Freitag, 9. November 2012

Mando Diao - Infruset

cover 

Was macht eine Band, wenn sie dem Indie-/Alternative-Sektor über fünf zunehmend erfolgreiche Alben in Richtung “Mainstream” entwachsen ist und mit Caligola schon Grenzen in eine oder gar mehrere Richtungen ausgetestet hat? Nun, Mando Diao entschloss sich, ein Album mit vertonten Gedichten des schwedischen Dichters Gustav Fröding aufzunehmen. Dieser lebte in den Jahren 1860 – 1911. Obwohl der einen Großteil seines Lebens in Nervenheilanstalten verbrachte kam er schon zu Lebzeiten zu Ruhm. Angeblich erschienen zu seiner Beerdigung 200.000 Menschen. Aus Anlass des 100. Todestages wurden Musiker gesucht, welche einigen seiner Werke ein musikalisches Gewand überstülpen sollten. Daraus entwickelte sich dann “Infruset”, das sechste Album der schwedischen Band.

Dieses unterscheidet sich gleich in mehreren Aspekten merklich von den Vorgängern. Alle Songs werden entsprechend der Vorlagen des Dichters in der Muttersprache der Band vorgetragen. Auf rockige Klänge wird was durchweg verzichtet. Statt dessen vergebe ich das Label “Folk”. Vielleicht ist das der mutigste Schritt auf “Infruset”, gründeten Mando Diaos Erfolge der Vergangenheit doch vornehmlich auf Songs wie “Gloria”, “Dance with somebody” und “Down in the past”. Selbst ohne die Texte zu verstehen ist die Stimmung auf “Infruset” eindeutig gedämpft. Und dann übernimmt auch plötzlich noch Björn Dixgårds Schwester Linnéa Gesangsparts.

Offensichtlich können Mando Diao auch leise. Als Indiefreund hatt mich Mando Diao mit den letzten Hits und dem Caligola-Experiment abgeschreckt. Doch auf “Infruset” zeigt sich die Band erfreulich tiefgründig und entspannt und liefert damit ein gutes Album für die kommenden trüben und tristen Wochen ab. Besonders gut gefallen mir “Den själsvslagne”, “En sångarsaga” und “Men”.

Statt wie eingefroren bei ihrer erfolgreichen Linie zu bleiben, unternimmt die Band einen tänzelnden Ausflug über dünnes Eis. Aber sie bricht nicht ein sondern liefert ein überraschendes und hörenswertes Album ab.

Whiskey-soda.de:

Der Sound von Mando Diao auf 'Infruset' ist ein ganz anderer als bisher. Piano und Streicher stehen unangefochten im Zentrum. Gitarren und Schlagzeug treten höchstens vorsichtig und unauffällig dazu. Darüber legen sich kraftvoll die Stimmen der Frontmänner Gustaf Norén und Björn Dixgård (häufig gemeinsam) - und zwar, weil sie ja die Gedichte im Original zitieren, ausschließlich in ihrer Landessprache Schwedisch.

Der Song “En sångarsaga”:

Und hier gibt es noch eine Dokumentation zur Entstehung des Albums:


Mando Diao - „Infruset“ LIVE on MUZU.TV.

4 Kommentare:

Gudrun hat gesagt…

Was für eine schöne Überraschung! Das muss ich mir doch mal genauer ansehen/hören!

Ingo hat gesagt…

7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Qualitativ zwischen den "regulären" Alben von Mando Diao und dem unsäglichen Caligola-Nebenprojekt.

6 Punkte

Gudrun hat gesagt…

Ja ist irgendwie ganz nett, aber auch nicht mehr. 7 Punkte.