Dienstag, 26. März 2013

Lord Huron - Lonesome Dreams

















Wenn man auf dem Rücken eines Pferdes unterwegs ist, dann braucht man eben etwas länger, um von A nach B zu kommen. A wäre in unserem Fall Los Angeles und B Platten vor Gericht. 
Auf dem Pferd sitzt Ben Schneider, der Lord Huron eigentlich als Soloprojekt gründete, jetzt aber eine ganze Schar an weiteren Reitern neben sich versammelt hat: Mark Barry, Miguel Briseño, Tom Renaud und Karl Kerfoot spielen akustische Gitarren, zupfen am Bass, schlagen dezent auf perkussive Instrumente und stimmen den mehrstimmigen Gesang an. Freunde von Simon & Garfunkel, Fleet Foxes, Band Of Horses, Mumford & Sons und Other Lives sollten sich vielleicht ebenfalls auf den Sattel schwingen.
Etwas länger brauchte "Lonesome Dreams", um bei uns Gehör zu finden, denn eigentlich wurde das Debüt der Band bereits Ende 2012 in den USA und im Januar 2013 in Europa veröffentlicht.



wenn es für lord huron eine passende bezeichnung gäbe, dann vielleicht sowas wie "cowboy dream folk". das album versprüht den esprit von filmmusiken. an den starken stellen fast so, als hätten enrico morricone und paul simon während seiner graceland-phase einen soundtrack zusammen geschrieben. die platte braucht auf jeden fall etwas zeit um zu wachsen, daher empfiehlt es sich das werk mehrmals durchzuhören um sich ein urteil zu erlauben, auch wenn mich nicht alle 10 songs vollends überzeugen können. auch die letzten alben von prefab sprout scheinen songwriter ben schneider nicht unbekannt zu sein. wer es nicht glaubt sollte einfach mal "the gunman and other stories" durchhören. und letztlich haben lord huron mit "time to run" und "she lit a fire" singles die dem letzten mumford & sons album fehlten. das ist doch auch schon mal was, oder?
(revolver-club)


Schneider, er singt mit sirenenhaft-gefestigter Stimme unter wunderschönen Hall-Schichten hervor, seine Band vollführt  in den besten Momenten elegante Walzerdrehungen im klaren Mondlicht, während die Mundharmonika als Brandung an die leise Hymnik des Songs treibt – siehe etwa das magische Mitternachtsstück ‘Ghost of the Shore‘. Der vielleicht herausragendste Triumph feierlichen Schönklangs hier, in dem Lord Huron auch abseits der Erwartungshaltungen hinsichtlich der letztjährigen EP’s zu einer schier bezaubernden Hochform auflaufen, die beinahe vergessen lässt, dass ‘Lonesome Dreams‘ stellenweise schlicht zu sehr nach eindeutig identifizierbaren Vorbildern klingt und es sich auf Dauer beinahe zu gemütlich im Schatten weiter Berghänge machen.

Zwischen Gipfel- und Wüsten-Metaphern schwelgen Lord Huron als Ausgleich jedoch durch genügend große und kleine einnehmende Ohrwürmer um Ausfälle geschickt zu umgehen. Zumal die gleichzeitig unheimlich leichtfüßig schwebende und doch getragene Chose mit beschwingten Rhythmusfeuerwerken wie ‘The Man Who Lives Forever‘ oder dem Titelstück gedankenvoll spannend halten, und sei es nur, um  das Breitwandformat in ‘Lullaby‘ so noch atemberaubender strahlen zu lassen. Unter der Lupe finden sich so in Summe auch genug Feinheiten, die Lord Huron davon freisprechen als bloße Plagiatisten ohne eigene Vision durchzugehen. Und selbst wenn hier das Niveau der Vorbilder nie restlos erreicht wird: den Vorwurf der Inspirationslosigkeit  würden die versammelten 10 Songs ohnedies schlicht so lange in die Arme nehmen, in Liebe wiegen und zu tropikaler Folkrockigkeit ein zufrieden-erfülltes Lächeln ins Antlitz zaubern, bis dieser ebenso Null und Nichtig erschiene, wie jeder Schwermut abseits dieser Dreiviertelstunde reinster Wohligkeit.
(heavy pop)





4 Kommentare:

Julia hat gesagt…

Auch wenn der Bandname mich nicht anspricht, ist die Musik sehr schön.
8 Punkte, vielleicht auch 8,5.

Volker hat gesagt…

6

Dirk hat gesagt…

Unterm Strich verbleiben:

6 Punkte

Ingo hat gesagt…

8 Punkte