Montag, 10. Februar 2014

The Jezabels - The Brink



















Fast zwei Jahre ist es schon her, dass wir wegen der Stone Roses Reunion in Manchester waren. Während unseres Aufenthaltes dort gaben auch Garbage ein Konzert, das wir spontan ebenfalls besuchten, obwohl wie beide Bands bereits kurz zuvor beim Hurricane Festival gesehen hatten (- jedoch waren die Auftritte in Manchester wesentlich besser. Aber welche sind das im Vergleich zu großen Festivals eigentlich nicht!?). Ein wenig schade war, dass wir im Vorprogramm von Shirley Manson & Co. eine Band namens The Jezabels verpassten (pünktlicher Konzertbeginn trifft auf 30-minütiges Konzert trifft auf Anfahrt, die länger als gedacht ausfiel), die 2011 mit ihrem Debütalbum Platz 2 in ihrer australischen Heimat erreicht hatten.

"Prisoner" hatten wir auch hier bei Platten vor Gericht übersehen, aber das soll uns mit "The Brink" nicht passieren. Die 10 Titel ihrer zweiten Platten nahmen Hayley Mary (Gesang), Samuel Lockwood (Gitarre), Heather Shannon (Keyboards) und Nik Kaloper (Schlagzeug) in London auf. Und vielleicht ist es ihrem Produzenten Dan Grech-Marguerat, der auch schon für Hurts, Tom Odell oder Keane tätig war, geschuldet, dass der Sound auf "The Brink" noch eine Spur glatter und polierter ausgefallen ist als auf "Prisoner" und dass sich das Ganze deutlich in Richtung Pop (Blondie, Tegan And Sara, Fleetwood Mac, The Naked And Famous) verschiebt. 

Als erste Single wurde "The End" ausgekoppelt und zu "Look For Love" gibt es bereits ein weiteres Video:     



Ob nun der freche Tanz-Takt des treffend betitelten "Time to dance" zu überzeugen weiß, oder der hymnische Refrain von "Look of love" mit seinem pointiert-nachgestelltem Gitarrenriff mehr fesselt, liegt höchstens im Gehörgang des Rezipienten. Viel falsch machen kann man hier sowieso nicht. Machen auch The Jezabels nicht. Und weil Erwartungen auch nicht relevant sind, kokettieren die vier Perfektionisten im ungewöhnlichen, aber großartigen "Beat to beat" konsequent mit der großen, weiten Girlpop-Welt – und schielen dabei mit einem Auge in Richtung R'n'B-Club. Heute schon einen Ohrwurm gehabt?

Und auch wenn "The brink" sämtliche Arme gen Pop-Olymp reckt, bleiben The Jezabels sensibel für den Moment, wann sie vollends zutage treten dürfen: die Melancholie und Sehnsucht, die in fast jedem Song stecken – wenn auch meistens verschleiert. "Angels of fire" ist da ein Paradebeispiel. Zunächst nur getragen von Vokalistin Hayley Marys zartem Organ, schleicht der Song sich behutsam ins Ohr – um dann getragen von präzise polternden Drums und einem Keyboard- und Gitarrenteppich auszumäandern. (...)

Klar, man muss Haley Marys Stimme, die sich immer irgendwo zwischen subtiler Filigranität und kitschigem Wahnsinn bewegt, wirklich mögen, um "The brink" ins Herz zu schließen. Man muss ebenso offen dafür sein, dass The Jezabels sowohl musikalisch und auch in den Geschichten vieler Songs so nahe am Rand des Pop-Gipfels balancieren, sodass ein Absturz in die Tiefen der übertriebenen Theatralik manchmal nur einen Fußbreit entfernt ist. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – hat dieses "The brink" das Potenzial, länger zu strahlen, als vieles, was da noch auf uns zukommt.
(Plattentests)



Bei mir hält sich die Begeisterung für "The Brink" in Grenzen und ich weiß noch nicht, ob ich die sich im März ergebende Gelegenheit, den verpassten Auftritt von The Jezabels nachzuholen, nutzen werde:

14.03.14 Hamburg, Übel & Gefährlich
15.03.14 Berlin, Astra
16.03.14 Frankfurt, Sankt Peter
18.03.14 München, Freiheiz
20.03.14 Köln, Gebäude 9

2 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

"No Country" gefällt mir, dazu noch der ein oder andere Song. In der Gesamtheit bin ich für "The Brink" bei 6,5 Punkten.

Ingo hat gesagt…

5,5 Punkte