Donnerstag, 18. Oktober 2012

Martha Wainwright - Come Home To Mama

























Schöne neue Frisur, Frau..., nein, das ist ja nur ein Model und nicht Frau Wainwright selbst. Aber irgendwo habe ich diese Frisur in den letzten Tagen doch schon einmal gesehen?!

Die mittlerweile 36jährige Kanadierin ist vielleicht am ehesten durch ihre Zusammenarbeit mit Snow Patrol auf "Set The Fire To The Third Bar" oder ihren Bruder Rufus bekannt. Doch "Come Home To Mama" ist bereits - neben einem Tribut-Album an Édith Piaf - ihr drittes Album. Es wurde im New Yorker Studio von Sean Lennon aufgenommen, die Japanerin Yuka C. Honda (Cibo Matto) ersetzt Wainwrights Ehemann Brad Albetta auf dem Produzentenstuhl und neben diesen sind noch der Pianist Thomas Bartlett, Wilco-Gitarrist Nels Cline und Dirthy Three-Schlagzeuger Jim White auf dem Album zu hören.

Highlight ist die sehr Kate Bush-artige Single "Proserpina", die von ihrer vor fast zwei Jahr verstorbenen Mutter Kate McGarrigle geschrieben wurde. Die sich anschließenden "Leave Behind" und "Four Black Sheep" könnten ebenfalls Frau Bush zugeschrieben werden, nur solch' jazzige Skip-Kandidaten wie "Some People" und "I Wanna Make An Arrest" hätte uns Kate sicherlich erspart.
Die Kritiken sind bisher sehr wohlwollend geraten:  
Der erste Song täuscht ein Album vor, das dann doch andere Richtungen einschlägt. Hier huscht eine Kate Bush durch plattgetretende Soundlandschaften. Erst die George Harrison-Fingerübung Can You Believe Me zeigt Marthas Talent, so vielleicht auch ihre Berufung. Sie kann sich in einen Song legen. Proserpina ist dann das Highlight. Die Coverversion zeigt Martha ganz bei sich. Nichts bläst sie auf. Sie verwischt Traditionen. Eine Meisterleistung.
Ihre Stimme ist sehr präsent. Manches übertreibt sie. Sie schmückt zu sehr aus, so dass es etwas aufgesetzt wirkt und nicht die versprochene Intimität eintritt. Ein femininer Sound wurde angestrebt. Was soll das sein? Wenn das Album Fahrt aufnimmt, muss sich Martha immer neu positionieren. Sie ist am stärksten, wenn sie den Song im Rücken hat, wenn das Midtempo sie nicht hetzt. Die etwas theatralische Anmutung verzeiht man ihr bei Textzeilen wie I really like the make-up sex, it’s the only kind I ever get. Die an ABBA erinnernden Electro-Pop-Ausflüge sind nicht immer passend. Sie nehmen das Album auseinander. Sie teilen es in verschiedene Bereiche. Da haben es die Songs schwer, Anklang zu finden. Some People tröpfelt. Hier wurde etwas probiert. Ein Album sollte aber nicht immer ein Spielplatz sein. All Your Clothes und Everything Wrong setzen einen schönen Schlusspunkt.
(Jahrgangsgeräusche)


im dritten stück ‘ radio star ‘ schwächelt dann die platte das erste mal und bekommt erst gegen ende die kurve, wenn sich der rhythmus aus seiner lethargischen orientierungslosigkeit entreißt und martha wainwright mit druckvoller stimme ihre schmachtenden formulierungen in eine unaufhaltsame notwendigkeit presst. das gegenteil davon ist der nächste track ‘ proserpina ‘ mit seinen zärtlichen gesängen, den gebrechlichen klängen auf dem klaiver und den wundervollen chören. danach dauert es bis zu ‘ some people ‘, bis erneut ein träumerischer leckerbissen unsere gaumen verzaubert. aufgenommen wurde das album übrigens in new york city im sean lennon’s heimstudio und bietet durchaus seine großartigen und ausergewöhnlichen momente.
ein weiterer wäre noch das lebhafte ‘ i wanna make an arrest ‘ mit spritzigen gitarren, konfessioneller poesie und schrulligen kleinen elektronischen effekten. ‘ everything wrong ‘ trägt das album schließlich dem ende entgegen und hinterlässt einen durchaus positiven gesamteindruck.
(oh fancy)

Um Geld für ihre Tournee zu generieren, greift Martha Wainwright auf Pledge Music zurück: Gegen klingende Münze gibt es wie gewohnt CDs, LPs usw. aber man kann auch Unterwäsche ($20), vermutlich nicht getragen, einen Telefonanruf von ihr ($75) oder ein persönliches Konzert irgendwo auf der Welt ($20.000) käuflich erwerben  

3 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Nach dem ersten Track, dachte ich schon "Un wenn man meint es könnte musikalisch nicht noch schlimmer kommen...", aber dann kriegt die Platte ganz gut die Kurve. Mein Highlight "Four Black Sheeps" bei dem ich sogar an "Eleanor Rigby" denken musste. Auch die genannten Skip-Kandidaten gehen durchaus in Ordnung.

7 Punkte

Ingo hat gesagt…

Stark. 8,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Löst auch nicht mehr Begeisterung aus als die letzten Platten des Bruders.

5,5 Punkte