Mittwoch, 17. Oktober 2012

Bat For Lashes - The Haunted Man

























Schöne neue Frisur, Frau Khan! 

Die mittlerweile fast 33jährige Natasha Khan hat nicht nur einen neuen Friseur, sondern auch ein neues, ihr mittlerweile drittes, Album veröffentlicht. "The Haunted Man" folgt im 3-Jahres-Rhythmus auf "Two Suns" (2009) und "Fur And Gold" (2006), bietet 11 neue Lieder an (plus "Lumen" und "Daphne" über iTunes) und steckt in einer von Ryan McGinley fotografierten Hülle. Dieser war auch schon für das Cover von "Með suð í eyrum við spilum endalaust" von Sigur Rós ausgewählt worden, drehte auch den Vdeoclip zu deren "Varúð" oder fotografierte für eine Serie die Besucher bei Dutzenden von Morrissey-Konzerten. 

Ähnlich reduziert und pur wie auf dem Plattencover (nackt, ungeschminkt, schwarzweiß) gibt sich Bat For Lashes auch auf "The Haunted Man". Die erste Single "Laura", eine tolle, zu Tränen rührende Piano- und Bläser-Ballade, deutete bereits an, dass der gekünstelte Ethno-Kitsch und der überbordende Hippie-Überfluss einer düsteren Schlichtheit weichen mussten. So ganz ohne ging es aber doch nicht. Und eine große Portion 80er Jahre-Kate Bush steckt immer noch in Bat For Lashes. 

Bei Stereogum findet sich ein ausführliches Interview mit Natasha Khan.



Ordentlich, aufgeräumt, befreit von vielem Magie- und Mystik-Gedöns, das Khans Musik aus dem Einerlei der Björk- und Kate-Bush-Epigonninen heraushob, das könnte und müsste man jetzt böserweise sagen. Langweilig und beliebig ist "The Haunted Man" trotzdem nicht, und das sagt einiges aus über die zweifach Mercury-Prize-Nominierte aus Brighton. Vom nackigen Selbstermächtigungs-Cover (fotografiert von Naturalist Ryan McGinley) bis zu Song-Texten, in denen sich Khan als starke, gereifte Persönlichkeit gibt, zeugt hier alles von einer großen Reduktion - und die kriegt man nur hin, wenn man genau weiß, was man will. Hinter musikalischem Bombast verstecken, was oft genug zur Vertuschung von Unsicherheiten dient. Doch damit ist es nun vorbei: ""And in this horror show/ I gotta tell you/ You're more than a superstar", singt Khan in "Laura" an eine imaginäre Freundin gerichtet, die es noch nicht geschafft hat, sich aus den billigen Verführungen des Glamour-Lifestyles zu lösen und ihren Namen "tattooed on every boy's skin" sehen will. Khan ist jenseits solcher Teenie-Phantasien angelangt, sie weiß, dass die Frau das eigentlich starke Geschlecht ist - und die Hand des Kerls auch geduldig festhalten muss, wenn er mal wieder von seinen Männlichkeits-Dämonen heimgesucht wird, "standing by my haunted man". Neben "Laura" und dem Titelsong ist das Hausfrauen-Klagelied "All Your Gold" einer der besten Songs des Albums: Sparsames Geklingel auf hüpfender Perkussion, dazu eine direkt aus den Achtzigern importierte Michael-McDonald-Harmonie - fertig ist der zeitgeistig in Pop-Zusammenhänge übersetzte R&B-Track. Wie trefflich: Musikalisch beeinflusst habe sie der Achtziger-Retro-Soundtrack zu Nicolas Winding Refns Film "Drive" und seinen alten Chromatics-Nummern. Die haben übrigens auch mal eine elektronische Coverversion von "Running Up That Hill" gemacht, da schließt sich der Kreis zu Natasha Khan und ihrem kalt glänzenden dritten Album. Fragt sich nur, wie viele Kate-Klone die Welt noch verkraftet. 
(Spiegel)



Bat For Lashes zu Besuch in Deutschland:

15.11.12 Berlin, Huxleys Neue Welt

4 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Leider nicht so gut wie das Vorgängeralbum. 6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Das Bat For Lashes Album, das mir bisher am besten gefällt.

7 Punkte

U. hat gesagt…

6 Punkte.

Oliver Peel hat gesagt…

Das Bat For Lashes Album, das mir bisher am wenigsten gefällt. Und das Cover? Scheußlich!

4 Punkte