Freitag, 24. Januar 2014

Ja, Panik - Libertatia




















Man singt Deutsch 05:

Auch wenn man wie Ja, Panik aus, na klar, Österreich kommt (und wie Garish auch in diesem Fall aus dem Burgenland. Kreative Ecke?). Kennt ihr das, eine Band wird immer berühmter und berühmter und sagt euch persönlich irgendwie immer weniger zu? Und das nicht auf diese unsinnige "Früher war alles besser" Art, nicht bezüglich "Ach damals als nur ich die kannte, da machten die noch tolle Alben". So etwas ist, gelinde gesagt, affig. Nein, eher auf so eine Art, dass man das Gefühl bekommt, eine Band nimmt sich mit Zunahme des Erfolges irgendwann zu wichtig. So ging es mir mit Ja, Panik und ihrem letzten Album "DMD KIU LIDT". Mit ihrem Debüt damals, das noch etwas rumpelig, ich möchte sagen "auf der Suche nach dem Weg" war, hatten sie mich zwar nicht restlos überzeugt, aber immerhin so weit aufhorchen lassen, dass ich beschloss dran zu bleiben. Und das sich das lohnen sollte, zeigten die beiden Folgealben "The Taste..." und "The Angst And The Money". Dann kam "DMD KIU LIDT", die Musikpresse jubelte, der werte Rezensent war der Band indes verloren gegangen. Viel zu viel Message, viel zu viele, viel zu lange Lieder, viel zu ruppig, ein Konglomerat, das mich in den meisten Teilen leider schaudern ließ.

Und nun also das neue Album, "Libertatia" benannt, und mit dem Titel "Platte des Monats" im Musikexpress und einhergehender !Höchstwertung!, schon mit reichlich Vorschusslorbeeren versehen. Soll mich das jetzt zuversichtlich stimmen? Ich gebe ohne Umschweife zu, mein Herangehen war etwas vorurteilsbelastet.
Und dann beginnt "Libertatia" gleich mit dem Titelsong so dermaßen cheesy, catchy, fast ein bisschen  80er behaftet, der Sound erinnert ein wenig an den französischen Eurovision Song Contest-Helden Sebastien Tellier, dass ich sofort alle Vorurteile vergesse. Man höre selbst





Und je länger das Album läuft, wird klarer und klarer, dass das Problem mit mir und dem letzten Album, wahrscheinlich nicht allein der Anspruch der Band war, sondern viel mehr der Sound. Dieses ganze Album klingt dermaßen geschmeidig, das es eine Freude ist. Man höre nur "Au Revoir" mit dieser leicht klingenden U2 Gitarre im Hintergrund. Später auf der Platte kommt auch noch ein Saxofon (Eigentlich Wissen Es Alle) ins Spiel, aber ich will die werten PvG-Mitstreiter nicht zu sehr erschrecken. Auch der Gesang von Andreas Spechtl scheint im Rahmen dieser Instrumentierung "sanfter" und melodischer geworden zu sein. Natürlich gibt es immer noch das bandmarkentypische Switchen zwischen Englisch und Deutsch, vielleicht sogar noch exzessiver als sonst, aber irgendwie klingt das alles feiner aufeinander abgestimmt. In manchen Momenten  muss ich kurz an die Entwicklung Blumfelds zu Zeiten von "Old Nobody" denken, und das meine ich ausschließlich als Kompliment. Selbst schwächere Momente des Albums, wie für mich z.B. "Chain Gang", sind nie so anstrengend, dass man weiterskippen wollen würde.

Ja, Panik beweisen mit "Libertatia" also vor allem: Man soll sich nie zu sehr an seinen Vorurteilen festklammern UND man wird nie so positiv überrascht, als in den Momenten, in denen man mit nahezu nichts rechnet.
Ach ja und eine weitere rein persönliche Erkenntnis des Rezensenten, die Entwicklung, die bei mir 2013 begann, dass Alben oftmals mit ihrem Soundgerüst und ihrer Produktion stehen und fallen (Arcade Fire, Woodkid, Vampire Weekend etc), scheint sich auch 2014 so fortzusetzen. Hier ist alles so wunderbar watteweich und flauschig, dass es eine Pracht ist. Ich beende hiermit die kurze "Man Singt Deutsch"-Serie und schmeiße mich passend zur Musik in meine Kissen.
"Au Revoir".

4 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Eigentlich ist Eigentlich wissen es alle sogar trotz Saxofon das allerbeste Stück. Live war es ganz groß!

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Volker hat gesagt…

8,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Nein, keine Panik, aber auch keine Begeisterung.

4,5 Punkte