Freitag, 14. Dezember 2012

1000 Gram - Ken Sent Me



























Glückliche Zufälle scheinen den Berliner Singer/Songwriter Moritz Lieberkühn zu begleiten. 2007 tourte er durch die Bars und Clubs von Berlin und traf dort seine heutige Frau Anna Roxenholt (New Found Land), mit der er mittlerweile in in ihrer schwedischen Heimatstadt Göteborg lebt. Seine in Berlin vergessen akustische Gitarre führte dazu, dass er nach Jahren mal wieder zur E-Gitarre griff und erkannte, dass er zukünftig, unterstützt von Bass und Schlagzeug, wieder mehr Krach machen wollte. Fehlten noch die entsprechenden Mitmusiker. Diese (Alexander Simm, Jacob Öhrvall und Joel Wästberg) lernte er dann auf einem Konzert kennen und gründete mit ihnen die Band 1000 Gram. Dass sein Schulfreund Tilman Hopf mittlerweile den Job des Produzenten ausübte, dürfte in die gleiche Kategorie gehören.

Im Chez Chérie Studio in Neukölln entstanden in zwei Sommerwochen 13 Songs, die auf den Kompositionen von Lieberkühn beruhten, durch die Bandbesetzung aber nun eher dem Indierock (obwohl sich der beschriebene Krach doch in Grenzen hält) als dem klassischen Singer/Songwriter-Stil zuzuordnen sind. Als Gewinner dürfen sicherlich "Push Someone", "Cut Me Some Slack" oder "Bells Resound" angesehen werden, insgesamt hätte man dem Album jedoch eine größere Dynamik und mehr Reibungspunkte gewünscht. 
Vielleicht hätte es "Ken Sent Me" auch schon gut getan, wenn man einige Titel gestrichen, für B-Seiten reserviert und dadurch die zu lange Spielzeit von 56 Minuten verkürzt hätte. Vielleicht empfindet hier aber auch jemand die Entdeckung des Debütalbums von 1000 Gram als glücklichen Zufall...

Ein Schlagzeug, von vielen akustischen und elektrischen Gitarren umzingelt, eher gemäßigter Gesang, der stark an Sprechgesang grenzt, seltener Harmoniegesang und Keyboardeinschübe. Der Sound der Band ist nicht schlecht, denn die Gitarrenarpeggien des New Wave und die mit viel Hall angereicherten Postrock-Gitarrenwände haben das gewisse Etwas, was seit Jahren von vielen anderen Bands erfolgreich genutzt wird. Leider werden diese Mittel auf diesem Album arg überstrapaziert und kaum von neuen, eigenständigen Elementen ergänzt.
So wirken die Songs blutleer und glatt, nur um zu gefallen. Immer im Wohlfühlbereich, nie ausbrechend, stets kontrolliert und scheinbar mit einem Auge auf den Mainstream schielend – man glaubt, die Band fahre mit angezogener Handbremse durch den Soundtrack der bekannten FIFA-Reihe. Immerhin ist das Album sehr gut produziert und bietet den vielen Gitarren den nötigen Raum, den sie brauchen.
Dabei ist Ken Sent Me von 1000 Gram von den Songideen her wirklich gelungen, aber auf der sicheren Seite des typischen und seit Jahren gleichen Alternative-Rock-Sounds zu fahren nimmt dem Album wirklich seinen Reiz. Na gut – als Newcomer ist die Band wohl noch auf der Suche nach ihrem Sound. Hoffentlich findet sie ihn bald.
(alternativ musik)


1000 gram als emo zu bezeichnen wäre missverständlich, denn dieser begriff wurde immer mehr zu einem schimpfwort - was schade ist, weil die musik, die unter diesem namen bekannt wurde, ursprünglich eine sehr tolle ist. 
auf »ken sent me« gibt es gitarren, die meist im duett in weichen zupftönen schmusen, dazu basstöne, die alleine sind und der kuschelei deshalb etwas trauriges abgewinnen, und gesang, der oft in hohen registern die passenden worte dafür findet. andere songs gehen in richtung frühere coldplay, vor allem die gesangsstimme erinnert wohl eher unabsichtlich an chris martin, was völlig wertungsfrei zu sehen ist. 
handgemachtes, das manchmal lauter wird und von gefühlen handelt, ist erst einmal nur genau das. und so ist das hier einfach ein kilo geile musik.
(rote raupe)


(...) Eine wirklich schöne Geschichte, nur leider gibt sie den 13 Songs auf Ken Sent Me nicht mehr Magie. Da ist wenig zu hören, was über klassisches Indie-Mittelmaß hinausgeht. Die Songs sind melodiebetont, ohne dass sie im Ohr bleiben, emotional, ohne dass sie berühren und schrammelig, ohne dass sie dreckig wären. Da wird es schon zu einem Highlight, wenn Lieberkühn bei Cut Me Some Slack mal in Sprechgesang abgleitet oder er sich bei Push Someone ein wenig wie Chris Martin anhört. Bei rund einer Stunde Spielzeit wundert es da niemanden, dass Ken Sent Me eine langwierige, um nicht zu sagen langatmige Angelegenheit ist. Nett hört sich das an. Ein Bier möchte man trotzdem mit dieser Band von nebenan trinken, dann können sie noch mehr davon erzählen, wie es zu diesem Album gekommen ist. Ken Sent Me kann dabei im Hintergrund laufen. Stört ja keinen.
(alternative nation)

1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Zu viel Leerlauf zwischen den wenigen wiedererkennbaren und abwechslungsreicheren Titeln.

6 Punkte