Samstag, 8. September 2012

The XX - Coexist


























Ich werde wahrscheinlich der einzige Mensch in Deutschland bleiben, aber auch ich finde die Platte unfassbar. Unfassbar übertrieben gehyped. Mir ist das zu kalt und eintönig, zu reduziert und melodienarm, auch wenn es ein paar nette Momente aufweisen kann. Wobei ich betonen möchte, dass ich Kälte im Sound einer Platte nicht per se für negativ halte, so gefällt mir ja z.B das Fever Ray Album ausgesprochen gut. Hier konnte mich allerdings leider wenig fesseln. (Volker)

Wie können wir nur die lang erwartete Veröffentlichung von "Coexist" vor Volker geheim halten? Denn ansonsten passiert das Gleiche wie 2009 bei ihrem wunderbaren Debütalbum, nämlich, dass er das Album bis auf Rang 42 unserer Endauswertung hinunter wertet.

Warum das Vorgängeralbum "XX" von The XX bei Volker nicht funkte, weiß ich nicht. Aber "Coexist" ist ähnlich minimalistisch, melancholisch und meisterhaft geraten. Hier kann man sich derzeit selbst davon überzeugen.

Das Prinzip der Reduktion setzt sich in den Titeln des neuen Albums fort, sie bestehen aus einem Wort, maximal aus zwei - wie das wunderbare "Tides", in dem zarter Geigenklang die Atmosphäre durchzieht. Besonders gut funktioniert das, wenn beide im Gesang zusammenfinden. So wie in "Reunion", in dem sie die zärtlichsten Gesänge über Liebe, Erkennen und Ewigkeit über einen glucksenden Drumcomputer legen. Und man sieht förmlich, wie Sim seinen stets Verweigerung assoziierenden Blick auflegt. Hat jemals jemand diesem Mann ein Lächeln entlockt?
Die Stilmittel sind weitgehend geblieben, die sanfte Dramatik, die kunstvollen Leerstellen, die Auslassungen und das Zögern. Gleichzeitig diese brennende Ernsthaftigkeit, dieses Spiel, als ginge es um alles. Auch wenn sich gelegentlich, wie in "Tides" ein zaghafter Beat einschleicht oder wiederum in "Reunion" ein Drumcomputer als Herzschrittmacher fungiert. Es wäre übertrieben zu behaupten, The XX dränge plötzlich auf die Tanzfläche.
Das Trio trifft noch immer den Nerv der Zeit, gerade weil es so sehr nach Krisensymptomen klingt. In einem Sinne, wie sie nicht nur die Jugend für die Menschheit bereithält. Diese Verzweiflung in Moll, bei der am Ende kein erlösender Upbeat wartet. Dafür das Wunder der Entschleunigung. Dieses Gefühl von einer heillosen Verworrenheit im Gestrüpp des Seins, in Finanzmisere, Demokratieverdruss und Globalisierungswehen aus denen es kein Entrinnen zu geben scheint. Es sei denn in einer absoluten Innerlichkeit.
(Abendblatt)


Die Kompositionen auf Coexist wirken noch eine Spur zerbrechlicher als die des Debütalbums, es bleiben skelettierte Songs, perfekte Skizzen, die eine Ausarbeitung gar nicht nötig haben. An manchen Stellen des Albums wird die Verwurzelung des Trios im R’n’B einen Hauch offensichtlicher – auf dem Debüt war der R’n’B eher eine Ahnung, ein Geheimcode. Man muss sich nur den Gesang von Romy Madley Croft in „Angels“ anhören. Die Backings sind elektronischer, mit noch weniger Gitarren. Ab und zu knackt ein verlorener Beat, dann wummert ein solitärer Subbass. In „Swept Away“ wird am deutlichsten, was Jamie xx mit seinem vorauseilenden Statement gemeint hat. Hier konkurriert ein straighter House-Beat mit dem xx-Gitarrentwang.
Irgendwann im Vorfeld der Veröffentlichung hat Romy Madley Croft ihre Hoffnung geäußert, die Hörer sollen bitte nicht erwarten, „dass wir das erste Album noch mal machen. Das gibt es schließlich schon.“ Coexist ist nicht The xx Part 2, aber es ist auch nicht weit davon entfernt. Die Unterschiede liegen in klitzekleinen Details, was natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass der stilistische Variationsspielraum bei einer Band wie The xx nicht allzu groß ausfällt.
(Musikexpress)

10 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Volker, eine gute Nachricht für dich: Du bist nicht allein!

Bei Facebook bist du der Held eines gewissen Rolf Plewa - doch leider hat dieser nicht bemerkt, dass du in deiner (!) Plattenkritik (als würdest du hier Platten vorstellen!) Bezug auf das erste Album von The xx nimmst.
;-)

Hier der Kommentar von Herrn Plewa auf unserer Facebook-Seite.

Olly Golightly hat gesagt…

8,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Top 50 der Intro-Redaktion:
01 The xx »Coexist«

02 Frank Ocean »Channel Orange«

03 Grizzly Bear »Shields«

04 Beach House »Bloom«

05 Grimes »Visions«

06 Dirty Projectors »Swing Lo Magellan«

07 alt-J »An Awesome Wave«

08 Chromatics »Kill For Love«

09 Kindness »World, You Need A Change Of Mind«

10 Tame Impala »Lonerism«

11 Stabil Elite »Douze Pouze«

12 Lana Del Rey »Born To Die«

13 Hot Chip »In Our Heads«

14 Purity Ring »Shrines«

15 Kraftklub »Mit K«

16 Flying Lotus »Until The Quiet Comes«

17 Godspeed You! Black Emperor »‘allelujah! Don’t Bend! Ascend!«

18 DIIV »Oshin«

19 WhoMadeWho »Brighter«

20 Team Me »To The Treetops!«

21 Michael Kiwanuka »Home Again«

22 Twin Shadow »Confess«

23 Django Django »Django Django«

24 John Talabot »Fin«

25 Benjamin Gibbard »Former Lives«

26 Air »Le Voyage Dans La Lune«

27 Kendrick Lamar »Good Kid, m.A.A.d.
City«

28 Frittenbude »Delfinarium«

29 The Sea And Cake »Runner«

30 How To Dress Well »Total Loss«

31 Beak> »>>«

32 Calexico »Algiers«

33 Efterklang »Piramida«

34 Peaking Lights »Lucifer«

35 Cat Power »Sun«

36 Four Tet »Pink«

37 Die Antwoord »Ten$ion«

38 Perfume Genius »Put Your Back N 2 It«

39 Animal Collective »Centipede Hz«

40 Jack White »Blunderbuss«

41 Jessie Ware »Devotion«

42 Sizarr »Psycho Boy Happy«

43 Woolfy vs. Projections »The Ruturn Of Love«

44 Antony And The Johnsons »Cut The World«

45 Deichkind »Befehl von ganz unten«

46 Poolside »Pacific Standard Time«

47 Alabama Shakes »Boys & Girls«

48 Yeasayer »Fragrant World«

49 Die Heiterkeit »Herz aus Gold«

50 Deerhoof »Breakup Song«

Ingo hat gesagt…

Merklich weniger langweilig als das Debüt. 8 Punkte

Julia hat gesagt…

7,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Dann muss ich an meinem Heldenstatus graben. Es hieß ja vielerorts das Album sei dem Debüt sehr ähnlich.
Also entweder habe ich das Debüt komplett falsch in Erinnerung oder was an den Ohren. Für mich klingt "Coexist" nämlich deutlich anders, der Sound wesentlich wärmer. Überhaupt nimmt mich an dem Album vor allem der Beat/Sound/Rhythmus gefangen. Der ist dabei immer noch alles andere als überfrachtet, sondern besticht meines Erachtens vor allem durch das Setzen von Akzenten, dort ein leichtes Scheppern, da ein Nachhallen eines Taktes, dort ein tiefer wummernder Bass. Aber eben alles so sparsam und für sich allein stehend eingesetzt, dass es dem Song diesen gewissen Touch gibt .Während das Debüt doch unwahrscheinlich nahe an Früh-80er Sachen von sagen wir mal Joy Division oder Bauhaus dran ist, und machmal sogar komplett in Richtung Goth wegzukippen droht, höre ich auf dem neuen Album Musik, die ich teilweise fast schon unter "Dance" einordnen würde und die vielleicht in den Effekten sogar Anklänge an Hip Hop hat.
Wenn man etwas bemängeln will, dann vielleicht, dass manche Songs etwas zu sehr wie Fragmente wirken, so als hätte man sie abgebrochen, gerade als sie noch mal richtig ausbrechen wollten.
So oder so, die Riesenähnlichkeit zum Debüt bleibt meinen Ohren verschlossen.

8

Michael hat gesagt…

Kurz und knapp: Gut weil überzeugend!

7 Punkte

U. hat gesagt…

8,5 Punkte.

Christoph hat gesagt…

9, pfff!

Dirk hat gesagt…

Mein Lieblingsalbum 2012 bekommt:

9 Punkte