Sonntag, 30. März 2014

Dillon - The Unknown



















Es gibt diese Alben, die hat man einige Male gehört, bewertet und bei der Auflistung seiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres außen vor gelassen, um dann später festzustellen, dass man sie im Gegensatz zu höher bewerteten oder in die eigene Top 20 aufgenommene Platten immer noch hört und insgesamt viel häufiger aufgelegt hat.
"This Silence Kills" von Dillon ist bei mir so ein Fall.

Die in Brasilien geborene Sängerin und Pianistin veröffentlicht 3 Jahre nach ihrem Debüt mit "The Unknown" nun ihr zweites Album. Dabei besticht Dominique Dillon de Byington, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, erneut durch ihre brüchige und viel älter als 26 Jahre klingende Stimme, und ein deutlich reduzierteres Arrangement. Meist sind neben ihrem melancholischen Gesang nur Piano oder Synthesizer zu hören, die von knisternden, knackenden, wabernden, wummernden, klickenden und klackernden Rhythmen und Bässen unterlegt werden.
Daran können sich Björk und Lykke Li für ihre nächsten Platten ein Beispiel nehmen. Und ich nehme mir vor, Dillon bei der Zusammenstellung meiner Jahres-Top 20 nicht (wieder) zu übergehen!   
  
Es rumort. Metallene Rohre machen aus den Songs ein perkussiv klapperndes, post-dubsteppiges, minimalistisches Gebilde, in dem es unentwegt flirrt. Gleichzeitig verankert das Piano bewusste einfache Akkorde, oder einzelne Noten puristisch in der Erde. Das klare Piano überstrahlt die dunkle, elektronische Komponente. Dillons charakteristische leicht verkaterte Mädchenstimme legt sich über die dicht-flüssige Masse an kalten Beats. Mit der intuitiven Sicherheit eines Traumwandlers schwebt Dominique Dillon De Byington souverän und zugleich fragil auf unterschwellige Elektronik zu. Anmutige Trübsal macht ihre unperfekte Direktheit aus. Unangepasste Grazie lässt Dillon schüchtern wie elegant tänzeln ohne an Zerbrechlichkeit zu rücken.
(the gap)


Der Nachfolger The Unknown wurde wieder gemeinsam mit Thies Mynther und Tamer Fahri produziert und kommt nun schon weniger unerwartet, entwickelt Dillons Sound aber auf angenehme und reife Art fort. Es klingt fast, als hätten alle Beteiligten immer besser verstanden, wie man Dillons Stimme mit minimaler Instrumentierung zur vollen Strahlkraft bringt. Entschlackt und dadurch umso eindringlicher präsentieren sich die zwölf neuen Songs, die unnötigen Po(m)p komplett über Bord werfen und aus punktuiertem Piano-Einsatz, Dillons Stimme und gelegentlichen Subbässen und Elektroniktupfern maximalen Effekt herausholen. Der Feist-ige Wohlklang, der beim Erstling noch gelegentlich durchschimmerte, ist hier einer reduzierten Dramatik gewichen, die dadurch umso stärker Eindruck hinterlässt. Ein Album, bei dem man nichts hinzufügen oder weglassen möchte.
(Groove)

Und dass man die Melodie der Single „A Matter Of Time“ schon nach dem zweiten Hören mitpfeifen muss, ist auch nicht das schlechteste Zeichen. „A Matter Of Time“ ist aber auch ein schönes Beispiel dafür, wie in der Postmoderne musikalische Bestandteile der unterschiedlichsten Herkunft sich zu etwas Neuem zusammenfügen können. Ohne retromanische Hintergedanken. Antagonismen werden bei Dillon zu logischen Entitäten, als wäre das eine Selbstverständlichkeit: Folk und/oder Kunstlied (Dillons Gesang und das Piano), Dreampop (die flächigen Sounds) und die gerade mal aktuellsten Entwicklungen in der elektronischen Musik (der Subbass) – würden diese Merkmale für sich alleine stehen, würden sie wohl keinen Innovationssucher hinter dem Ofen hervorlocken. Oder „You Cover Me“. Dem kinderliedartigen Charakter des Songs jubelt Dillon ein ultra-abstraktes, fast schon Industrialartiges Instrumental unter.
(Musikexpress)

3 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Wie angekündigt:

8 Punkte

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

U. hat gesagt…

7 Punkte.