Mittwoch, 6. Februar 2013

The Ruby Suns - Christopher

















Christopher, zum Zweiten

Auch beim zweiten Christopher (der jedoch Ryan McPhun heißt und nur seinem Album diesen Namen gab) steckt eine junge Frau hinter der Entstehungsgeschichte. Denn den Mastermind der neuseeländischen The Ruby Suns verschlug es nach der Trennung von seiner Freundin und ehemaligen Bandkollegin nach Norwegen, wo er die Songs für "Christopher", das insgesamt vierte Album der Band, schrieb. 
Doch von Trennungsschmerz und Herzeleid hört man wenig: Das von Chris Cody (Beach House, Grizzly Bear) in New York produzierte Album piepst, quietscht und gluckert in bester 80s-Synthie-Pop-Marnier fröhlich vor sich in und verströmt den Duft von trashigem Euro-Pop und glitzernder 70er Jahre Disko. In den besseren Momenten darf man auch kurz an Empire Of The Sun, Hot Chip, Lightning Seeds oder Pet Shop Boys denken, ohne dass jedoch deren oft großartigen Melodien nachgebaut werden können.   

Angelehnt an Diskomucke aus den 70- und 80ern aber auch an Euro-Disco blubbert es ganz gemächlich vor sich hin. Die Lieder klingen trotz aller Verspieltheit und den psychodelischen Momenten tanzbar aber auch leicht dramatisierend. Diese Dramatik liegt überwiegend an der Falsettartigen Stimme McPhuns, mit der er auch bei den Bee Gees hätte unterkommen können. Die Musik selbst fühlt sich an wie der kleine Bruder der Shins. Zwar für die Tanzfläche geeignet aber leider nicht mit der Klasse. Irgendwie fehlt mir wie auf den ersten Alben das gewisse Etwas. Dieser Wow-Effekt stellt sich mir leider nicht ein. Wobei ja solche Songs wie “Starlight” und “Futon Fortress” Potenzial besitzen.
(Hurricanebar)


Album Nummer vier hat mit dem Sound von "The Ruby Suns" nicht mehr viel zu tun. Stattdessen gibt es hier zehn aalglatte Popnummern - ein paar, die direkt die Discotür aufstoßen, und ein paar andere, die zur gemütlichen Zweisamkeit auf der Rückbank einladen. Produziert hat McPhun das Album erstmals nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit Chris Coady, der schon etablierten Publikumslieblingen wie TV On The Radio, Foals oder auch Beach House unter die Arme gegriffen hat - letzteren übrigens bei deren Erfolgsalbum"Teen dream". Mit schwerem Geschütz geht es also los: Im Opener "Desert of pop" deklariert McPhun seine endlose Liebe zu einer Unbekannten und findet dafür allerlei blumige Umschreibungen, über die er eine Extraportion Zuckerguss kippt. Immerhin wird hier schon von Anfang an deutlich, in welche Richtung es gehen soll, auch wenn "Christopher" dieses Niveau nicht immer halten kann.

"Rush" schaltet dann ein paar Gänge zurück, überzeugt dank seiner minimalen Instrumentierung aber auf ganzer Linie, während die Single "Kingfisher call me" feines elektronisches Allerlei im Stile von Yeasayer und zudem noch die vielleicht stärksten Zeilen des Albums bereithält: "Dry your eyes / Is what to do / Don't listen to anyone / Except for you". Die zweite Hälfte des Albums gerät da leider etwas zu gewollt, vom funkigen "Starlight", das sich im Verlauf immer weiter aufplustert, bis zum stellenweise merkwürdig schwerfällig anmutenden "Futon fortress", dessen Knoten trotz schneller Rhythmik nicht so recht platzen mag. Als Schlusslicht gibt es mit "Heart attack" ordentlichen Synthie-Pop, der die Messlatte immerhin wieder ein ganzes Stück weiter oben ansetzt, nachdem sie schon beinahe Kniehöhe erreicht hatte. Gefällig ist das natürlich allemal - bleibt nur die Frage, wen das noch wirklich interessiert. Außer Plattentests.de natürlich.
(Plattentests)

2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Leider zu wenige Lightning Seeds-Momente.

5,5 Punkte