Mittwoch, 10. Oktober 2012

Dead Can Dance - Anastasis


























Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder? (IX)

Dead Can Dance wurde 1981 in Melbourne, Australien, von Lisa Gerrard und Brendan Perry gegründet. Sie veröffentlichten bis zu ihrer Trennung 1998 sieben Alben auf dem Stil bildenden 4AD Label, wobei "Into The Labyrinth" mit weltweit 500.000 verkauften Einheiten zur erfolgreichsten Platte des Labels wurde. Diverse Coverversionen ihrer Songs, Einsätze in Soundtracks und Tribute Alben verdeutlichen den Stellenwert dieses Duos, auch wenn ihre Platten in den internationalen Charts niemals eine besondere Rolle spielten: So erreichte beispielsweise "Spiritchaser", ihr letztes Album aus dem Jahre 1996, in den USA Platz 75 und im Vereinigten Königreich den 43. Rang.  

Nach einigen Reunion-Konzerten 2005 gibt es nach fast 16 Jahren nun mit dem passend betitelten "Anastasis" die Wiedergeburt von Dead Can Dance zu feiern. Produziert wurden die 8 Titel wie gewohnt von Brendan Perry und Lisa Gerrard, vertraut sind auch seine sonore Stimme, ihr heller, onomatopoetischer Gesang (also lautmalerisch, wie ich heute gelernt habe), und die Verbindung aus mittelalterlichen Klängen, Folklore aus unterschiedlichen Kontinenten und Neoklassik - nur das Label (PIAS Recordings) ist hingegen neu. 

In vielen Kritiken zum aktuellen Album wird Dead Can Dance gerade das, also fehlende Weiterentwicklung und keine Überraschungsmomente, vorgeworfen. Aber Fans dürften eigentlich genau das bekommen haben, worauf sie 16 Jahre warten mussten. Die Highlights sind für mich erst am Ende von "Anastasis" zu finden: die von Percussion und Streichern dominierten "Opium" und "Return Of The She-King" zählen zu den schnelleren Songs und gehören in die Schubladen mit den Aufschriften "arabische Einflüsse" und "europäisches Mittelalter".   

Hier noch der obligatorische LP-Hinweis: "Anastasis" kommt als doppeltes, durchsichtiges Vinyl.

Wie findet Jan Wigger vom Spiegel das Album? Toll.
Nichts auf der Welt ist schwieriger, als über Dead Can Dance zu schreiben. Dies sage ich nicht nur, weil ich ein absolut reines Gewissen habe, sondern auch, weil mir weit über 5000 "Zillo"-Kleinanzeigen ("Bin eine düstere Seele, lausche den Klängen von Umbra et Imago, Dead Can Dance und Seelenkrank, suche depressives Girl im Raum Magdeburg, Fußfetisch erwünscht") und beinahe ebenso viele Dead-Can-Dance-Rezensionen der Marke "Über einem Orgelton breitet ein Mantra seine Flügel aus und streckt sich immer weiter, bis der Orgelton hinter einem Himmel aus Geigen verschwindet" vorliegen. Auch hilft die ständige Aufzählung sämtlicher bei den Aufnahmen eingesetzter obskurer afrikanischer Instrumente und die Hinweise auf Weltmusik, Neoklassik und gregorianische Gesänge niemandem weiter, der nicht Musikethnologie studiert hat. Kurzum: Ich weigere mich, näher auf "Anastasis" einzugehen. Wer "Aion" (Meisterwerk), "Within The Realm Of A Dying Sun" (Meisterwerk) und "Toward The Within" (Meisterwerk) liebte, wird das erste Dead-Can-Dance-Studioalbum seit 16 Jahren zumindest aufrichtig mögen. Alle anderen sollen sich die Musik von Dead Can Dance halt weiter ungehört wie ein double feature von "Out Of Africa" und "Cairo Time" vorstellen, das niemals endet.


Anastasis lässt die Gräben zwischen den Lagern, die entweder von Kunst oder Kitsch sprechen, wohl sogar tiefer werden, denn Dead Can Dance klingen salbungsvoller und gefühlsduseliger als im vorigen Jahrtausend, sie treiben diese alte 4AD-Klangästhetik auf die Spitze. Das Album kommt einer noch umspannenderen Welt- und Zeitreise gleich, die einen von barocken und klassischen zu keltischen Klängen führt, von hymnischen Synthiebombast zu sakralen und morbiden Gothic-Sounds, von (fern-)östlichen zu afrikanischen Rhythmen, von Orient zu Okzident, vom Mittelalter bis ins Heute. Über allem schwebt die anmutige, entrückte Stimme Lisa Gerrards, die keine Texte singt, sondern die Worte zu Emotionen modelliert. Ihr kann man sich selbst als Nichtfan kaum entziehen, aber diese ambitionierte Musik, die zu viel von allem ist, kann den Hörer fertigmachen … oder lässt ihn andächtig werden.
(Musikexpress)



3 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Vielleicht zum letzten Mal dieses Jahr neue Gerichtstermine: u.a. Motorama, Lavender Diamond, El Perro Del Mar, Flowerpornoes und Kesha.

Und ans Weihnachtsgeschäften denken schon Lana del Rey, Mogwai und Sufjan Stevens.

Und dann gibt es auch einen ersten Termin für 2013: Prag.

Ingo hat gesagt…

Dead can dance und vor allem langweilen... 5,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder? (9)

"Opium" gefällt mir sehr gut, der Rest...

6,5 Punkte