Freitag, 18. Januar 2013

Bergen - Bärenmann


















Ich denke es ist seit Jahren, auch in diesem Blog, kein Geheimnis, dass ich in großem Maße für deutschsprachige Musik zu begeistern bin, dabei eher verwurzelt in der melodiösen Pop oder Singer/Songwriter-Ecke, denn in dem  plärrenden stakkatoartigen, vom Feuilleton geliebten, Diskurs-Rock. So stieß ich auf der Suche nach neuen Eindrücken dieser Tage auf die Band Bergen und deren neues Album "Bärenmann". Eher zufällig, durch einen Verweis auf den Produzenten, in diesem Fall nämlich Erdmöbel Mitglied (und Produzent) Ekimas, was für sich eigentlich schon Grund genug war, sich mit dem Album zu beschäftigen. Gleichzeitig fielen mir aber auch diverse Kritiken auf, und zwar relativ polarisierende. So kann man z.B. in der taz (recht positiv lesen)

Es sind allerdings Themen, mit denen sich jene Menschen notgedrungen beschäftigen, die ein gewisses Alter erreicht haben. Ein Alter, in dem man einerseits notgedrungen Oberschenkelhalsbruch buchstabieren lernt, sich andererseits aber immer noch jung genug fühlt, um das Dasein von Popmusik strukturieren zu lassen.
So gesehen sind Bergen die perfekte Popband. Nicht obwohl, sondern gerade weil ihre Songs vom menschlichen Verfall handeln, von der ganz alltäglichen Verzweiflung und nicht zuletzt davon, wie man damit klarkommen könnte.
Mit "Bärenmann", ihrem zweiten Album, bringen Bergen nun zur Blüte, was sie seit Mitte der nuller Jahre auf zwei EPs und ihrem Debüt angedeutet, aber noch nicht in letzter Konsequenz ausgeführt hatten: Die in Dresden beheimatete Band spielt einen Pop, der so federleicht ist, wie er seine Konsumenten ernst nimmt. Der sich nicht bemüht, nostalgisch eine vergangene Jugend zu reanimieren oder längst verlorene Leidenschaft zu suggerieren. Der erst gar nicht versucht, den Zustand 40 plus mit all seinen erbärmlichen Begleiterscheinungen zu leugnen... Das Alter ist ein Massaker, aber bei Bergen klingt es immerhin wie ein bequemer Polstersessel.

während auf einer Blogseite eher vernichtend resümiert wurde

Das Info (???) sagt: "Bergen machen in der Sache da weiter, wo Distelmeyers "Apfelmann" aufgehört hat"- ok, wo ist der Mülleimer? Vor dem entscheidenden Wurf dann aber doch Besinnung und Gnade vor Recht: gebt der in diesem Falle Dresdener Halb-Jugend eine Chance. Und doch: Irgendwie kommt's wie eine weggeworfene Flowerpornos-fickt-Element-of-Crime-Session daher, die ein Witzbold aus der Asche zog und doch noch rausbrachte. Und das haben wir davon Indie-Folk-Pop-Schlager. 
Bruwäps

Witzigerweise machten mich beide Kritiken durchaus neugierig, der etwas kurze Verriss (bei dem ich mal darüber hinwegsehe, dass man eine meiner Lieblingsbands Flowerpornoes nicht mal richtig schreiben kann) fast noch mehr, als das Lob.
Also gab auch ich der achtköpfigen (?) Band eine Chance und musste schon schmunzeln, dass sie bei iTunes unter "Schlager", und beim Einlesen der CD unter "Country" abgelegt wurden. Beides ist natürlich Quatsch, ohne bestreiten zu wollen, dass das ein oder andere Element daraus durchaus mal vorkommen kann. Näher dran ist man dann schon mit den Namedrops aus den Rezensionen. Natürlich hat es, wie bei Blumfelds finalem Album einige "Naturanspielungen", natürlich könnte man, gerade in Liedern, in denen die männliche und weibliche Stimme wunderbar harmonieren, wie dem Eröffnungstrack "Bärenmann I" (was ein tolles Stück), an die Frühzeit der Flowerpornoes und die glasklare Stimme von Alexandra Gilles Videla denken. Und fast schon zu offensichtlich ist die Nähe zu Element of Crime im Lied "Wie Ist Das Bei Dir?", das mit schönen Trompeten beginnt, und dann vor allem in der Phrasierung des Sängers fast wie eine 1:1 Kopie von Sven Regener klingt. Es funktioniert dann aber irgendwie trotzdem gut. Auch im weiteren Verlauf des Albums tauchen die Trompeten immer wieder auf, was für eine wunderbar entspannte Grundstimmung sorgt (sicher auch Ekimas und seiner Produktion zu verdanken), es wird von Seebären erzählt, von Schwämmen, die als Ruder benutzt werden, von Beziehungen, die deutlich über ihre Anfangszeit und den Schwarm der ersten Tage hinaus sind, und wenn dann ein "Bärenmann II" mit einer Zeile wie "Schabige Tatzen, ziehn blutige Risse" beginnt, muss man sogar mal kurz an des Produzenten Hauptband denken.

Und während ich mich im Laufe des Albums immer mehr in der Musik von Bergen verliere, schleicht sich so aus den ganz ganz dunklen Ecken meines Gedächtnisses eine Vermutung, dass ich diese Band doch irgendwoher kenne. Und tatsächlich, beim Blick ins (verstaubte - also bitte Vinyl nachreichen liebe Band ;-) ) CD-Regal wird offenbar, mit "Gegenteil von Stadt" besitze ich schon ein Werk der Band. Und spräche die Güte des neuen Albums nicht schon für sich, so wäre es spätestens die Entwicklung in den drei Jahren zwischen diesen Werken, für die man Anerkennung aussprechen müsste. Das ist für mich eine Steigerung ums Ganze und endlich mal wieder ein wirklich schönes deutschsprachiges Album. Für wen allerdings Songwriter/Liedermacher = Schlager und Folkanklänge = Country (im Sinne von Truck Stop-Country) sind, der kann sich das natürlich schenken. Alle anderen, zugreifen!




Konzerttermine zum Release des Albums gibt es leider erst mal nur im eher nördlichen und östlichen Teil der Republik. Vielleicht ändert sich das ja noch.

17.1. Berlin - NBI Bar
18.1. Magdeburg - Moritzhof
19.1. Leipzig - Kaffee Schwarz
12.2. Hamburg - Astra Stube
13.2. Hildesheim - Kulturfabrik Löseke
14.2. Kassel - H**s
17.1. Berlin - NBI Bar
18.1. Magdeburg - Moritzhof
19.1. Leipzig - Kaffee Schwarz
12.2. Hamburg - Astra Stube
13.2. Hildesheim - Kulturfabrik Löseke
14.2. Kassel - H**s


3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Klingt teilweise schön nach Erdmöbel (z.B. in "Bärenmann II"), ist in seiner Gänze aber nicht ganz so gut.

6,5 Punkte

aXel hat gesagt…

7