Freitag, 12. Juli 2013

Frida Gold - Liebe ist meine Religion

















Deutschland-Tour
2. Station: Hattingen (im Ruhrgebiet)

Tief im Westen, mitten im Dreieck zwischen Essen, Bochum und Wuppertal liegt das 50 000-Einwohner-Städtchen Hattingen, in dem 2005 die Band gegründet wurde, aus der nach einigen Umbenennungen Frida Gold werden sollte. Alina Süggeler (Gesang), Andreas Weizen (Bass), Julian Cassel (Gitarre) und Thomas Holtgreve (Schlagzeug) tourten bereits mit Bosse (nach dessen Song "Frida" sich die Band auch benannte) oder auch Kylie Minogue und veröffentlichten 2011 mit "Juwel" ein erstes Album. Ihre Single "Wovon sollen wir träumen" wurde als Hymne der FIFA Frauenfußball-WM ausgewählt, erreichte Platz 19 in Deutschland und verkaufte sich rund 250.000 Mal.

Jetzt spielen die Damen wieder Fußball und Frida Gold stehen höher in den Charts als jemals zuvor: Die Single "Liebe ist meine Religion" kletterte aktuell bis auf Platz 4 der deutschen Single-Charts. Die italienische Sängerin Gala dürfte sich über die Tantiemen freuen, da der Song recht deutlich deren "Freed From Desire" (1996) zitiert. 

Die Produktion des Albums, das den gleichen Titel trägt wie die Single, fand in Los Angeles statt und hat dem entsprechend auch internationalen Disco-und Dance-Pop-Standard. Wären da bloß nicht diese Texte! Das gelegentlich ins Englische gesprungen wird, macht es sogar noch schlimmer. Einen Lyrik-Preis werden die schöne Alina und ihre Mitstreiter nicht gewinnen, doch dafür steigt "Liebe ist meine Religion" von Null auf Eins in die deutschen Albumcharts ein.      

Fast alle 12 Songs sind toll produziert. Selten war deutscher Pop so eingängig und tanzbar. Zum Finale wartet eine fulminante Feuerzeugschwenk-Ballade ("Deine Liebe"). In den Texten philosophieren Frida Gold wie gewohnt über die Liebe und den Sinn des Lebens. Dabei erweisen sie sich nicht unbedingt als Deutschlands größte Dichter und Denker. Aber sie untermauern mit dem zweiten Album das, was sich schon mit dem ersten angedeutet hat: originelle musikalische Ideen + charismatische Sängerin mit angenehmer Stimme = eine Band, an der wir noch lange unsere Freude haben werden.
(BR)


Mit melodischen und harmonischen Strukturen im Popgewand geht es auch den Rest des Albums weiter. Hier und da blitzen elektronische Töne auf, wie etwa bei "Die Dinge haben sich verändert" und "Leuchten". Ab und an grüßen die alten Bekannten wie Rosenstolz oder bei besseren Titeln wie "6 Billionen" und "Deine Liebe" auch Mieze und ihre Band Mia.. Dann kommen wieder Erinnerungen an den selbsternannten Pop-Titan Bohlen. Denn Titel wie "Große Erwartungen" und "Rosegarden" könnten auch aus seiner Feder stammen und würden einer Yvonne Catterfeld super stehen. Alle Songs auf "Liebe ist meine Religion" sind fest verpackt im Mainstream-Gedöns namens Pop – leicht zugänglich und mit dem nötigen Quäntchen Wiedererkennbarkeit, um in den Radio-Charts und den Großraumdiscos auch außerhalb Hattingens zu landen.
(Plattentests)


1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Je weiter man sich durchhört, desto fürchterlicher wird es.

3 Punkte