Freitag, 23. Januar 2015

Menace Beach - Ratworld























Irgendwann schlich sich der Begriff Slacker Rock in den allgemeinen Sprachgebrauch ein und beschrieb die Mischung aus Alternative und College Rock, die Bands wie Pavement oder auch Beck Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre fabrizierten. Dass so unterschiedliche Künstler wie Ween, Sonic Youth, Grandaddy oder Guided By Voices unter diesem von Richard Linklaters Film "Slacker" (1991) - im Deutschen mit dem Titel "Rumtreiber" versehen - abgeleiteten Label zusammengefasst wurden lag sicherlich auch an einer verbindenden Lebenseinstellung und Attitüde. In letzter Zeit wurden auch gerne Mac DeMarco, Yuck oder auch Courtney Barnett in diese Schublade gesteckt. 

Aktuell muss diese wieder aufgezogen werden, um Menace Beach passen einsortieren zu können und gleich der Opener ("Come On Give Up") oder der Titelsong ihres Debütalbums "Ratworld" zeigen, dass sie dort gut aufgehoben sind und sich im Werk von Pavement gut auskennen. Auch Sonic Youth dürften keine Unbekannten für sie sein ("Elastic", "Tennis Court").
Glücklicherweise haben Menace Beach aber noch mehr in Petto: Noise und Shoegaze sind zwei weitere Bereiche, die sie auf ihren 12 Songs abdecken, und My Bloody Valentine und The Jesus & Mary Chain dürfen als Referenzen herangezogen werden. Da ist es nicht verwunderlich, dass mir persönlich innerhalb der 33 Minuten Spielzeit die so geprägten "Blue Eye", "Dig It Up" und "Tastes Like Medicine" am meisten zusagen.

Für den Boy/Girl-Gesang sorgen Ryan Needham und Liza Violet, die den Kern der Band aus Leeds stellen und sich ihren Namen bei einem Nintendo-Spiel entliehen haben. Unterstützt werden sie von Hookworms Sänger Matthew 'MJ' Johnson an der Gitarre und bei der Produktion, sowie von Sky Larkin-Mitglied Nestor Matthews (Schlagzeug) und Matt Spalding (Bass).   




Besonders bemerkenswert ist nämlich, dass das Duo Ryan Needham und Liza Violet ein wirklich feines Händchen dafür hat, die Einflüsse amerikanischer Indie-Bands wie Pavement, Superchunk oder Eric´s Trip mit den frühen Brit-Pop-Bands wie Lush oder auch Echo & The Bunnymen zu verbinden. Der häufig zweistimmige Gesang der beiden Musiker tut hier sein Übriges. Und so konnte „Lowtalker“, die erste EP von Menace Beach, die heimische Presse ziemlich überzeugen.

Nimmt man die Retro-Brille allerdings ab und schaut sich die einzelnen Songs etwas genauer an, merkt man dann doch, dass die oben genannten Bands einen kleinen Vorteil gegenüber Menace Beach hatten – sie hatten ein Gespür für Hits. Hier liegt dann auch ein bisschen der Schwachpunkt auf „Ratworld“ (neben dem unfassbar hässlichen Cover). Zwar bleiben das recht simpel gehaltene „Dig It Up“ oder auch der Titeltrack direkt hängen, bei einer Vielzahl der anderen Songs ist dies allerdings nicht der Fall. Und so taugt dieses ambitionierte Debüt vor allem als Reminder an Bands, die man jetzt wieder aus den Untiefen seiner Plattensammlung hervorzaubert. Auf Albumlänge zeigen sich aber Schwächen, die es in Zukunft noch auszubessern gilt.
(crazewire)



4 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

6 Punkte

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Gefällt mir zumindest besser als Sleater Kinney.

6 Punkte

Jörg hat gesagt…

Ganz nett, diese Neunziger. 6 Punkte