Dienstag, 9. Juli 2013

Portugal. The Man - Evil Friends

















John Baldwin Gourley hat für das siebte Album seiner Band Portugall. The Man einige Änderungen vorgenommen: Zunächst wurde das Personal ausgetauscht, denn an Keyboards und Schlagzeug wurden Ryan Neighbors und Jason Sechrist durch Kyle O'Quin und Kane Ritchotte ersetzt. Dann wurde mit der seit 2006 bestehenden Routine, jedes Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, gebrochen. "Evil Friends" erscheint 23 Monate nach "In The Mountain In The Cloud". Und schließlich wurde mit Brian Burton aka Danger Mouse aka Hans Dampf in allen Gassen ein angesagter Produzent hinzu gezogen.

Über das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wird heftig diskutiert: Den Einen ist die Produktion in Abwesenheit der Portugal. The Man sonst eigenen Ecken und Kanten, Wendungen, Wirrungen und Auswüchsen zu stromlinienförmig, vorhersehbar und einfach zu "typisch Danger Mouse" geraten, so dass die Nähe/Ähnlichkeit zu Burtons Projekt Broken Bells zu groß geworden ist. Die Anderen loben den Schritt in Richtung eingängigem, melodiösen und pathetischen Retro-Pop sowie die Ausbreitung einer neuen Soundästhetik.
      
Stellvertretend für beide Vertreter seien unten Ausschnitte aus den Reviews des Rolling Stone (3 Sterne) und bei Plattentests.de (8/10 Punkten) aufgeführt, dazu 3 Videos, um selbst einen Eindruck zu gewinnen:



Das ist ihm teilweise gelungen, wenn ein Song wie „Holy Roller“ wie von den Beastie Boys gelenkt daherpoltert beispielsweise. Es ist ihm aber auch öfter mal misslungen, immer dann, wenn all die weirdness, die Portugal. The Man interessant macht, zugunsten stringenter, formatradio-kompatibler Beats und Hooks eingeebnet wird. „Someday Believers“ ist so ein Beispiel. Erinnert an die Portugal-Hits – dieses muntere Klavier, der Jubel-Refrain, John Gourleys Falsett –, alles aber flacher, schlapper, viel weniger von sich selbst begeistert, als man es von der kleinen gro-ßen Band in der Vergangenheit kannte. Im Titelstück klappt das besser, da knallt der Rumpelfuzzbeat nach einer halben Minute herrlich in das etwas gespreizte Musizieren. Auch das Casio-Gepiepse, das in „Modern Jesus“ mit der betulichen Akustikgitarre konkurriert, funktioniert prima. Aber letzlich fehlen den netten Sound-Ideen packende Songs, denn diese hier packen nicht, selten funktioniert die neue Straightness so gut wie in dem herrlich hochnäsigen „Creep In A T-Shirt“, häufiger geht es schief wie bei „Atomic Man“, wo behauptete Breitbeinigkeit und blöder Mitgröl-Refrain reichlich albern wirken. Unterm Strich leider nur halbgut.
(Rolling Stone)


"Plastic soldiers" entpuppt sich als eingängiger, klassisch-harmonischer Albumauftakt und treibt wie auf Zedernholz im schicken, für Danger Mouse üblichen Indie-Understatement und Global-Goon-Sounds in die Gehirnrinde. Eine kaum greifbare Melancholie dominiert dagegen das trotz allem leichtfüßige, bläserdurchsetzte "Creep in a T-shirt" und gipfelt wundersam in einem erhabenen Refrain, wie er seit "The satanic satanist" kaum in dieser Reinform von Gourley vernommen werden konnte. Das Titellied beginnt demgegenüber als dezent gehaltener Shoegazer, bevor es mit Surfbeat zum punkigsten und tanzbarsten Stück des Band-Katalogs mutiert. Doch vor allem "Modern Jesus" sowie "Atomic man" offenbaren in ihren Kerntexturen das bewusst simpel gehaltene musikalische Syntagma von "Evil friends". Diese Konzession an den melodieverliebten Fan, ohne Ausverkauf, ist positiv auf der Haben-Seite der Gourley-Mannen zu verbuchen, wovon das mitreißende "Hip hop kids" Zeugnis ablegt.
"Sea of air" und "Waves" präsentieren sich hingegen in balladeskem Gewand, wobei letzterer sich in megalomanischem Streicher- und Bläserbombast zu wälzen beginnt, welchen "Holy roller (Hallelujah)" beschwingt und locker abschüttelt. Der Eindruck mag sich aufdrängen, dass Danger Mouse die Band von dem Gebirge und ihrer Wolke Richtung Beatlastigkeit und Eingängigkeit runterholte und Portugal.The Man durch konzises Songwriting zu mehr Effektivität verhalf. So geschehen mit "Purple yellow red and blue". "Someday believer" könnte dagegen aus den mittleren 1990er Jahren und irgendwo aus einem Pub in Manchester stammen. More british ist nicht drin. Mit "Smile" kommt ein emotional geschwängerter Rausschmeißer mit Streicherknüpel und Elton-John-Klavier, das ein Solo aufbietet, welches diesen Namen einmal wieder voll verdient. Warum? Weil es in die Essenz des Rock gepurzelt ist. So viel Vielfalt muss schon sein. Und so gediegen "Evil friends" begann, so abrupt endet es. Ein radikaler Cut und aus die Maus.
(Plattentests)




2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

8 Punkte

Hat die Band eigentlich schon ein schwaches Album veröffentlicht?

Dirk hat gesagt…

Weiß ich nicht, denn:

Warum habe ich die Band bisher bloß nicht beachtet?!

8 Punkte