Montag, 14. Juli 2014

Morrissey - World Peace Is None Of Your Business




















2004: "You Are The Quarry", das Comeback-Album von Morrissey wird bei Platten vor Gericht zum Album des Jahres gewählt.

2006: "Ringleader Of The Tormentors" positioniert sich zwei Jahre später auf dem 4. Rang unserer Bestenliste.

2009: "Years Of Refusal" kann drei Jahre später diese Platzierung mit einem Punktedurchschnitt von 8,14 halten. 

2014: "World Peace Is None Of Your Business" erscheint. Die Abstände zwischen den Alben werden größer, die Qualität der Platten sinkt. Dabei wird das zehnte Studioalbum von Morrissey vom Titelsong und "Neal Cassidy Drops Dead" äußerst stark eröffnet, doch dann gerät das Album ins Schlingern und Trudeln und stürzt einen bis zum Ende in ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem gelungenen Auftakt wir mit "I'm Not A Man" ein Song an dritter Stelle des Album positioniert, der zunächst mit eineinhalb Minuten überflüssigen Rauschens beginnt und dem Album komplett den Wind aus den Segeln nimmt. Bis der sich langsam aber stetig steigernde Song an Fahrt und Spannung aufnimmt, vergeht noch einmal die gleiche Zeitspanne. So kann man den Ablauf eines Albums auch selbst sabotieren. "Istanbul" knüpft hingegen mit seinen rockigen Gitarrenriffs an "Neal Cassidy Drops Dead" an. 

Spanische Klänge dominieren anhand von Gitarren, Bandoneon und Trompeten "Earth Is The Loneliest Planet", "Staircase At The University" und "The Bullfighter Dies" und läuten drei schwächere Songs des Albums ein. Ausgerechnet mit der Single ("Hooray, hooray, the bullfighter dies, and nobody cries, because we all want the bull to survive") enttäuscht Tierfreund Morrissey, der uns auf Hits wie "Irish Blood, English Heart", "First Of The Gang To Die", "You Have Killed Me" oder "I'm Throwing My Arms Around Paris" leider vergeblich warten lässt und für Textzeilen wie „Mad in Madrid / Ill in Seville (...) Gaga in Malaga / No Mercy in Murcia“ fehlt mir persönlich leider der Humor. Das folgende "Kiss Me Alot" kann die spanischen Gitarren auch nicht ablegen, kommt einer klassischen Morrissey-Single melodiös jedoch noch am nächsten.


      

"Smiler With Knife", "Kick The Bride Down The Aisle" und vor allem das abschließende "Mountjoy" (Folksong trifft Streicher trifft seltsame Störgeräusche) sorgen für einen gelungen Ausklang. "Oboe Concerto" möchte ich einfach verschweigen und wünschte, Morrissey hätte dies ebenso getan. 
Die Deluxe Edition weist noch 6 Bonus-Tracks auf gutem ("One Of Our Own", "Art Hounds") bis mäßigem ("Julie In The Weeds") B-Seiten-Niveau auf, so dass das Album insgesamt 80 Minuten läuft. 

Von der Kritik wird "World Peace Is None Of Your Business" sehr wohlwollend aufgenommen, so kommt Metacritic aktuell auf einen Wert von 78/100 Punkten (bei 10 berücksichtigten Kritiken).

Not as great as you might have hoped, but far better than you might have feared, a little more reliant on others than a man who ended his Autobiography claiming that "I have never had anything in my life that I did not make for myself" might care to admit, World Peace Is None of Your Business may be as good as it gets at this stage in his career, which is good enough.
(The Guardian)

Der Albumtitel zeigt, dass dem 55-Jährigen immer noch griffige Bonmots einfallen, die Kernaussagen seiner Texte kann man mittlerweile aber auswendig herunterbeten: Regierungen sind böse („World Peace...“), die Menschen abscheulich („Mountjoy“) und „Sex is not the same as love“ („Smiler With A Knife“). Die einzige „Innovation“: Dieses Mal hebt Morrissey seine Themen auf eine globale Ebene. Es geht um Weltfrieden und um den brutalen Planeten Erde. „Brazil and Bahrain. Oh, Egypt, Ukraine, so many people in pain.“ Da ist es nur schlüssig, dass sich auch Anklänge von Weltmusik in die Songs schleichen: ein Akkordeon unterbricht „Earth Is The Loneliest Planet“, eine Flamenco-Gitarre durchfährt „Staircase At The University“. Das alles hört sich weniger schlimm an, als man vermuten würde. Mit Jesse Tobias und Boz Boorer hat Morrissey Musiker in seiner Band, die ihm ein paar solide Songs geschrieben haben. „The Bullfighter Dies“ ist ein eingängiger Zweiminüter, das theatralische „I’m Not A Man“ motiviert Morrissey zu einer großartigen, musicalhaften Gesangsleistung. Und „Smiler With A Knife“ ist fast so schön wie „Asleep“ von den Smiths.

Leider verpasst Produzent Joe Chiccarelli der Platte einen Rocksound, der ihr nicht gut bekommt. Einmal singt Morrissey in „Kick The Bride Down The Aisle“ sanft: „You’re that stretch of the beach, that the tide doesn’t reach“. Harfen flirren, Glocken bimmeln. Und kurz sieht man den Sänger da stehen, auf diesem verlassenen Abschnitt des Strandes, einsam und traurig wie Lana Del Rey. Doch gleich darauf fährt die Rockgitarre dazwischen und zerstört den Moment.

So ist WORLD PEACE ... wie viele späte Morrissey-Platten: eingängig, aber grobschlächtig. Routiniert und irgendwie emotionslos. Laut Jesse Tobias sind aus den Sessions genug Songs für ein weiteres Album übriggeblieben. Hoffentlich hat sich Morrissey die besseren aufgespart. Und hoffentlich produziert sie beim nächsten Mal jemand, der ein besseres Gespür dafür hat.
(Musikexpress)


7 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

7,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Sein bestes Album seit vielen Jahren. 8 Punkte

aXel hat gesagt…

8

Volker hat gesagt…

Für Morrissey Verhältnisse wieder schwach

7

Volker hat gesagt…

Ich frage mich gerade, wie ich für das ähnlich schwache Years Of Refusal 8,5 Punkte zücken konnte...

Dirk hat gesagt…

Ingo dürfte mit seiner Meinung ziemlich allein sein, damit er dies bei der Wertung nicht auch ist: 8 Punkte

U. hat gesagt…

7,5 Punkte.