Mittwoch, 23. Oktober 2013

Casper - Hinterland


















10 Fakten zum neuen Album von Casper:

1. "Hinterland" ist, nach einem Album mit Kinder des Zorns (Rap Art War", 2004), das dritte Album von Casper - und das erste, das hier vorgestellt wird.

2. Wie "XOXO" (2011) stieg auch "Hinterland", das am 27. September veröffentlicht wurde direkt auf Platz 1 der deutschen Charts ein. Dort steht es aktuell - eingerahmt von Helene Fischer, Andrea Berg und den Kastelruther Spatzen, auf Platz 4. (Aber keine Angst: Die werden hier nicht vorgestellt werden!) Auch in Österreich (Platz 1) und der Schweiz (Platz 3) konnte "Hinterland" hohe Chartpositionen erreichen und den Erfolg von "XOXO" (dort Platz 14 bzw. 30) übertreffen. 

3. Bereits die Wahl der Produzenten deutet eine veränderte musikalische Ausrichtung an: Markus Ganter arbeitete zuvor mit Sizarr zusammen und Konstantin Gropper ist der Mastermind von Get Well Soon.

Man einigte sich schließlich darauf, dass Casper Hip-Hop für Menschen macht, die keinen Hip-Hop hören. Davon scheint es eine Menge zu geben, „XOXO“ ist mittlerweile vergoldet. Und nun, Höchstspannung, das schwierige Album nach dem großen Durchbruch. Mit „Hinterland“ verabschiedet sich Casper wie erwartet endgültig vom Hip-Hop. Als extremer Experimentierfreund holte er sich Konstantin Gropper (Get Well Soon) und Markus Ganter (Sizarr-Produzent) ins Studio, um seiner Leidenschaft für Indiemusik – immerhin hat er sich wegen Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“ ein Tattoo stechen lassen – musikalisch zu unterstreichen. Die beiden Produzenten haben bereits auf Musos Album „Stracciatella Now“ Erfahrungen in der Kreuzung von Indie und Hip-Hop gesammelt. Auch diesmal erledigen sie ihren Job mit Bravour. Es gibt Folk-, Rock- und Indie-Elemente wie Akustikgitarren, Handclaps, Klavier, Pauken, Bläser, Chöre. Die Songs strotzen vor spannenden Arrangements und schönen Spannungsbögen, sie sind abwechslungsreich und trotzdem homogen. Es gibt einen Editors-Gastauftritt, Woodkid-Bombast und Casper-Pathos, es ist Indiefolkrockpop mit Rapstimme für die Stadien.
Bis auf den Gastauftritt von Kraftklub und die Tatsache, dass Casper auf Deutsch spricht, hat das nichts mehr mit Hip-Hop zu tun. Mit seinen Texten skizziert er diesmal die Ödnis und Hoffnung(slosigkeit) von Vorort-Jugendlichen. „Man gibt uns gut zu verstehen: Die leeren Gläser der Theke sind beste Lupen aufs Leben“ – hätte auch Thees Uhlmann singen können. Auch schön: „Für alles zu haben, zu kaum was zu gebrauchen“. Überhaupt, diese grundsätzliche Sympathie, die dem 31-Jährigen aus jeder Pore strömt. Bester Beweis ist sein Auftritt bei Artes „Durch die Nacht mit...“, bei dem er es aus für den Rest der Menschheit unerfindlichen Gründen schafft, der extrem zickig-genervten Lena Meyer-Landrut gegenüber freundlich zu bleiben.
Doch ein Streitpunkt bleibt: Caspers Stimme. Im Rap ging das aus seiner Zeit als Punk/Hardcore-Sänger geschädigte Organ als authentisch durch. Im Zusammenspiel mit kunstvoll arrangierten Harmonien ist es allerdings... gewöhnungsbedürftig. „La Rue Morgue“ deutet an, wie sich dieses Problem lösen lassen könnte: Darin sprech-singt Casper wie ein junger, besoffener Tom Waits, der sich auf Seefahrt befindet und lieber Rap hören würde. Das könnte funktionieren.
(Focus)

4. Auch bei den prominenten Mitstreitern fand ein Austausch statt: Waren auf "XOXO" noch Thees Uhlmann und Marteria zu hören, sind es nun Tom Smith ("Lux Lisbon"), Sänger der Editors, und Kraftklub ("Ganz schön okay").

5. Bereits am Record Store Day waren Casper und Kraftklub zusammen in einem Song zu hören: auf der auf 700 Stück limitierten Single "Songs für Liam".

6. "Im Ascheregen" wurde am 2. August als erste Single aus dem Album veröffentlicht und erreichte Platz 4 der deutschen Charts (Österreich: 15, Schweiz: 42).


7. Casper im "Zitateregen" - das könnte vermutlich eine eigene Top 10 werden:  "Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin" zitiert Casper in "Im Ascheregen" wahlweise Slime ("Bullenschweine") oder Kettcar ("48 Stunden"), bei "Nach der Demo ging's bergab" folgen Textteile von Die Sterne, Ton Steine Scherben, Wir sind Helden sowie die Umkehrung einer Tomte-Zeile ("Du sangst die ganze Zeit von ihm, Ich sang die ganze Zeit nur von dir") und "Alles endet (aber nie die Musik)" beginnt mit einem Zitat von Turbostaat. Und dann wäre da noch die Erwähnung von "Champagne Supernova" und "Don't Look Back in Anger", die Casper nur noch hätte toppen können, wenn er bei "Ariel" ("Auf den Schultern von Giganten") den gleichen "Fehler" wie Noel Gallagher begannen und zunächst den Singular gewählt hätte.

Die Musik dazu hat sich radikal verändert, sie wurde von den Indiepop-Größen Konstantin Gropper (Get Well Soon) und Markus Ganter (Sizarr) produziert und klingt, mit Bläsern und Piano-Melodien, orchestraler opulenter und gewichtiger als das nervöse "XOXO". Vom HipHop ist nicht viel geblieben, Casper selbst, sagte er im Interview mit der "Berliner Zeitung", sieht sich selbst inzwischen eher als Singer/Songwriter, der die kanadische Pathos-Rockband Arcade Fire verehrt, Bruce Springsteen liebt und sich neue Genres und Stile erobern will. Das gipfelt in dem burlesk schunkelnden Stück "La Rue Morgue", das auf Tom Waits' grantelige Gotik abzielt, aber eher mit Pete Doherty im Pub landet.

Geschenkt. "Hinterland" ist ein sehr gutes und gereiftes Pop-Album voller Kraft und Hingabe. Es bietet eine neue Facette eines Künstlers, der noch lange nicht an die Grenzen seines Talents gestoßen ist und seine Popularität nicht zuletzt auch der entwaffnenden Ehrlichkeit und Unmittelbarkeit seiner Texte verdankt. Das kämpferische "Anti alles für immer" des dunkel funkelnden Debüts ist zunächst dem weich leuchtenden "Alles ist gut. Anders, aber gut" gewichen. Die Kanten sind runder. Und damit bleibt Casper im perfekten Einklang mit der deutschen Seele.
(Spiegel)

8. Am 05. September folgte mit "Hinterland" eine weitere Single, die Rang 11 in Deutschland schaffte (Österreich: 18, Schweiz: 51). Somit platzierten sich beide Singles höher als "So perfekt" 2011, das mit Platz 14 bisher Caspers beste Platzierung war.


9. In den Videos zu "Im Ascheregen" und "Hinterland" sieht man, wie auch auf dem Cover des Albums, Lisa Volz, eine GNTM-Teilnehmerin des Jahres 2012.

10. Casper stellt "Hinterland" in Deutschland vor:

24.10.2013 Bielefeld, Forum
26.10.2013 Hannover, Musikzentrum
28.10.2013 Hamburg, Grünspan
29.10.2013 Köln, Gloria
30.10.2013 Berlin, SO36
01.11.2013 Dresden, Beatpol
03.11.2013 München, Strom
05.11.2013 Frankfurt am Main, Batschkapp
06.11.2013 Karlsruhe, Substage
09.11.2013 Stuttgart, Wagenhallen
06.03.2014 Saarbrücken, Garage
11.03.2014 Hannover, Swiss Life Hall
13.03.2014 Erfurt, Stadtgarten
14.03.2014 München, Zenith
15.03.2014 Leipzig, Haus Auensee
17.03.2014 Fürth, Stadthalle
18.03.2014 Offenbach, Stadthalle
19.03.2014 Stuttgart, Schleyerhalle
21.03.2014 Hamburg, Sporthalle
22.03.2014 Dortmund, Westfalenhalle
04.04.2014 Berlin, Max-Schmeling-Halle



5 Kommentare:

Joy Dana hat gesagt…

Schön, noch einen Musikblog gefunden zu haben :)
davon gibt es ja leider so wenige! :(

LG Joy
http://derphonograph.blogspot.com

Volker hat gesagt…

Auf zwei meiner Lieblings-Casper-Tracks, "Alles Endet (Aber Nie Die Musik)" und "...Nach Der Demo Gings Bergab" kommen solche Grausamkeiten wie "La Rue Morgue" oder "Jambalaya".
So kann man sich seine Wertung auch versauen
6

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6 Punkte

Dirk hat gesagt…

Volker sieht das schon richtig. Mehr Punkte für Casper als für Kumpel Thees!

6,5 Punkte