Montag, 14. Oktober 2013

Various Artists - And I'll Scratch Yours


















Die Grundidee des Projektes war eigentlich folgende: Peter Gabriel covert einige ausgewählte Songs anderer Künstler und im Gegenzug interpretieren diese wiederum jeweils ein Lied von Gabriel. Beide Platten sollten dann zeitgleich veröffentlicht werden. 

Im Februar 2010 erschien "Scratch My Back" mit den 12 von Peter Gabriel eingespielten Stücken, das Pendant "And I'll Scratch Yours" sollte im Verlauf des gleichen Jahres folgen. Sollte.

Aber nur 6 Künstler (Stephin Merritt, Paul Simon, Bon Iver, Lou Reed, Elbow und David Byrne) lieferten fristgerecht ihre Versionen von "Not One Of Us", "Biko", "Come Talk To Me", "Solsbury Hill", "Mercy Street" und "I Don't Remember" ab. So musste das Projekt auf unbestimmt verschoben werden.

Mittlerweile haben aber bis auf David Bowie (für ihn sprang Brian Eno, der "Heroes" mitkomponierte, mit einem Cover von "Mother Of Violence" ein), Neil Young und Radiohead (sagten angeblich ab, nachdem sie Gabriels Version von "Street Spirit" gehört hatten) zumindest Regina Spektor ("Blood Of Eden"), Randy Newman ("Big Time") und Arcade Fire ("Games Without Frontiers") ihre Titel nachgereicht. 

Erweitert um Gastbeiträge von Joseph Arthur ("Shock The Monkey") und Feist feat. Timber Timbre ("Don't Give Up") erschien vor einigen Tagen "And I'll Scratch Yours". Das Album ist bei weitem nicht so stimmig wie "Scratch My Back", bietet - je nachdem ob man werkgetreue (etwa Regina Spektor) oder recht freie bis tollkühne Interpretationen (z.B. Lou Reed) erwartet - einige diskutable Versionen an, ist auf jeden Fall von den eigenen Vorlieben abhängig (für mich toll: Elbow, Arcade Fire, Feist / für mich schrecklich: Randy Newman) und stellt zumindest eine nette Ergänzung zu "Scratch My Back" dar. 

By rights, Arcade Fire’s accomplished strangeness should be perfectly suited to approaching a Gabriel standard – but their ‘Games Without Frontiers’ sounds uncomfortable and awkward, and not in the way they’ve made their own.

Magnetic Fields’ Stephen Merritt turns in a fey take on ‘Not One Of Us’, sounding like one of synth-pop’s New Romantic Bowie-loving also-rans. Elsewhere, Elbow, Bon Iver and the beguiling Regina Spektor offer authentic but overly deferential versions.

The best tracks are those that take a sledgehammer to the Gabriel originals completely. Lou Reed treats ‘Solsbury Hill’ to a feedback-soaked dirge, Brian Eno goes all menacing on ‘Mother Of Violence’, and David Byrne takes ‘I Don't Remember’ off in an emphatic, funky electronic disco direction.
(clash music)

Das Ergebnis ist – je nach Blickwinkel des Fans – zwiespältig. Während Paul Simon der Apartheid-Anklage „Biko“ im schlichten Gitarren-Gewand nichts Neues entartelocken kann und Brian Eno „Mother of Violence“ zu Industrialklängen vergewaltigt, bestechen vorrangig die ruhigeren und einfühlsameren Versionen von „Blood Of Eden“ (Regina Spektor), „Come Talk To Me“ (Bon Iver) oder „Don´t Give Up“ (Feist).

„Ich wollte, dass sich Künstler meine Songs inhaltlich zu eigen machen und etwas Neues schaffen. Es ist in allen Fällen gelungen“, freut sich der 63-Jährige und hebt im FOCUS-Interview Lou Reeds schräge Version von „Solsbury Hill“ hervor. „Typisch Lou, typisch großartig, ein Flehen um Erbarmen.“

Die tiefe Verbeugung aller Artisten vor Peter Gabriel mag zwar im Gesamtkontext nicht hundertprozentig funktionieren, da sie bei manchen zum Kniefall wird, hat am Ende aber einen ungemein positiven Neben- wenn nicht gar Haupteffekt: Man greift unweigerlich zu Gabriels Originalalben, und stellt erfreut und fasziniert zugleich fest, was für Perlen der Altmeister schon im Laufe seiner beeindruckenden Karriere geschrieben und gesungen hat.
(Focus)

2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Gelungen. 7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

So durchwachsen, wie man es bei solch einem Projekt erwarten darf.

6 Punkte