Samstag, 20. Juli 2013

Jack Beauregard - Irrational

















Deutschland-Tour
10. Station: Berlin

In Berlin ansässig sind mittlerweile der Kölner Daniel Schaub und der Hamburger Pär Lämmers, die 2006 die Band Jack Beauregard gründeten und dafür auf den Namen eines alternden Revolverhelden aus dem Italowestern "Mein Name ist Nobody" zurückgriffen.

2011 wären ihnen fast der große Wurf gelungen, als Deutschland das passende Lied für Lenas Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf suchte. 12 Songs stellte Lena in zwei Halbfinalen vor und das Publikum wählte beide von Schaub und Lämmers geschriebenen Titel ins Finale. Während für "Maybe" dort schnell Schluss war, erreichte "Push Forward" die Stichwahl gegen "Taken By A Strange" und hätte die Komponisten somit fast zum größten Liederwettbewerb geführt.
Beide Titel landeten jedoch auf Lenas Album "Good News" und erreichten mit dieser Interpretin die Spitze der Albumcharts. Auch auf Lenas erstem Album waren die beiden Komponisten bereits mit zwei Liedern vertreten.  

Mit "Irrational" haben Jack Beauregard nun ihr drittes Album veröffentlicht, das gespickt ist mit eingängigem Synth-Pop und 80er-Zitaten. Während "Not That Kind" oder "Where Is The Line" als Single-Veröffentlichung von Lena sicherlich Hits geworden wären, zitiert "The Harbour" "Mothers Talk" von Tears For Fears und pluckert durch "Houston" ein Frankie Goes To Hollywood-Beat.

Freunden von M83, Nik Kershaw, Hurts und Alphaville zu empfehlen. 



Wie sublim Jack Beaureagard die unterschiedlichen Einflüsse verarbeiten, lässt sich an "Silver Mine" eindrucksvoll demonstrieren: dem simplen bis monotonen und gleichzeitig unterproduzierten Puls wird eine komplexen Harmoniestruktur gegenübergestellt, die konstant Oberwasser behält. Man mag sich gar nicht ausmalen, was Armand van Helden oder französische Filter-Fürsten aus einer solchen Vorlage gewuchtet hätten. Nur einen Song später zeigen Lammers und Schaub, dass sie keineswegs an einem Understatement-Komplex leiden, laut knallen können und ihre Pappenheimer (Duran Duran, Wet Wet Wet und Hong Kong Syndikat) gut kennen. Für das energische "The Harbour" mit seinem In-The-Air-Tonight-Schlagzeug und den Sopran-Sax- und Gniedel-Gitarren-Soli gilt das natürlich genauso.
Immer wieder (genauer: bei "It’s Going Down" und "Houston") wird der Autor daran erinnert, das Erlend Øyes Whitest Boy Alive Projekt einflussreicher war, als jemals für möglich gehalten. Dass beide Nummern zu den Album-Höhepunkten zählen, spricht sowohl für Herrn Oye als auch für Jack Beauregard. Dass Jack Beauregard überhaupt an der Schnittstelle von Organisch-Analogem und Digital-Programmiertem arbeiten können, haben sie der Tatsache zu verdanken, auf "Irrational", ihrem mittlerweile ja dritten Album, zum aller ersten Mal mit – wie sagt man das jetzt – richtigen Gastmusikern kollaboriert zu haben. Diese Unbestimmtheit gibt "Irrational" etwas Schwereloses, Dahin-Schwebendes. Aber leider gibt es dem Album eben auch etwas Schwereloses, Dahin-Schwebendes. Vor lauter Klangflirren bleibt von Stücken wie  "Cologne" oder dem seltsam deplatziert wirkenden "For All The Time" nur der Eindruck, dass der Wunsch, viel helfe viel, Vater des Gedanken war. Andererseits: das sind nur zwei von zehn. Acht Punkte.
(join! music)



3 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Fluffig eingängige Sommermusik. Auch wenn ich da nur einen Sommer drauf tanze

7

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Zu glatt.

5 Punkte