Montag, 7. Oktober 2013

Gloria - Gloria


















Bei Inas Nacht versuchte sich Klaas Heufer-Umlauf bereits an seinen Elvis Gesangskünsten und von Kollege Joko Winterscheidt wurde er in der gemeinsamen MTV Serie dazu gezwungen, "Angels" von Robbie Williams beim Rock am Ring zu performen.
Singen dürfte also kaum neues Land für den eigentlichen TV Moderator sein und so entstand zusammen mit dem früheren Wir Sind Helden Bassisten Mark Tavassol das Musikprojekt 'Gloria'. Ob zur Namensfindung diverse Erlebnisse im bekannten Kölner Theater beigetragen haben oder einer der beiden bibeltreu ist bleibt offen. Seit dem 27. September kann sich jedoch jeder davon überzeugen, was die beiden musikalisch abliefern, denn seit Freitag steht das Debüt von Gloria in den Läden und heißt praktischerweise genauso wie die Band.
'Gloria' wurde über Hebert Grönemeyers Label Grönland Records veröffentlicht und ist sowohl als Digital Download, als CD und als Vinyl + CD erhältlich. Tavassol fungierte dabei nicht nur an der Gitarre und am Bass tätig, sondern ist in den Credits ebenfalls als Produzent aufgeführt. Und als ob dieser nicht schon genug musikalisches Understatement mitbringen könnte, liest sich der Booklettext der Platte wie ein Sammelsurium des Labels und Tavassols Freundeskreis: Tim Schierenbeck, Ruben Seevers (Mitwirkung bei Lenas 'Stardust'), Marcus Schneider (tourte mit Nils Koppruch) und Deniz Erarslan (Gitarrist bei 'Fotos') ergänzen das Duo im Studio und auf der Bühne.
Als erste Single wurde Anfang September bereits 'Warten' veröffentlicht:


Nach dem ersten Hören der Platte fällt vor allem eines auf: musikalisch gibt es hier und da einige Mit-Wipp-Momente und sehr einprägsame Gitarren, Klavier und Streicher Parts. Textlich jedoch bleibt erstmal nicht viel hängen. In der Musikpresse fanden sowohl die Band selber, als auch das Album wenig Beachtung - zu Recht oder nicht?
Mit 'Warten' hat das Duo einen Opener ausgewählt, der dem Hörer eine raue Platte verheißen mag. Das wird jedoch mit 'Gute Nacht, bis Morgen' sofort wieder relativiert, denn wie im Namen schon angedeutet wird hier eher eine schläfrige Stimmung vermittelt (Ich fühlte mich an 'Die Nacht' von Wir Sind Helden erinnert). Das ist nicht weiter schlimm, nur kann der aufmerksame Hörer bei Zeilen wie "Mach dir keine Sorgen, ich werd da sein/ Ich geh jetzt schlafen/ Bis morgen" schnell zum Einschlafen gezwungen werden oder zumindest zu hinterfragen ob die beiden Herren das jetzt Ernst meinen. Die zweite Single 'Eigenes Berlin' kommt da schon etwas tiefer daher und endet nach poppigem Start in einer grandiosen Mischung aus Bläsern und Gesang.


Das nachfolgende 'Regen' ist ein grandioser Abgesang an eine verlorene Liebe und für mich der beste Song der Platte - nicht zuletzt durch den Text den Eno Bunger und co. beigesteuert haben. (Übrigens der einzige Song der nicht aus Heufer-Umlaufs/Tavassols Feder stammt) Ich hoffe dass ich nicht der einzige bin, denn ich fühle mich bei Klaas' Gesang stark an einen Philipp Poisel erinnert, der den zweiten Stimmbruch und den ersten Herzschmerz bereits hinter sich gebracht hat. 'Wie sehr wir leuchten' stellt ein textliches Abfeiern einer Männerfreundschaft da, wobei auch hier beim Großteil der Zeilen das Staunen eher ausbleibt ('Ich bin dein Freund/ Ich bin dein allerbester Freund'). Der Gitarrenteil erinnert zunächst an Goodbye Routine von den Donots, wovon man erstmal halten kann was man will. Das letzte Lied der Platte 'Die Zeit ist um' kommt mit eingängigen Jazz Drum Akzenten daher, was sich auf der ein oder anderen Tanzfläche der Republik sicherlich ganz gut macht.
Leider bleibt auch nach mehrmaligen Hören der Platte das große Staunen über das was die beiden uns da abgeliefert haben aus. Einige Stücke sind zwar instrumental gesehen recht nett geworden, dann wiederum hapert es an der textlichen Tiefe. Andere wiederum dürften auch instrumental gesehen ruhig etwas kantiger sein. Im Gesamtbild stellt 'Gloria' ein nettes Debüt und Experiment des Duo Heufer-Umlauf/Tavassol dar. Aber Experimente die nicht funktionieren sollte man nicht allzu oft wiederholen.

Termine:
07.11. Essen, Zeche Carl
08.11. Hannover, Musikzentrum
10.11. München, Ampere
12.11. Stuttgart, Wagenhallen
13.11. Leipzig, Werk 2
06.12. Frankfurt, Zoom
07.12. Köln, Gloria
08.12. Berlin, Lido
11.12. Hamburg, Uebel & Gefährlich

4 Kommentare:

Gudrun hat gesagt…

Ich bin schon etwas negativ voreingenommen, weil mir jetzt auf Facebook schon ständig die Platte vor die Augen geschoben wurde und das nervt mich gewaltig. Blöde Werbetaktik, die auch noch mit dem für mich guten Namen der Wir sind Helden Schindluder treibt.

Die Hörbeispiele hier sagen mir auch eher, dass ich mir die Platte nicht ins Regal stelle. Wertung bleibt damit auch weg.

Volker hat gesagt…

Damit habe ich nicht gerechnet verdammt.
Scheiß drauf, dass eine Zeitlang jeder zweite Schnulli mit Klaas Heufer-Umlauf Gedächtnisfrisur rumgelaufen ist. Und Moderatoren jetzt auch noch singen, wenn sie es denn so angenehm tun.
Ein ganz tolles Album, eine wunderbare Produktion, Hits wie an einer Schnur aufgereiht. Kein Ausfall, höchstens mal ein "nicht so toll, wie der Rest". Könnte mein zweitliebstes deutsches Album dieses Jahr werden, wobei ja "Die Höchste Eisenbahn" bald doch noch kommt, und ich da ganz Großes erwarte.
Ein ums andere Mal erinnert mich H-Us Phrasierung übrigens durchaus an den Label-Besitzer und "Regen" finde ich zwar auch gelungen, aber der allgemeine Tenor (den ich wahrgenommen habe) ist wohl eher, dass man sich damit keinen Gefallen getan hat, da Enno Bungers Version doch als deutlich ergreifender empfunden wird.
Während Eric Pfeil knapp auf 8 Punkte kommt besteht hier die Möglichkeit, dass irgendwann auch noch ein halber Punkt dazu kommt.

8 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Nichts für mich: 4 Punkte

aXel hat gesagt…

7