Montag, 6. Oktober 2014

Weezer - Everything Will Be Alright In The End




















"Everything Will Be Alright In The End". Weezer geben mit dem Titel ihrer aktuellen Platte ein Versprechen ab, an dessen Einhaltung man bei der Band von Rivers Cuomo nach Jahren der höchstens mittelprächtigen Platten kaum noch zu glauben wagte.

Dazu ergriffen Weezer gleich zwei Maßnahmen: Dem alljährlichen Veröffentlichungswahn (2008 "Weezer", 2009 "Raditude" und 2010 "Hurley") wurde ein Ende gesetzt. Cuomo schrieb allein bzw. zusammen mit befreundeten Musikern  (u.a. Justin Hawkins von The Darkness, Patrick Stickles von Titus Andronicus oder Ryen Slegr von Ozma) gerüchteweise über 200 Songs, von denen 13 für "Everything Will Be Alright In The End" ausgewählt wurden. 
Außerdem wurde mit Ric Ocasek (The Cars) der Mann zurück ins Boot geholt, der bereits 1994 und 2001 für "das blaue bzw. grüne Album" (also die beiden besten Alben von Weezer) als Produzent mit verantwortlich war. 

Und so lassen der Opener "Ain't Got Nobody" und die folgenden "Lonely Girl" und "I've Had It Up To Here" tatsächlich an "The World Has Turned And Left Me Here" oder "Buddy Holly" denken. "Go Away", ein Duett mit Bethany Cosentino von Best Coast, und "Foolish Father", das mit einem "Everything Will Be Alright In The End"-Mantra ausgestattet wurde, sind weitere Highlight auf dem Album.

Nicht alle Songs können jedoch auf der Habenseite verbucht werde ("The British Are Coming", "Da Vinci") und das abschließende, "The Futurescope Trilogy" betitelte Space-Rock-Epos (bestehend aus den Songs "I. The Waste Land", "II. Anonymous" und "III. Return To Thaka") darf freundlich als ambitioniert bezeichnet werden, stammt aber eher aus dem Papierkorb von Queen oder Muse.

Obwohl "Everything Will Be Alright In The End" häufig an die guten alten Zeiten der Band erinnert und das Album in sich geschlossener und besser ist, als einige seiner acht Vorgänger, so wird es sicherlich nicht den erwünschten Stellenwert in der Diskografie von Weezer erhalten, denn im Zweifelsfalls legt man dann doch lieber eine der ersten drei Weezer-Platten auf.    


Weezer wirken so unverkrampft und vergnügt wie lange nicht mehr. Vielleicht liegt es an der Rückkehr von Produzent Ric Ocasek, der die Gitarren so schön brummig klingen lässt und Rivers Cuomo im Studio angeblich manchen Unsinn ausgeredet hat. Jedenfalls gibt es diesmal keine Rap-Einlagen, keinen Steve Aoki und kein Toni-Braxton-Cover. „We belong in the rock world“, singt Cuomo in „Back To The Shack“, der haarsträubenden ersten Single, die dem Album schon vor seiner Veröffentlichung einen unverdient schlechten Ruf einbrachte.

Dabei hat es mehr zu bieten: Im Opener „Ain’t Got Nobody“ paart Cuomo Selbstmitleid mit einer Melodie, wegen der man vor Lebensfreude Luftsprünge machen möchte. „Go Away“ ist ein entzückendes Bubblegum-Pop-Duett mit Bethany Cosentino von Best Coast. Nichts auf EVERYTHING  … wirkt, als hätte Cuomo versucht, zu rocken „like it’s ’94“, obwohl er das in „Back To The Shack“ behauptet. Lieber lässt er seiner Kreativität freien Lauf, auch wenn nicht jedes Experiment gelingt. „I’m letting all of these feelings out even if it means I fail“, singt er. Wenn wir Weezer-Fans das immer noch nicht kapiert haben, sind wir tatsächlich arme Trottel.
(Musikexpress)

Eine Mischung aus dem schwebenden Debüt und den wild umherschwirrenden, durchgeschepperten Gitarrenmelodien von "Pinkerton" sollte dieses Album werden. Klingt hin und wieder auch so, allein es fehlen Herz und Schmerz. Da kann Cuomo noch so oft vor sich hinleiden und "Ain't got no one to love and hug me" singen wie im etwas besseren Opener, es reicht nicht. Damals hätten wir ihn in den Arm genommen. Heute wirkt das eher befremdlich.

Zu allem Überfluss wird es am Ende auch noch richtig arty, wenn Cuomo mit einem Dreiteiler dieses Album ganz groß abschließen möchte. Was natürlich auch nach hinten los geht. Die wenigen wirklich guten Momente zaubern Weezer immer dann aufs Parkett, wenn sie es wie in "Da Vinci" und "Go away", dem überaus charmanten Duett mit Bethany Cosentino von Best Coast, ganz locker und luftig angehen lassen. Ein paar Huhus hier, ein bisschen Gepfeife dort, und fertig ist der Sommersong, der ihnen viel besser steht als dieses ganze aufgesetzte, selbstmitleidige Getue, für das Cuomo mittlerweile einfach ein paar Jährchen zu alt ist. Vielleicht ist es auch die Pose, in der sich der Rezensent selber langsam erkennt, sie aber nicht wahrhaben will. Bis dahin weiterhassen und alle Energie auf die Reflektorschilde.
(Plattentests)

2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Versucht schon sehr wie das Debütalbum zu klingen...

5,5 Punkte