, denn eine junge, forsche Band wie Twin Peaks geht freilich ohne Umwege ran an den Speck: "I found a new way" sorgt mit seinem zackigen Gitarrenpop für gute Laune und verknotete Beine, am Ende kippt die Stimme von Frontmann Cadien Lake James vor lauter Freude ins Kehlige und macht noch drei Luftsprünge hinterher. Doch Twin Peaks, die sich nach der gleichnamigen Serie von Regie-Genie David Lynch benannt haben, nehmen das Tempo auch mal ein wenig raus und schwelgen in der Vergangenheit: "Mirror of time" ist lässig inszenierter 60s-Poprock mit Rotz in den Nebenhöhlen und Schweiß auf der Stirn, der an die (leider nicht mehr existenten) Girls erinnert.

Über die Distanz von amtlichen 16 Stücken fällt natürlich auch mal der ein oder andere eher belanglose Song ab, aber darüber muss und kann man ja wirklich hinwegschauen. Denn für jede verzichtbare Nummer haben Twin Peaks mindestens zwei schmissige Indierock-Schnittchen im Köcher, die auf jeder Grillparty zwischen Knoblauchbaguette und verkohlten Maiskolben für gute Stimmung sorgen dürften. Mit dem unbedarften, aber herrlich entspannten "Making breakfast" können sie dann wohl auch dem schlechtgelauntesten Miesepeter ein Lächeln aufs faltige Gesicht zaubern.
(Plattentests)




Der NME vergab 9/10 Punkten und führte "Wild Onion" unter den 50 besten Platten des Jahres (46.):

Originally conceived as a double album, it veers from the kind of out-and-out rock’n’roll you’d expect from a band pegged as hard-partying kids, to sultrier instrumental interludes (‘Strange World’, ‘Stranger World’) and more considered creations. ‘Sweet Thing’ falls into the latter category. Sounding like a pubescent Elvis Costello, guitarist Cadien Lake James sings “Of all the other girls I could be callin’/That phone of yours is ringing off the wall…/You got me hooked” over breezy strumming. ‘Ordinary People’ is a woozy dawdle, its lilting guitar hooks smothered in foggy atmospherics, and ‘Mind Frame’ ambles by dreamily. 

It’s their ambition, and ability to extend their own ’60s influences that makes Twin Peaks so exciting. Brilliant positivity and youthful vigour thrum through each song - it's impossible not to grin to the opening yowls of ‘Good Lovin''. Lyrically, it slips just once, on ‘Sloop Jay D’ as bassist Jack Dolan yearns for some female company (“I hope that you fuck me/I hope that you love me”) and details his attempts to get it through music (“I know I’m wrong for loving you too long/I wrote you all these songs now, can’t you see?”)

It's ‘Fade Away’ that showcases this band's attitude best. “I ride around my side of town, my hair in the breeze/Life for me is drinkin' beer and smokin' on weed” sings Dolan over an urgent, helter-skeltering Thee Oh Sees-style riff. The song dismisses thoughts of dying young and gets wrecked instead. Twin Peaks aren't interested in burning out, even if their lifestyle suggests they might. While they're here, they're just too good to miss.
(NME)


Twin Peaks in Deutschland:
09.02. Berlin, Monarch
10.02. Molotow, Hamburg
11.02. Rees-Haldern, Haldern Pop Bar


4 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Für die Serie gäbe es natürlich viel mehr Punkte als: 6,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6 Punkte

Jörg hat gesagt…

Krachige, kurzweilige, crunchy Gitarrennummern plus toller Name: 6,5 Punkte