Sonntag, 5. Oktober 2014

Martin Carr - The Breaks




















Man darf sich durchaus fragen, wo das deutsche Indie-Label Tapete Records den englischen Musiker Martin Carr ausgegraben hat. Das Warum klärt sich spätestens beim Hören von "The Breaks". 

1995 hatte Carr als Songwriter und Gitarrist der Band The Boo Radleys im Verlauf der Britpop-Welle mit "Wake Up, Boo!" einen Top Ten-Single-Hit, der immer noch häufig morgens im Radio zu hören ist, und das dazugehörige Album "Wake Up!" kletterte sogar an die Spitze der englischen Charts. Diesen Erfolg konnten die Nachfolger "C'mon Kids" (1996) und "KIngsize" (1998) nicht wiederholen, obwohl sie qualitativ nicht schlechter waren. Ihr Meisterwerk legten The Boo Radleys jedoch bereits 1993 mit "Giant Steps" vor und eine Bestenliste des Britpop, die ohne diese Platte auskommt, kann nicht ernst genommen werden.

Mit dem Ende der 90er Jahre lösten sich The Boo Radleys auf, deren Sänger Sice veröffentlichte unter dem Namen Eggman ein harmloses Album, Martin Carr ließ unter dem Namen Brave Captain mit den beiden "Fingertip Saint Sessions" (2000 und 2001) aufhorchen, sang jedoch nicht in der gleichen Liga wie Sice und verlor sich (und sein Gespür für tolle Melodien) in den folgenden Jahren irgendwo zwischen Electronica und Klang-Experimenten.   

Dank der, auch für Carr überraschenden, Anfrage von Tapete Records können wir seit einigen Tagen nun "The Breaks" in den Händen halten. Martin Carr lebt seine Begeisterung für den Merseybeat und Psychdelic-Pop der 60er Jahre (The Beatles, Love, The Kinks), Burt Bacharach-Arrangements (Streicher! Bläser!) und eine Wall of Sound-Produktion im Stile Phil Spectors aus, lässt Westcoast und Soul mit einfließen ("The Santa Fe Skyway") oder präsentiert sich als Singer/Songwriter in schlichtem Sound-Gewand ("The Breaks"). Songs wie "Mandy Get Your Mello On" oder "Senseless Apprentice" stehen den Boo Radleys so nahe, wie nichts was ich in den letzten 15 Jahren gehört habe. 

Toll, dass Tapete Records dafür gesorgt hat, dass wir diese 10 Songs zu hören bekommen. Die Krönung wäre es gewesen, wenn man Carr zu einer Zusammenarbeit mit Sice Rowbottom hätte bewegen können.



There’s a lifetime of careful listening on show here, allowing Carr to play around with proper breezy Marvin Gayeisms on opener ‘The Santa Fe Skyway’ and follow it up with the lemonade-guzzling Elvis Costello pop of ‘St Peter In Chains.’ For a man who once made of pointing of saying he didn’t idolise Paul Weller like his Britpop contemporaries there’s a lot of late Jam and Style Council in evidence here, especially on the soul-boy kickback of ‘Mountains’, and the hammond flecked ‘Mandy Get Your Mello On.’ (...)

In truth there’s not a great deal to say about The Breaks. It neither needs nor wants close examination, it just requires your enjoyment. It deserves that attention too - no worlds will be changed, nor hearts broken here, but every spinners a winner and every cut hits its mark with skill. Solidly crafted and splendidly written.
(Drowned In Sound)



3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Und jetzt die Boo Radeys-Reunion bitteschön!

7 Punkte

Volker hat gesagt…

Da hatte ich mir irgendwie mehr erhofft

6