Dienstag, 6. Mai 2014

Yesterday Shop - Parodos


















Tun wir zunächst einmal etwas für unsere Bildung: Die griechische Tragödie (tragodia = Bocksgesang) versetzt ihren Protagonisten in schicksalhafte Verstrickungen, die so ausweglos sind, dass er der drohenden Katastrophe nicht entkommen kann und "schuldlos schuldig" wird. Sie hatte ihre Blütezeit zwischen 490 und 406 v. Chr. und ihre bekanntesten Dichter waren Aischylos, Sophokles und Euripides. Befolgt wird ein bestimmtes Grundschema, bestehend aus Prolog, Episode, Exodus und Chorpartien, das nicht verändert werden konnte. Die Parodos ist im letzten Part der erste ganze Teil des Chorauftritts nach dem Einzug durch die Seitenflügel.

Tun wir nun etwas für euren Plattenschrank und -teller: "Parodos" ist das zweite Album der Band Yesterday Shop. Da wir bei deren Debütalbum etwas spät an der Reihe waren, sei hier nun frühzeitig auf die am 09.05. in (passend zu Titel und Cover) marmoriertem Vinyl erscheinende Platte hingewiesen. Yesterday Shop sind Sönke Strauch, Daniel Bender, Oliver Heinrich, Clemens Kluck und Florian Wienczny und sie verwickeln ihre Zuhörer, ähnlich wie Slut, Foals oder die frühen Radiohead, in verspielten, melodiösen Gitarrenrock mit melancholischen Untertönen. Eine Tragödie hat der gewillte Plattenkäufer hier wirklich nicht zu befürchten! 

"Trees And Games" wurde als erste Single ausgewählt und mit einem Video versehen, unten kann man auch noch die zweite Single "The Good Life" hören:


Das im Mai erscheinende Album Parodos will in britischer Manier sophisticated sein, in allerlei Schattierungen schillern, geheimnisvoll und abgründig anmuten, zumindest aber einem Get Well Soon um nichts nachstehen. Es hat sich also wirklich viel vorgenommen – und ätzt dabei nie unter der Last der Absichten. Parodos imponiert, etwa beim opulent zelebrierten Finale von My Fortune oder im Kontrast von sanften Piano-Strophen und gitarrigen, fanfaresken Refrains bei Trees And Games. Es ist ein Album für Connaisseure, die es schätzen, wenn Niveau süffig bis handfest daherkommt. Solch eine Platte zu machen, das nenne ich mutig. Am Unterfangen nicht zu scheitern, das jedoch verdient noch mehr Applaus.
(lie in the sound)

Bewegte sich Band um den charismatischen Sänger und FrontmannCLEMENS KLUCK auf dem Vorgänger noch vornehmlich im musikalischen Bereich zwischen Shoegaze, Post-Rock und Electronica so wurden die stilistischen Koordinaten diesmal hin zu raffiniertem Indie- / Progressive-Rock verschoben, den die stets inspiriert aufspielende Gruppe zudem mit lässig-catchigem Pop- und Dancefloor-Appeal sowie mehrstimmigem Harmoniegesang verfeinerte. So enstanden unter der erneuten produktionstechnischen Regie von KRISTIAN KÜHL soundtechnisch kongenial in Szene gesetzte, wundervoll expressive Klangwelten, erweisen sich die Musiker als Meister der perfekten kompositorischen als auch arrangementtechnischen Dramaturgie. Kunstvoll entfalten die elf zwischen harmonischer Klarheit und epischer Wall-Of-Sound-Opulenz oszillierenden Tracks dabei sukzessive, aber dafür umso nachhaltiger ihre hochmelodische Strahlkraft.
(broken silence)




Ladenöffnungszeiten von Yesterday Shop:

14.05.14 Berlin, Lido
15.05.14 Leipzig, Täubchenthal
16.05.14 Frankfurt, Günes Theater
17.05.14 Stuttgart, Merlin
19.05.14 Hamburg, Molotow (Exil)
29.05.14 Dortmund, Way Back When Festival


2 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Es reicht nicht ganz zu 7 Punkten.

6,5 Punkte

Volker hat gesagt…

dito

6,5