Mittwoch, 26. Februar 2014

Neil Finn - Dizzy Heights



















Crowded House. Was habe ich die Band gemocht! Ich besitze die ersten drei Alben der Band auf Platte, habe Crowded House 1991 auch live in Bonn gesehen und das vierte Album "Together Alone" zwei Jahre später auf CD erworben, da man sich damals so langsam von den LPs verabschiedet hat. Daher darf man mich wohl als Fan bezeichnen, auch wenn mich ihre Trennung nicht besonders tief traf, ich ihr musikalisches Schaffen nach 1993 nicht weiter verfolgte und mich weder ihre Reunion noch die beiden folgenden Platten besonders interessierten.   

Doch nun hat Neil Finn mit "Dizzy Heights" sein drittes Soloalbum veröffentlicht, und alles was ich las klang recht spannend: In Zusammenarbeit mit seiner Frau Sharon (Bass) und den gemeinsamen Söhnen Liam (Gitarre) und Elroy (Schlagzeug) begab sich Neil Finn in die Hände des Produzenten Dave Fridmann (MGMT, Mercury Rev, The Flaming Lips, Tame Impala) und wagte reichlich musikalische Experimente, wie man sie auf einer Crowded House-Platte wohl niemals hören wird: Falsettgesang, verzerrte Stimmen, dubbige Rhythmen, schräge Samples, dramatische Orchestrierung, entspannter Chillwave, ein wenig Lennon & McCartney usw.

Das geht so weit, dass ich Songs wie "Impressions" oder "Divebomber" niemals einem Neil Finn zugeordnet hätte. Allzu verschrobener dürfte das letzte Album der Flaming Lips auch nicht gewesen sein, aber Finn hat im direkten Vergleich tatsächlich die besseren Songs im Angebot, zum Beispiel "Flying In The Face Of Love". Und Fans von Crowded House werden mit der abschließenden akustischen Ballade "Lights Of New York" auch noch versöhnt.

Hier kann man sich "Dizzy Heights" anhören:


The string arrangements in particular thrill and surprise, opening track Impressions recalling Isaac Hayes. While he echoes Lennon (the slapback vocal of Better than TV) and McCartney (the title track's bubbly synths recall Wonderful Christmas Time), his influences are worn lightly. Dizzy Heights is an apt title for an album airborne with vertiginous harmonies and references to astronauts and flight. Finn's airy falsetto against the grinding engines and sirens of Divebomber create a queasy weightlessness. "How I wish that I could come back again," sings Finn on In My Blood, co-written with fellow New Zealander Connan Mockasin. He has. Dizzy Heights stands alongside Finn's many career highlights, including his beloved Split Enz and Crowded House hits.
(Guardian)

Keine Frage: Neil Finn ist ein unterschätzter Künstler, der selten etwas tut, was aus dem Rahmen fällt.

Aus diesem Grund kann man die neueste Produktion von ihm leicht verpassen. Das wäre in diesem Fall ein schwerer Fehler. Es gibt Songs zu hören, die man auf keinem anderen Finn-Album findet. „White Lies And Alibis“ darf man getrost mit der Vokabel experimentell belegen. Ein Jazz-Dub-Groove steht so schon auf wackeligen Beinen und wird dann noch von einer schrägen Gitarre gestört. Bei „Divebomber“ muss man an die sphärischen Trips in der jüngsten Werkphase von The Flaming Lips denken. Selbst die melodisch klareren Kompositionen laufen nicht bloß glatt und diszipliniert durch.

Bei „Recluse“ denkt man wegen der Falsettstimmen zuerst an die Bee Gees. Nach hinten hin wandelt Finn dieses raffinierte Ding mehrfach ab und nimmt sich Zeit für eine Warnung vor zunehmender Vereinzelung im Internet-Zeitalter. Auf ausgelassenere Momente muss man bei DIZZY HEIGHTS deshalb nicht verzichten, ganz besonders nicht in den souligen Tracks zu Beginn des Albums, von denen einer nicht umsonst „Impressions“ heißt. Er ist schwer okay, dieser Reigen.
(Musikexpress)

Neil Finn in Deutschland:

07.05.14 Köln, Gloria
08.05.14 Berlin, Postbahnhof


6 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Da ist wirklich nichts geblieben vom federleichten Pop früherer Tage. Ganz grausam
4

noplace hat gesagt…

das einzig wahre 'dizzy heights' ist von den lightning seeds aus dem jahr 1996 und eine 10/10.

Dirk hat gesagt…

Ja, eine seltsame Titelwahl. Man nennt ein neues Album doch auch nicht "Parklife", "Different Class" oder "Definitely Maybe"!

Volker hat gesagt…

Aber wenn "Dizzy Heights" von The Lightning Seeds eine 10/10 ist, was sind denn dann "Cloudcuckooland" (was erinnere ich mich noch gern an das Interview und die Besprechung damals in der TEMPO) und "Sense"? 12/10?

Dirk hat gesagt…

Im Zweifelsfall griefe ich natürlich auch eher zu dem anderen "Dizzy Heights".

6,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

6 Punkte