Donnerstag, 8. Mai 2014

Embrace - Embrace






















So ganz zufrieden scheint die Band Embrace mit ihrer musikalischen Vergangenheit nicht zu sein. Nur so kann ich mir erklären, dass auf dem sechsten Album der Band mit Zählstichen eine “5” gezeigt wird. Mindestens ein Album möchten die Herren anscheinend ungeschehen machen.

Schon seit Anfang der 90er Jahre musikalisch aktiv verschafften die Single “All you good good people” 1996 und das Longplay Debüt  1998 Aufmerksamkeit. Im UK erreichte “The good will out” gar Platz 1 der Charts. Die beiden folgenden Werke enttäuschten im Vergleich dazu kommerziell. Vermutlich sah die Plattenfirma daher von einer weiteren Zusammenarbeit ab.

Unter Independent Flagge folgten in den Jahren 2003 und 2006 mit “Out of nothing” und “This new day” zwei erfolgreiche Platten, die es wieder auf Platz 1 der britischen Charts schafften. Unerwartet kam es danach zu einer langen Pause. Somit erscheint nun “Embrace” erst acht Jahre nach “This new day”.

Eine gewisse Nähe zu Coldplay zeigte sich nicht nur in einer gemeinsamen Tour sondern auch in Chris Martins Beitrag zum ersten Comeback in Form der Single “Gravity”. Auch musikalisch wird man auf “Embrace” häufig an diese Blaupause einer erfolgreichen britischen Pop Band erinnert. Andere Erfolgsgaranten wie The Killers und U2 scheinen ebenfalls auf Embrace abgefärbt zu haben. Und auch der Einsatz elektronischer Spielereien scheint Embrace zu inspirieren. Überrascht haben mich der ein oder andere prägnante Gitarrenpart auf “Embrace”.

Schon mit ihrer Namenswahl machte Embrace keinen Hehl daraus, dass sie so manches Rad nicht neu erfinden möchte. Man fand den Namen gut und störte sich nicht weiter daran, dass eine amerikanische Band diesen bereits Mitte der 80er Jahre genutzt hatte. Und im gleichen Sinn verwursten die Engländer auf “Embrace” vieles von dem, was erfolgreiche Pop und Indierock Musik in den letzten Jahren hervorbrachte.

Melodien und den ein oder anderen starken Song hatte die Band schon immer auf der Pfanne. Nur die Stimme des Sängers Danny McNamara schien mir zu häufig etwas zu dünn. Vielleicht besteht seine Kernqualifikation ja auch nur in der Verwandtschaft zu seinem Bruder an der Gitarre (dieser übernahm übrigens auch die Produktion von “Embrace”). Doch auf “Embrace” fällt dieser stimmliche Makel wegen der reichen Arrangements kaum noch auf. Nach einem soliden Einstieg mit den ersten vier Songs kommen mit “Follow you home” und “Quarters” zwei Tiefschläge, bevor mit “At once”, “Self attack mechanism” und “A thief on my island” die Glanzpunkte folgen.

“Embrace” stieg im UK auf Platz 5 in die Charts ein. Offensichtlich ist die Band nicht in Vergessenheit geraten. Auf den Festivals im Juli (“T In The Park”) und August (“V”) werden viele Menschen deren Refrains grölen. Das zweite Comeback scheint geglückt. Wer mit dem Pathos britischer Bands nicht umgehen kann, sollte die Hände von “Embrace” lassen.

Offensichtlich haben selbst Engländer Probleme mit dem Album, zumindest diese Stimme in "The Guardian":
Gone are the days when Embrace could be dismissed as mere Oasis copycats. These days the Yorkshire band have made a brave stylistic shift, and find themselves more accurately described as Coldplay copyists instead. In fairness, they do what Coldplay do at least as well as Coldplay themselves.
Stephen Brolan hingehen meint:
When they’re in this kind of form, Embrace’s music and lyrics are almost literary – speaking to you beyond its simple format. You’re not just hearing music – like reading a book, you’re being led into another place that dares you to look inwards. It’s music that enfolds itself – meta-music, making more apt the album’s eponymous title – with a terse but vivid lyrical slant that favours the likes of Vonnegut or Hemingway: concision that becomes more profound the more you delve.

In einigen Kinos wurden vorab mit dem Film “Magnetic north” die Live Versionen der “Embrace” Songs vorgestellt. Daraus stammt auch diese Aufnahme von “Protection”:

6 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Was mir letztens in London auffiel: Wenn man früher (so in den 90ern, in der Hoch-Zeit des Britpop) über den Camden Market schlenderte, lief an jedem Stand, wirklich JEDEM Stand, Acid Jazz Musik, obwohl Rest-London mit Oasis, Blur und Pulp beschallt wurde. Wenn man heute über den Camden Market läuft, hört man unglaublich viel Britpop aus den 90ern. Wenn da das neue Embrace-Album laufen würde, würde es (größtenteils) gar nicht weiter auffallen. Ist das jetzt ein Kompliment? Ich meine doch, auch wenn es für 'Quarters' einen Punktabzug gibt! 7 Punkte

Ingo hat gesagt…

8 Punkte

noplace hat gesagt…

ist nicht euer ernst?!

4 Punkte

Dirk hat gesagt…

Dann muss ich auch jetzt: Etwas besser als die "Neuerfindung" von Coldplay. Auch wenn ich beim "Blue Monday"-Beat in "Protection" und beim "Smalltown Boy"-Anfang von "Refugees" immer lachen muss!

6,5 Punkte

aXel hat gesagt…

7

Volker hat gesagt…

Weiß gar nicht, warum allerorts so über das Album gemeckert wird

7,5