Samstag, 6. April 2013

Orchestral Manoeuvres In The Dark - English Electric

















Erst musste man 14 Jahre auf einen neuen Tonträger warten, dann erscheint rund 30 Monate nach dem gelungenen Comeback "History Of Modern" bereits ein weiteres Album von Orchestral Manoeuvres In The Dark. "English Electric" heißt es, aber zunächst hört man die über siebenminütige Single "Metroland" und muss erst einmal an deutschen Elektro-Pop und dessen Pioniere Kraftwerk denken. Dann erfährt man auch noch, dass Claudia Brücken von Propaganda auf "Kissing The Machine" zu hören ist. Ein Song, den Andy McClusky 1993 zusammen mit Karl Bartos für "Esperanto" von Elektric Music komponierte und  hier mit Paul Humphreys komplett überarbeitet wurde. Jener Karl Bartos veröffentlichte - genau wie nun O.M.D. - letzten Monat mit "Off The Records" ein eben so gutes wie retrofuturistisches Pop-Album.

Im Gegensatz zu "History Of Modern" weist jedoch "English Electric" keinerlei Ausfälle auf und ist noch weiter auf die Musik der frühen 80er Jahre ausgerichtet: neben einer weiblichen Roboterstimme, die einen durch das Album geleitet, gibt es weitere Kraftwerk-Reminiszenzen, erneut einen Song über eine weibliche, historische Persönlichkeit ("Helen of Troy" folgt damit "Joan of Arc") und nostalgische Anleihen bei eigenen früheren Songs ("Dresden" lässt an "Enola Gay" denken). Aber nicht alles orientiert sich an der Vergangenheit: Die experimentellen "Our Sytem" und "Atomic Ranch", sowie das basslastige "The Future Will Be Silent" steuern dem Retro-Wahn entgegen.  

Das Artwork stammt erneut von Peter Saville (Joy Division, New Order) und "English Electric" kann in zahlreichen Formaten erworben werden: neben CD (+DVD) sowie LP gibt es noch ein Special Fan Box Set (Ltd. Edition als Collectors Tin mit geprägten Logo, CD/DVD/Demo CD in 7" Gatefold Card Sleeve, 7" Single Colour Vinyl mit einer exklusiven B-Side, 16 Seiten Booklet im 7" Format, 2 Artwork Prints, 2 Foto Prints, handsignierte Echtheitsbescheinigung).
 


Und tatsächlich wohnt diesem Album, versteckt unter der oberflächlich leichtfüßigen Synthie-Pop-Verpackung mit seinen schönen weil eingängigen Melodien, eine bittersüße Wehmut inne. Um mal einen abgedroschenen Begriff zu bemühen: das Soundgewand wirkt retrofuturistisch. Die Wurzeln des Sounds liegen klar und deutlich hörbar in den 80ern und dennoch wirkt er so frisch und unverbraucht, als handelte es sich bei OMD um eine Band, die mit jugendlichem Leichtsinn und völliger Unbeschwertheit ans Werk ginge. Die erste Single “Metroland” ist ein gutes Beispiel dafür. Klassischer OMD Sound (tanzbarer Beat, weitläufige Synthieflächen, akustisches Blingbling, Andys noch immer beeindruckend markante Stimme), eingängig wie immer, und doch von einem Fernweh nach Unerreichbarem gekennzeichnet. Dass sich OMD dabei auf eine alte Bahnlinie Londons beziehen ist dabei nur konsequent. Vielleicht kennt Ihr das Gefühl von Freiheit und gleichzeitiger Gefangenheit, wenn Ihr mit der Bahn reist und Landschaften mit 200 Stundenkilometern an Euch vorbeirauschen und all die kleinen Orte, die dabei passiert werden, Fragen aufkommen lassen wie: wie war das hier früher? Wie wird das mal sein? Wie ist das Leben hier? Was ist eure Vergangenheit, wie wird eure Zukunft? Was bindet euch an dieses Nichts? Und so weiter…
Auch wenn der Sound leicht ins Ohr geht, sollte man sich von seiner oberflächlichen Einfachheit nicht täuschen lassen. Dem Albumstitel entsprechend erweisen sich OMD hier als herausragende Techniker, die sich einiges haben einfallen lassen, um ihrem Klangbild den letzten Schliff zu verpassen. So ist beispielsweise der akustische Hintergrund des Songs “Our System” im Wortsinn kosmischer Natur, stammt er doch aus den fragmentierten und ruhigen Geräuschen der Magnetosphäre des Planeten Jupiter. Kurz mal bei der NASA herumgesurft und schon war das entsprechende Sample-Material gefunden. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Und wer mag, hört bei dem ebenfalls ziemlich abgespaceten “The Future Will Be Silent” die Dubstepmomente dieses Albums. Neben den klassischen OMD Songs, die ein wohliges Gefühl der Vertrautheit hervorrufen (so etwa “Helen Of Troy”, das sich abermals mit einer großen Frau der Zeitgeschichte befasst), finden sich auch diverse ein- bis zweieinhalbminütige Tracks wieder, die den Bogen in die Moderne bzw. in die einst phantasierte Zukunft schlagen. (...)

Wie sich heutige Musiker die (musikalische) Zukunft vorstellen, diese Antwort sind sie uns noch schuldig. Bis es sie gibt, oder gar einen greifbaren Ausblick darauf, kann man mit dem dezent wehmütigen Rückblick aus dem Hause OMD eine Menge Spaß haben. Sofern Spaß bedeutet, einem tollen Album zu lauschen, das nicht notwendigerweise gute Laune bescheren muss, sondern die melancholischen Gedanken in gleichem Maße fließen lässt wie die Melodien der enthaltenen Songs.
(avalost)


As percolating synth-pop is pulled along at different speeds and executed with needle-sharp finesse, late night electro ballads collide with big sounding club cuts on a record which also features three interlude tracks, including dystopian missive 'Please Remain Seated' and 'Decimal', which is accompanied by this suitably mechanical video directed by German motion and graphic designer Henning M. Lederer.
LP Highlights include the radioactive clatter of 'Atomic Ranch' - a song which pokes fun at convention with computerised voices - 'Kissing The Machine' - which was composed in collaboration with early influence Kraftwerk member Karl Bartos -'Helen of Troy' - which revives the recurring historical figure motif - and the glacial, uplifting 'Metroland', the first single, out March 25th.
As Andy McCluskey says of the album; "the overarching feel tends to be a sense of loss, of melancholia, that things haven't turned out the way you wanted them to, whether it be with technology or personal relationships." The title itself - taken from a British industrial manufacturing company - has further resonance for the pair as locomotive enthusiasts and self-confessed technology geeks.
(contactmusic)

Orchestrale Manöver im Dunkeln in Deutschland:

21.05.13 Hamburg, Docks
22.05.13 Bielefeld, Ringlokschuppen
24.05.13 Berlin, Tempodrom
25.05.13 Leipzig, Haus Auensee
27.05.13 Köln, E-Werk

3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

In den besseren Momenten langweilig. 5,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Wer hätte das gedacht: besser als das aktuelle Album der Pet Shop Boys!

6,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Dass sie an das, hier völlig zu Unrecht viel zu schlecht bewertete, Comeback-Album nicht herankommen würden, war zu erwarten.

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